Exoskelett

Roboter-Anzug verleiht zusätzliche Kraft: Göttinger Forscher arbeiten an Entwicklung

Exoskelett „Paexo Shoulder“ von Ottobock unterstützt den Puppenspieler Hans Kautzmann
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Unterstützung bei schwerer und künstlerischer Arbeit: Mit dem Exoskelett „Paexo Shoulder“ von Ottobock kann der Puppenspieler Hans Kautzmann die beiden Erdmännchen-Klappmaulpuppen länger über Kopf halten und sich besser auf das Spielen konzentrieren.

Ein internationales Projekt unter Beteiligung von Göttinger Forschern arbeitet an der Entwicklung von Roboter-Anzügen. Dieser verleiht dem Träger zusätzliche Kraft. Was sich anhört wie aus einem Marvel Superhelden-Film, ist mit Exoskeletten möglich.

  • Ein internationales Projekt mit Beteiligung des Gesundheitscampus Göttingen forscht an der Verbesserung von Exoskeletten
  • Die Exoskelette sehen aus wie Roboter-Anzüge
  • Mit der am Körper anliegende Konstruktion können schwere Gegenstände leichter angehoben werden

Göttingen - Ein internationales Projekt unter Beteiligung des Gesundheitscampus Göttingen will nun erreichen, dass bereits existierende Exoskelette verbessert und vorbeugend eingesetzt werden. Die Roboter-Anzüge können vor allem bei schwerer körperlicher Arbeit hilfreich sein.

Exosklelette – dieser Begriff hört sich abenteuerlich an. Dabei sollen diese zusätzlichen, tragbaren orthopädischen Hilfsmittel „nur“ das eigentliche menschliche Skelett, den Muskel- und Bandapparat entlasten. Die Exoskelette sehen aus wie am Körper tragbare Roboter-Anzüge. Sie sind vor allem für Menschen gedacht, die harte körperliche Arbeit verrichten müssen, wie auf dem Bau, im Handwerk, in der Industriefertigung, Logistik und Lageristik – aber auch in der Krankenpflege. Forscher aus Göttingen arbeiten in einem internationalen Projekt mit daran, die bereits existierenden Exoskelette zu verbessern.

Forscher aus Göttingen arbeiten an Verbesserung der „Roboter-Skelette“

Es geht darum, Schädigungen zu verhindern, Erkrankungen und damit Ausfallzeiten zu vermindern, somit auch Folgekosten zu senken. Das Projekt heißt „Exskallerate“. Neben dem Gesundheitscampus von HAWK und Uni-Medizin Göttingen sind zwölf weitere Projektpartner aus sechs Nordsee angrenzenden Ländern an der Forschung zu den „Roboter-Skeletten“ beteiligt.

Denn: Funktionierende, entlastende Zusatzskelette könnten vielen Menschen helfen. Forscher aus Göttingen helfen dabei die bereits existierenden „Roboter-Skelette“ verbessern. Allein in der EU sind pro Jahr 44 Millionen Arbeitnehmer von arbeitsplatzbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen betroffen. Diese kosten der Industrie jährlich etwa 300 Milliarden Euro.

Göttingen: „Roboter-Anzug“ als zusätzliches Skelett

Die Idee des Exoskeletts ist so einfach wie überzeugend: Die Konstruktion wird außen am Körper anliegend getragen, nimmt die auf bestimmte Körperbereiche einwirkenden äußeren Kräfte auf und leitet diese ab. So wird der Körper durch den „Roboter-Anzug“ geschont. Forscher aus Göttingen arbeiten daran, dieses System weiter zu verbessern.

Die Träger der Exoskelette können zudem auch verschiedene Bewegungen, wie etwa das Heben von schweren Gegenständen, mit weniger Kraftaufwand ausüben oder in sonst unergonomischen Haltungen, etwa beim Blick zur Decke, länger ohne große Ermüdungserscheinungen oder Muskelbeschwerden arbeiten.

Die Augsburger Puppenkiste nutzt die „Roboter-Anzüge“ bereits*. Durch die Nutzung von Exoskeletten können die Puppenspieler die Figuren länger über Kopfhöhe halten.

„Roboter-Skelett“: Gesunheitszentrum Göttingen ist Partner bei der Forschung

Die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) ist seit Projektstart im Januar 2020 Partner und betreut auch die Anwendung von verschiedenen Exoskelett-Varianten. Wie Prof. Dr. Christoph Rußmann aus Göttingen erklärt, geht es darum, das Exoskelett-Design weiterzuentwickeln.

„Dazu werden serienmäßig produzierte, passive Exoskelette in Feldlaboren erprobt und die zu verbessernden Produktmerkmale ermittelt. Ziel ist, die industrielle Anwendbarkeit und Akzeptanz in der Industrie zu erhöhen“, sagt Rußmann, der im Studiengang Mediziningenieurwesen lehrt und das Projekt am Campus Göttingen leitet.

Göttingen: Bessere Arbeitsplätze durch „Roboter-Anzug“

Letztlich geht es auch um Verbesserung der Arbeitsplätze. Werden sie durch die Verwendung der „Roboter-Anzüge“ schonender, weniger belastend, dann könnten sie auch für mehr Menschen attraktiver werden. So in der Krankenpflege. Wo auch die Pflegedirektorin der Universitätsmedizin Göttingen, Helle Dokken, sehr für arbeitsunterstützende und entlastende Geräte ist. Es geht dabei auch darum, die Mitarbeiter länger im Beruf zu halten. Somit würden auch Personalengpässe vermindert.

Aber auch kleine und mittelständische Unternehmen könnten profitieren, wenn die Arbeitnehmer gesünder sind und länger im Beruf arbeiten können. Durch den Einsatz von Exoskeletten könne die Belastung um zehn bis 40 Prozent gesenkt werden. Vorstellbar ist, wie sich das bei der Arbeit oder nach einem harten Arbeitstag anfühlt. Auf eine Lebensarbeitszeit betrachtet, wäre die Nutzung der „Roboter-Skelette“ eine enorme Kraft- und Belastungsersparnis.

Forscher aus Göttingen: „Roboter-Skelett“ auch für kleine Unternehmen

Sechs Nordseeanrainer-Staaten haben sich entschlossen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen – nicht für Großunternehmen, die meist bei solchen Entwicklungen bevorzugt werden. Auch der Gesundheitscampus Göttingen ist an der Forschung beteiligt. Das internationale Konsortium aus Unternehmensförderungsorganisationen, Clustern und Forschungsinstituten wird Feldlabore für die Erprobung mitgestalten.

Auch soll es gemeinsame Workshops geben. Dabei wird es darum gehen, die Entscheidungsfindung in Unternehmen zur Einführung von Exoskeletten zu verbessern. Es muss ja nicht gleich ein Roboter als Mensch-Ersatz sein, sondern vielleicht reicht ja auch ein optimierter Mensch. (Von Thomas Kopietz)

Forscher aus Göttingen sind auch an der Suche nach einem Corona-Impfstoff beteiligt. Infektionsbiologen aus Göttingen haben neue Ansatzpunkte für die Therapie und Impfstoff-Forschung entdeckt.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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