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Göttinger Forscher untersuchen Sinn und Wirkung: Erneutes Impfen verstärkt den Schutz

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Von: Thomas Kopietz

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Spritze wird in einen Arm gegeben.
Lohnt sich eine weitere Corona-Booster-Impfung? Ein Forscherteam beschäftigte sich nun mit Sinn und Wirkung. © Robert Michael/dpa

Lohnt sich eine weitere Corona-Booster-Impfung? Ein Forscher-Team ist unter anderem dieser Frage nachgegangen. Das sind die Antworten.

Göttingen – Ist die vierte (Booster-)Impfung sinnvoll – auch nach einer Corona-Infektion? Auch diese Fragen beantworten Göttinger Forscher am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in einer neuen Studie. Sie untersuchten, wie gut die im Blut von geimpften Personen vorhandenen Antikörper neue Omikron-Untervarianten hemmen oder kaltstellen können.

Sie verglichen dabei die Wirkung von angepassten (Booster) und nicht angepassten Corona-Impfstoffen. Wir stellen die Ergebnisse mit Fragen und Antworten vor.

Wirken die klassischen Impfstoffe, also die ursprünglichen, gegen SARS-CoV-2 besser als die angepassten, neueren Impfstoffe, die sogenannten Booster?

Nein. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass das Blut von grundimmunisierten Personen, welche zusätzlich eine Booster-Impfung (das heißt: vierte Impfung) erhalten hatten, eine höhere neutralisierende Aktivität gegen Omikron-Untervarianten aufweist als das Blut von grundimmunisierten Personen ohne Booster-Impfung.

Die Impfstoffe zielen darauf, dass bei einem Geimpften Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet werden. Sind diese Antikörper auch in der Lage die dominierenden Omikron-Varianten BA.5 und nun verstärkt neu auftretenden BA.2.75.2 und BQ.1.1 abzuwehren?

Jein. Nach Einsatz eines an die Omikron-Untervariante BA.5-angepassten Impfstoffes (Booster) ist Hemmung der Viren durch die Antikörper etwas effizienter als nach Verwendung des klassischen, nicht-angepassten Impfstoffes. Aber: „Der Unterschied zum klassischen, nicht-angepassten Impfstoff war jedoch gering“, wie Dr. Markus Hoffmann, Erstautor der Studie, sagt. Er gibt aber zu bedenken: „Wir haben uns einen Zeitraum kurz nach der Booster-Impfung angeschaut. Daher ist möglich, dass zu einem späteren Zeitpunkt deutlichere Unterschiede auftreten, so aufgrund fortgeschrittener Antikörperreifung.“ Hoffmann betont, dass bei fast allen Personen, die eine Booster-Impfung erhielten, neutralisierende Antikörper gegen die im Sommer zirkulierende SARS-CoV-2 Variante BA.5 vorhanden waren. Im Gegensatz dazu wurden bei einem Teil der Geimpften keine neutralisierenden Antikörper gegen BA.2.75.2 und BQ.1.1 nachgewiesen.

Wie ist zu erklären, dass diese neuen Omikron-Varianten, die weltweit auf dem Vormarsch sind, nicht oder nur schwach von der Booster-Impfung zu bremsen sind?

Das liegt an der starken „Antikörperflucht“. Wie gesagt, die Impfungen führen auch zur Bildung von Antikörpern, die die Viren attackieren und ein Eindringen in die Zellen verhindern. Einige Varianten von SARS-CoV-2 können sich aber teilweise der Attacke durch die Antikörper entziehen – sie flüchten und entkommen. Hinzu kommt: Die Omikron-Virus-Variante hat viele Mutationen im Spike-Protein gebildet. Das wiederum mildert die Attacke der Antikörper und das Virus kann wirken. Deshalb wurden die Impfstoffe angepasst, um einen besseren Schutz vor Omikron-Untervarianten zu erzielen.

Was bedeutet das in Bezug auf eine weitere Corona-Infektionswelle?

Von einer neuen Welle sprechen die Forscher aus DPZ und MHH nicht. Prof. Stefan Pöhlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am Göttinger DPZ, sagt lediglich unter Vermeidung von klaren Prognosen: „Es ist davon auszugehen, dass diese Varianten trotz Booster-Impfung bei einigen Patienten Infektionen mit symptomatischen Verlauf hervorrufen können.“

Was macht Hoffnung, dass auch die neuen Omikron-Untervarianten stärker attackiert werden können?

Die Studie zeigt auch, dass Proben von grundimmunisierten Personen mit Durchbruchinfektion während der ersten Omikron-Welle im Frühjahr 2022 und zusätzlicher (vierter) Booster-Impfung mit dem BA.5-angepassten Impfstoff, Antikörper aufwiesen, „die jede der getesteten neuen Varianten effizient neutralisierten und daher einen starken Schutz vor weiteren Infektionen mit Omikron-Untervarianten bieten sollten“, so Pöhlmann.

Ist eine Booster-Impfung demnach sinnvoll?

Ja. Eine Booster-Impfung ist laut der Forscher generell sinnvoll. Nur so kann die neutralisierende Wirkung der Antikörper auf neue Virusvarianten erhöht werden. Selbst wenn sich BA.2.75.2 und BQ.1.1 diesen Angriffen der Antikörper weitgehend entziehen können, so ist ein teilweiser Schutz gegen diese Varianten dennoch zu erwarten, auch, weil im Körper die T-Zellen aktiv werden, erklärt Markus Hoffmann.

Was fordern die DPZ-Forscher?

In einer vorherigen Studie hatten die DPZ-Forscher die Antikörperflucht untersucht. Daraufhin schlussfolgerten sie, dass eine Entwicklung von auf die neuen Untervarianten BA.2.75.2 und BQ.1.1 abgestimmte, neue Impfstoffe nötig sind.

(Thomas Kopietz)

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