Neue Technologie soll Arbeitsschritte eingesparen

Aus Forschung sollen Produkte werden: Göttinger Geschäftsideen aus Plasma

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Wollen Plasma-Technologien für die Praxis nutzbar machen: (von rechts) Daniel Freier, Alexander Gredner und Christian Haese mit ihrem Mentor Prof. Dr. Stephan Wieneke.

Göttingen. Eine neues Göttinger Projekt soll ab sofort Plasma-Technologien, die auf den Zietenterrassen der Uni-Stadt entwickelt wurden, marktreif machen.

Viele Anwendungen 

Mit der Plasma-Technik können Oberflächen beschichtet, gereinigt, verändert und für eine weitere Behandlung aktiviert werden. Neuestes Anwendungsgebiet ist das Bedrucken von Materialien.

Farbe haftet nicht 

Bislang ist es fast unmöglich, große Aluminium- und Kunststofftafeln zu bedrucken. Die Farbe haftet nicht. Auf den Zietenterassen wurde eine Technik entwickelt, bei der Tafeln mit Plasma vorbehandelt werden. Die Folge: Die Werbeaufdrucke bleiben dauerhaft auf der Oberfläche. Bislang mussten solche Werbetafeln aufwändig beklebt werden.

Weniger Arbeitsschritte 

Durch die neue Technologie können gleich mehrere Arbeitsschritte eingespart werden: die Technologie ist effizient, umweltfreundlich und benötigt nur wenig Rohstoffe. Auf umweltschädliche Chemikalien kann weitgehend verzichtet werden.

Mehrere Mentoren 

Das Projekt der Photonik Inkubator GmbH besteht zunächst aus drei Mitarbeitern: Alexander Gredner (34), Daniel Freier (28), Christian Haese (36) sind Absolventen der Fakultät Naturwissenschaften und Technik der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) auf den Zietenterrassen. Als Mentoren fungieren die Professoren Dr. Wolfgang Viöl und Dr. Stephan Wieneke sowie Jürgen Haese, ehemaliger Inhaber und Geschäftsführer der Göttinger Firma Kappa Opto-Electronics GmbH.

Neue Plasmageräte 

Die drei entwickeln aus konkreten Vorgaben neue Plasmageräte, die von den Kunden direkt eingesetzt werden. Dabei hilft eine Art Baukastensystem, mit dem ein maßgeschneidertes und prozesssicheres Plasmaprodukt zeitnah für den Kunden bereitgestellt werden kann.

Entwicklung seit 20 Jahren 

„Diese Technologien wurden in den vergangenen 20 Jahren auf den Zietenterrassen entwickelt“, erklärt Professor Wieneke.

Unerstützung 

Unterstützung bei dem Projekt gibt es von der Photonik Inkubator GmbH aus Göttingen. Dort sind die drei Nachwuchswissenschaftler für zwei Jahre angestellt. Danach sollen sie sich mit einer eigenen Firma selbstständig machen und die Plasma-Produkte für die Drucktechnologie vertreiben und vermarkten. Damit das zweijährige Projekt finanziert werden kann, hat das Land Niedersachsen knapp 1,1 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Ziel: Eigene Fertigung 

„Wir werden die ersten Geräte in Zusammenarbeit mit Zulieferern produzieren“, sagt das Trio. Eine eigene Fertigung ist angestrebt. Daraus könnten weitere Arbeitsplätze für die Region entstehen.

Plasma: Erzeugung mit elektrischer Entladung 

Plasma wird häufig auch als vierter Aggregatzustand neben fest, flüssig und gasformig bezeichnet. Erzeugt wird das Plasma durch eine gezielte elektrische Entladung in einem Gerät.

Die Elektronen schweben im Plasmazustand frei im im Raum. Plasma ist extrem heiß - über 80 000 Grad Celsius. Stahl beginnt übrigens schon bei 1200 Grad zu schmelzen.

Die Göttinger Forscher können ihre Geräte aber so einstellen, dass die Behandlung für den Menschen völlig unschädlich ist. Man spürt die Behandlung praktisch nicht.

Aus Forschungsidee wird ein Produkt 

Mit dem aktuellen Plasma-Projekt läuft jetzt das fünfte Vorhaben seit dem Start des Göttinger Photonik Inkubators im Jahr 2014 an.

Das Unternehmen ist eine Tochter des „Life-Science Inkubators“ in Bonn und verfolgt das Ziel, Forschung und Entwicklung aus dem akademischen Bereich weiterzuführen und zu kommerzialisieren. Aus einem ersten Projekt ist inzwischen eine Firma geworden, berichtet Geschäftsführer Dr. Jörg Fregien. Dies beweise nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch den Erfolg des Konzepts.

Drei Fragen an Prof. Dr. Stephan Wieneke: „Immer neue Ideen“ 

Bei der Vermarktung von Plasma-Produkten werden die Nachwuchswissenschaftler von Prof. Dr. Stephan Wieneke (44) unterstützt. Er ist ihr Mentor und treibt die Forschung in diesem Bereich an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) voran.

Herr Wieneke, welche Produkte wird es in den kommenden Jahren auf Plasma-Basis geben? 

Stephan Wieneke: Es werden Handgeräte für den Hygienebedarf für Jedermann verfügbar sein. Ein bekanntes Beispiel ist der Plasma-Läuse-Kamm.

Warum ist die Plasma-Technologie so zukunftsträchtig? 

Wieneke: Die Technologie ist effizient, umweltfreundlich und benötigt nur wenig Rohstoffe. Auf umweltschädliche Chemikalien, zum Beispiel zur Desinfektion, kann weitgehend verzichtet werden.

Wird die Entwicklung weitergehen? 

Wieneke: Ja, die Verfahren werden noch weiter verfeinert. Gemeinsam mit der Fakultät Naturwissenschaften und Technik entstehen immer neue Ideen, die zu neuen Produkten und Verfahren werden.

Kontakt: Photonik Inkubator GmbH, Hans-Adolf-Krebs-Weg 1, 37073 Göttingen, 0551/ 30 72 41 36.

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