Umfrage

Forstwissenschaftler aus Göttingen und Kassel: Bewirtschaftung für Privatwaldbesitzer wichtig

Porträt Forstwissenschaftlerin Malin Tiebel.
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Malin Tiebel, Doktorandin und Erstautorin der Studie.

Mit „Natura 2000“ verfügt Europa über das weltweit größte Netzwerk von Schutzgebieten. Große Teile davon sind Wald, von Privatpersonen bewirtschaftet.

Göttingen/Kassel – Privatwaldeigentümer, die Flächen im Schutzgebiet-Netzwerk „Natura 2000“ bewirtschaften, verfolgen mehrere Ziele. Im Vordergrund steht aber die Holzproduktion. Auch ernten diese öfter hiebsreife Einzelbäume und durchforsten ihren Bestand. Die einzige biodiversitätsfördernde Maßnahme, die in Natura-2000-Waldbeständen häufiger ausgeübt wird als im sonstigen Wald, ist der Erhalt von Alt-, Specht- oder Habitatbäumen.

Das ergab eine Studie basierende auf Umfragen von Forstwissenschaftlern der Universitäten Göttingen und Kassel.

In Deutschland sind große Teile davon Wald und in der Hand von Privatpersonen. Forscher der beiden Unis sowie der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt haben 1670 Waldbesitzer in Niedersachsen befragt, um zu erfahren, welche Ziele, Bewirtschaftungspraktiken und Einstellungen Privatleute mit und ohne Wald in Natura-2000-Flächen haben.

Das Forschungsteam wollte wissen, ob eine intensivere Waldbewirtschaftung dazu geführt habe, dass die Bestände als schützenswert eingestuft wurden oder, ob erst drohende Einschränkungen der Bewirtschaftung ein stärkeres Interesse an der Holznutzung geweckt haben.

„Diese Frage kann aus den Daten nicht beantwortet werden“, berichtet Malin Tiebel, Doktorandin und Erstautorin der Studie. Die Befragung zeige, dass Eigentümer mit Natura-2000-Beständen gegenüber Naturschutzmaßnahmen wesentlich kritischer eingestellt sind.

Prof. Tobias Plieninger, Leiter Fachgebiet sozial-ökologische Interaktionen in Agrarsystemen der Uni Göttingen und Kassel.

„Sie fühlen sich in ihrer persönlichen Entscheidungsfreiheit stärker bedroht, wünschen sich häufiger eine bessere Beteiligung, empfinden die Naturschutzauflagen häufiger als zu streng und die entstehenden Kosten öfter als hoch“, sagt der Wissenschaftler Dr. Andreas Mölder von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

„Bei der Umsetzung von Natura 2000 gebe es fortlaufende Konflikte sowohl auf lokaler als auch auf politischer Ebene. Deshalb, und weil derzeit die Maßnahmenplanung für die Natura-2000-Gebiete läuft, erscheint es wichtiger denn je, Besitzer von Kleinprivatwald und ihre Bedürfnisse stärker einzubeziehen – sowohl in die Umsetzung von Natura 2000 als auch in die Planung künftiger Schutzgebietsstrategien“,sagt Prof Tobias Plieninger, Leiter Fachgebiet sozial-ökologische Interaktionen in Agrarsystemen der Unis Kassel und Göttingen. Naturschutz und Ressourcennutzung erfolgreich zu verknüpfen, sei vielerorts nur gemeinsam mit den Besitzern möglich.

Deren vielfältige Interessen sowie das Ziel von Natura 2000, regionale Verhältnisse zu berücksichtigen, böten dafür vielversprechende Voraussetzungen. (Thomas Kopietz)

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