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Forum Wissen in Göttingen öffnet: Besucher sind ab Samstag willkommen

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Von: Thomas Kopietz, Bernd Schlegel

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Hielt die Festrede zur Eröffnung des Forums Wissen in Göttingen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.
Hielt die Festrede bei der offiziellen Eröffnung des Forums Wissen in Göttingen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. © Hubert Jelinek

Mit dem Forum Wissen hat Göttingen ein neues Museum. Zum Festakt kam der Ministerpräsident. Ab Samstag (04.06.2022) sind dort die Besucher willkommen.

Göttingen - Ein deutschlandweit einzigartiges Museum, das „Forum Wissen“, öffnet. Es gewährt in beeindruckenden und höchst unterschiedlichen Räumen Einblicke in die außergewöhnlichen Sammlungen der Göttinger Universität geben, aber auch in das Arbeiten von Forschern und die Wissenschaft aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Mehr als 1500 Objekte aus den Uni-Sammlungen und Sonderschauen sind auf 1200 Quadratmeter zu erleben.

Am Dienstag kam auch Ministerpräsident Stephan Weil zum Festakt und setzte sich in seiner Rede mit der Bedeutung der Wissenschaft in Gesellschaft und Politik auseinander. Das Land, vor allem aber der Bund sind maßgebliche Geldgeber für das rund 40 Millionen Euro teure Projekt. Am Samstag und Sonntag (10 bis 18 Uhr) ist die Eröffnung – und der Besuch kostenlos.

Forum Wissen in Göttingen: Viele Veränderungen

In seiner Festansprache betonte Ministerpräsident Weil, dass die Wissenschaft Auswirkungen auf alle habe. Gleichzeitig müsse sie sich der Diskussion stellen. Weil machte deutlich, dass es noch nie so schnelle und viele Veränderungen gleichzeitig gegeben habe. So habe es lange gedauert, bis sich die Dampfmaschine durchgesetzt habe. Aber das Smartphone, das inzwischen alle in Händen halten, gebe es erst seit etwa zehn Jahren. Ein wichtiges Thema bleibe der Klimawandel. Der Mensch habe für die Veränderungen gesorgt. Nun müsse er dies in Ordnung bringen.

Bei den notwendigen Veränderungen brauchen Gesellschaft und Politik Erklärungen. Und die könne die Wissenschaft liefern. Er erinnerte an die hochrangigen 18 Göttinger Naturwissenschaftler, die sich in ihrer Erklärung 1957 gegen die nukleare Bewaffnung der Bundeswehr wandten. Dies sei ein Beispiel für einen nachhaltigen Einfluss der Wissenschaft auf die Entwicklung in Deutschland.

Forum Wissen in Göttingen: Pandemie war Stresstest

Der Ministerpräsident nahm auch die Corona-Pandemie in seine Überlegungen mit auf. Sie sei ein Stresstest für die Beziehung von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft gewesen. „Dass wir die Pandemie so gut überstanden haben, haben wir der Wissenschaft zu verdanken.“ Gleichzeitig mahnte er mit Blick auf die Sprache an, dass die Wissenschaft eine „Übersetzungsschuld“ habe. Deshalb ist für Weil das Forum Wissen ein wichtiger Beitrag zur Wissenschaftskommunikation.

Mit Blick auf das künftige Thomas-Oppermann-Kulturforum, das bis 2025 entstehen soll, freut sich Weil, dass so eine eine Visitenkarte mit Perspektive am Bahnhof entstehe und vor allen Dingen den Namen eines so bedeutenden wie engagierten Politiker trage. „Ohne Thomas Oppermann gäbe es das Forum Wissen so nicht.“ Worte, die die mehr als 500 Gäste mit starkem Beifall bedachten.

