Tierische Helferin für die Wissenschaft

Forschungs-Projekt: Malou erschnüffelt Luchs-Kot

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Immer der Nase nach: Malou schnüffelt im Wald nach Geruchsspuren der Luchse und wird dabei von Ole Anders begleitet.

Göttingen/Bad Sooden-Allendorf. Um den Geheimnissen der Luchse auf die Spur zu kommen, bekommen die Mitarbeiter des Harzer Projektes tierische Unterstützung.

Eine Jagdhündin erschnüffelt den Kot der Pinselohren. Malou war jetzt bei Bad Sooden-Allendorf im Einsatz.

Seit vielen Jahren versuchen die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Harz, möglichst viele Erkenntnisse über die Lebensweise und die Ausbreitung der ausgewilderten Luchse zu gewinnen.

Sie werten Beobachtungen und Meldungen aus, verfolgen Spuren im Schnee, stellen Fotofallen auf und verfolgen mit Hilfe von GPS-Halsbandsendern und Telemetrie-Daten die Aufenthaltsorte und Wanderrouten einzelner Tiere. Jetzt will der Leiter des Harzer Luchsprojekts, Ole Anders, mit Hilfe einer Spezialistin weitere Details über die Pinselohren erfahren.

Hündin aus Österreich

Die neue „Assistentin“ stammt aus Österreich, ist ein Jahr alt, hat vier Beine und verfügt über eine ganz besondere Fähigkeit: Jagdhündin Malou kann den Kot und andere Hinterlassenschaften von Luchsen aufspüren.

Hinterlassenschaft vom Luchs: Ole Anders zeigt den Kot, den der Luchs hier vergraben hat. Im Hintergrund sucht Malou. 

Ole Anders hat seine steirische Rauhhaarbracke zum „Wildlife Detection Dog“ ausgebildet. So lautet der Fachbegriff für speziell geschulte Hunde, die insbesondere für die Wildtierforschung eingesetzt werden. Der Luchsexperte selbst nennt diese Methode einfach „Suche nach Losung“: Man benutzt den hochentwickelten Geruchssinn von Hunden, um nach Spuren bestimmter Tierarten zu suchen. Da Luchse wie andere Katzen auch ihre Exkremente verscharren, können menschliche Forscher aufgrund ihrer mangelnden olfaktorischen Fähigkeiten solche Hinterlassenschaften kaum selbst auffinden. Spürhunde wie Malou dagegen können die vergrabenen Exkremente erschnuppern.

Für die Ausbildung seiner Hündin hatte Ole Anders reichlich Geruchsproben zur Verfügung – schließlich produzieren die Luchse im Schaugehege an den Rabenklippen bei Bad Harzburg ständig neues „Schulungsmaterial“, das er Malou vor die Nase halten konnte.

„Luchskot hat einen sehr typischen Geruch“, sagt Anders.

Käsestückchen als Belohnung für die Suche

Inzwischen hat Hündin Malou bewiesen, dass sie diesen Geruch auch in weitläufigem Gelände Luchs-Kot aufspüren kann.

Da sich die Pinselohren inzwischen weit über den Harz hinaus ausgebreitet haben, muss Ole Anders, Leiter des Harzer Luchsprojekts, für solche Sucheinsätze teilweise viele Kilometer weit fahren. So auch beim jüngsten Einsatz: Anhand von Telemetrie-Daten hatten die Forscher festgestellt, dass sich ein mit einem Senderhalsband ausgestatteter Luchs längere Zeit in einem Waldgebiet in der Nähe von Bad Sooden-Allendorf in Nordhessen aufgehalten hatte.

Gemeinsam mit dem Landschaftsökologie-Studenten Johannes Freese, der gerade ein Praktikum beim Harzer Luchsprojekt absolviert, macht sich Ole Anders auf den Weg. Mit Hilfe ihres GPS-Geräts suchen sie die Stellen auf, an denen sich der Luchs aufgehalten hat. Hier schickt Anders seine Hündin auf die Suche. „Wo ist der Luchs? Such den Luchs!“, fordert er seine vierbeinige Assistentin auf. Malou streift durch das Gelände, schnuppert hier und da, läuft bergauf und bergab und stöbert immer wieder etwas auf. Erst findet sie einige Knochen von einem Hasen, später Knochen von einem jungen Reh. Beide Tiere wurden vermutlich vom Luchs gerissen.

Später entdeckt sie noch ein Skelett eines weiblichen Rehs, das der Luchs komplett abgenagt hat. Nur vom Luchs selbst findet die Hündin lange keine Spur. Dann aber bleibt Malou an einem Baum stehen und bellt. Ole Anders scharrt mit einem Stöckchen ein wenig an der Stelle herum und findet ein dunkles, gebogenes, wurstähnliches Gebilde – eindeutig Luchskot. Er packt den Fund in eine Tüte. „Wir nutzen die Losung für Nahrungsanalysen“, erklärt er. Anders hat noch eine weitere Tüte dabei. Darin befinden sich Käsestückchen. Diese Leckerbissen bekommt Malou als Belohnung – für ihre ganz spezielle Detektivarbeit im Dienst der Wissenschaft.

www.luchsprojekt-harz.de

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