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Forum Wissen: Wal-Schädel schwebt ins Göttinger Museum

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Von: Heidi Niemann

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Spektakuläre Aktion: Mit einem Autokran wurde der Pottwal-Schädel ins Forum Wissen in Göttingen gehoben. Zuvor war eine Glasfassade an der Rückseite des Wissenschaftsmuseums entfernt worden.
Spektakuläre Aktion: Mit einem Autokran wurde der Pottwal-Schädel ins Forum Wissen in Göttingen gehoben. Zuvor war eine Glasfassade an der Rückseite des Wissenschaftsmuseums entfernt worden. © Hubert Jelinek

Er soll schon bald eine Attraktion für die Besucher im Forum Wissen in Göttingen werden. Ein Wal-Schädel ist jetzt in das Wissens-Museum eingeschwebt.

Göttingen – Ein Umzug ist eigentlich immer eine nervenaufreibende Sache. Ein Walskelett umzuziehen, erfordert allerdings besonders starke Nerven – und einen ungewöhnlichen logistischen Aufwand. Das zeigte sich am Montagmorgen in Göttingen, als der fünf Meter langer und 500 Kilo schwerer Schädel eines Pottwals in das neue Uni-Museum „Forum Wissen“ am Bahnhof gehievt wurde.

Um den Koloss in das Gebäude befördern zu können, brauchten die Spezialisten nicht nur einen kräftigen Autokran. Da ein Pottwal ein echter Dickkopf ist und der Schädel nicht durch die Tür passte, musste für den Einzug die Glasfassade des Atriums geöffnet werden.

Pottwal war 1998 vor der Halbinsel Nordstrand verendet

Der Pottwal war im Januar 1998 vor der Halbinsel Nordstrand verendet. Göttinger Wissenschaftler hatten damals eigenhändig vor Ort den größten der insgesamt drei gestrandeten Pottwal-Bullen zerlegt und rund 40 Tonnen Fleisch und Speck vom Skelett abgetrennt. Anschließend wurde das Wal-Skelett nach Göttingen gebracht. Bei diesem Transport gab es damals eine Panne: Weil die 4,30 Meter breite Fluke – die Schwanzflosse des Wals – zu weit aus dem Container herausragte, wurde im Elbtunnel die Höhenkontrolle ausgelöst, so dass der Verkehr lahmgelegt war.

In Göttingen wurden die Knochen in Wässerungscontainer umgebettet und monatelang gewaschen, gekocht, entfettet und in mühsamer Puzzlearbeit zusammengebaut. Das Wal-Skelett wurde dann zur größten Attraktion der zoologischen Sammlungen der Universität Göttingen. Vorher galt es allerdings eine große logistische Herausforderung zu bewältigen: Da der Schädel nicht durch das Treppenhaus des Institutsgebäudes passte, musste eine 15 Quadratmeter große Öffnung in die Außenmauer gebrochen werden.

Erster Umzug im Jahr 2018

2018 stand der nächste Wal-Umzug an: Weil das Institutsgebäude neben dem Göttinger Bahnhof zu einem zentralen Ausstellungsort für die zahlreichen akademischen Sammlungen der Universität umgebaut werden sollte, mussten der Wal und die mehr als 100 000 weiteren präparierten Tiere ausgelagert werden. Seitdem lagerten die Wal-Knochen in einem Stallgebäude der Universität Göttingen.

Weil sich herausstellte, dass bei der ersten Reinigungsaktion vor 25 Jahren nicht alle Fette herausgelöst worden waren, wurden die Wal-Knochen noch einmal zwei Jahre lang in einer speziellen Chemikalienlösung gebadet. Dies sei deshalb nötig gewesen, weil das Fett mit der Zeit ranzig werde und dann die Knochen zerstören würde, sagt Präparator Carsten Wortmann.

Experten haben die Wal-Knochen präpariert

Inzwischen haben die Experten die Wal-Knochen so weit präpariert, dass das Skelett nun in das im Mai 2022 eröffnete „Forum Wissen“ einziehen können. Als erstes war am Montag der Schädel dran.

Der Wal-Schädel aus der Nähe: Ausstellungstechniker Christof Degenhardt (links) ist erleichtert, dass alles heil geblieben ist.
Der Wal-Schädel aus der Nähe: Ausstellungstechniker Christof Degenhardt (links) ist erleichtert, dass alles heil geblieben ist. © Hubert Jelinek

Die Experten kombinierten den aufwendigen Transport mit der Behebung eines Baumangels: Da an der Glasfassade des Atriums ohnehin eine gesprungene Scheibe ersetzt werden musste, wurden bei dieser Gelegenheit zwei weitere Scheiben herausgenommen. Durch die so entstandene Lücke wurde der Walschädel in das Gebäude befördert.

Experten von das komplette Skelett zusammenbauen

In den nächsten Wochen wollen die Experten das komplette Skelett zusammenbauen und an der Decke des Atriums aufhängen. Wegen dieser Arbeiten ist das darin befindliche Museumscafé derzeit geschlossen. Voraussichtlich Ende März soll es dann so weit sein, dass die Besucher des „Forum Wissen“ in Göttingen unter einem über ihn schwebenden Walskelett Kaffee trinken können. (Heidi Niemann)

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