Forum Wissen in Göttingen: Dank an die vielen Unterstützer

Zuvor hatte Uni-Präsident Prof. Metin Tolan die Gäste im Freien vor dem Forum Wissen begrüßt. Er dankte den zahlreichen öffentlichen und privaten Geldgebern und Spendern, ohne deren finanziellen Engagement das Projekt nicht möglich gewesen wäre. Ausdrücklich erinnerten er und weitere Redner an den verstorbenen Göttinger Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann. Auch Tolan sagte, dass das Forum ohne den unermüdlichen Einsatz von Thomas Oppermann und aller heimischen Bundestagsabgeordneten so nicht entstanden wäre..

Die frühere Uni-Präsidentin Prof. Ulrike Beisiegel dankte ebenfalls für das große Engagement der vielen Akteure, die zu der Realisierung beigetragen hätten. Beisiegel zeigte sich glücklich und sehr zufrieden darüber, was aus der von ihr seit 2011 verfolgten Idee eines Wissen-Museums der Universität geworden ist. Davon überzeugte sich schließlich auch noch Stephan Weil. Der Ministerpräsident wollte eigentlich nur eine kurze Runde durch einen Teil der Ausstellung drehen. Es wurde eine große, die 45 Minuten dauerte und von der Projektleiterin, die Göttingen leider verlässt, Dr. Marie Luisa Allemeyer mit großer Fachkenntnis und pointiert geleitet wurde. Im abschließenden Interview sagte Weil auf die Frage, ob er wiederkommen werde: „Auf jeden Fall.“

Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt ist sich im Gegensatz zum Nachrichtenmagazin Spiegel sicher, dass das Forum Wissen zu einem Publikumsmagneten wird. Zu einem A 380. Der Spiegel hatte kürzlich süffisant getitelt: „Gestartet als Concorde, gelandet als Cessna“ und vor allem auf einige Turbulenzen im Verlauf der Projektfertigstellung abgezielt sowie eine Abkehr vom ursprünglichen Konzept. Die hat es aber so nie gegeben.

Den meisten Beifall aber bekam die scheidende Projektleiterin, Leiterin der zentralen Kustodie und Triebfeder des Leuchtturmprojekts Forum Wissen: Marie Luisa Allemeyer. Sie gab alles Lob an ihre Person 1:1 an ihr herausragendes Team weiter und zeigte sich zutiefst dankbar. Die Arbeit sei wirklich extrem gewesen, vor allem in der Zeit nach der Mittelkürzung des Landes für die Universitäten, „als das Projekt auf der Kippe stand“. Nun habe das „faszinierende Projekt“ Forum Wissen - um im Bild des Tages zu bleiben - „seine Flughöhe erreicht.“ An dieser Stelle sei es nicht schlecht, die Leitung in andere Hände zu geben - die von Prof. Christoph Bleidorn. Für Uni-Präsident Metin Tolan gelte es nun, das Forum Wissen „auf Flughöhe zu halten“, gab Allemeyer diesem mit auf den Weg.

Bleidorn benutzte eine sportliche Note: Er habe „eine Steilvorlage“ bekommen, nun müsse diese „verwandelt werden“. Er betonte, dass es wichtig sei, ein diverses Publikum zu erreichen, besonders auch die Menschen, die direkt nichts mit der Wissenschaft zu tun haben. „Wir müssen zudem immer anpassungsfähig bleiben, offen für Neues bleiben.“

Ulrike Beisiegel genoss es derweil, „ihr“ Forum Wissen zu erkunden. Im Erlebnisraum Hörsaal nahm sie entspannt auf den Klappstühlen Platz und lauschte Marie Luisa Allemeyers Erklärungen vor dem Landesvater Stephan Weil. Der übrigens wird noch zu den Erweiterungseröffnungen eingeladen werden: das Biodiversitätsmuseum und das Thomas-Oppermann-Kulturzentrum sollen bis 2025 fertig werden. (Thomas Kopietz/Bernd Schlegel)

Bildergalerie: So war der offizielle Festakt zur Eröffnung des Forums Wissen

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