Paläontologen aus Göttingen

Forscherteam entdecken weitere fossile Flechten in Bernsteinen

Blattflechte aus Baltischem Bernstein: Forscher an der Uni Göttingen haben fossile Flechten gefunden und mit ihrem Fund die Zahl der bisher existierenden Belege von Flechten verzehnfacht. Foto: nh

Ein Forscherteam der Universitäten Göttingen und Helsinki hat 152 neue fossile Flechten in Bernsteinen gefunden und analysiert. Das teilte die Universität mit.

Flechten sind Symbiosen aus Pilzen und Algen oder Blaualgen. Heute sind etwa 20 000 Pilzarten bekannt, die komplexe Strukturen bilden, in denen mikroskopische Algen in einer geschützten Umgebung wachsen. Der Pilz profitiert von organischen Substanzen, die die Algen während der Photosynthese produzieren.

Die gefundenen Fossilien sind zwischen 24 und 47 Millionen Jahre alt und stammen von zwei bedeutenden europäischen Bernsteinlagerstätten: aus dem Baltikum und aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt. Bisher existierten lediglich 15 fossile Belege von Flechten. Mit dem Fund hat sich die Zahl der bekannten Flechtenfossilien also mehr als verzehnfacht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Nature Plants erschienen.

„Die Fossilien gehören diversen heute noch existierenden Familien und Gattungen der Flechten an“, so Dr. Ulla Kaasalainen, die als Humboldt-Stipendiatin die Fossilien an der Abteilung Geobiologie der Uni Göttingen untersucht hat. „Sie zeigen zahlreiche Strukturen, welche die Wasseraufnahme unterstützen, den Gasaustausch und somit die Photosynthese fördern und es zudem ermöglichen, dass sich Pilz und Algen gemeinsam verbreiten können.“

Heute sind Flechten bedeutsame Komponenten vieler Ökosysteme und dienen zudem als Umweltindikatoren, heißt es von der Universität.

„Die speziellen bei den Fossilien vorhandenen Anpassungen helfen, das komplexe Gleichgewicht von Wasseraufnahme, Photosynthese und Atmung der rindenbewohnenden Flechten aufrechtzuerhalten“, so Prof. Dr. Alexander Schmidt, Paläontologe am Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen. „Die ökologischen Anpassungen der Fossilien unterstützen zudem die Vermutung, dass die Baltischen und Bitterfelder Bernsteinwälder nicht in einem tropischen, sondern in einem gemäßigten Klima wuchsen.“

Die aktuelle Studie wurde in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jouko Rikkinen aus der finnische Hauptstadt Helsinki realisiert. (pug/vsa)

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