Viele Werke werden nicht mehr angeboten

Fragen und Antworten: Bücher verschwinden aus Göttinger Uni-Netz

Göttingen. Bislang waren viele wichtige Dokumente und Auszüge aus Büchern für Studenten kostenlos abrufbar. Damit ist es in Niedersachsen mit dem Jahreswechsel zum Teil vorbei.

Was ändert sich genau zum Jahreswechsel?

!Mit dem Silvestertag endet eine Vereinbarung zwischen den Hochschulen sowie Universitäten in Niedersachsen und der Verwertungsgesellschaft (VG) Wort. Bislang wurden die Abgaben für die Verwendung von urheberrechtlich geschützten Werken pauschal abgerechnet.

Wie sollte eine Lösung des Problems aussehen?

Zwischen der VG Wort und der Kultusministerkonferenz wurde im September ein Rahmenvertrag geschlossen. Dieser sieht vor, dass ab 2017 jedes verwendete Werk einzeln bei der VG Wort angemeldet werden muss. Und genau das lehnen die Hochschulen und Unis in Niedersachsen ab. Der Grund: Der Aufwand und die Kosten sind zu hoch.

Was ändert sich für die Studierenden?

Sie bekommen bislang über die internen Seiten der Uni Zugriff auf eine Vielzahl von Werken, die urheberrechtlich geschützt sind, zum Beispiel Auszüge aus Büchern oder Zeitschriften. Damit ist es dann vorbei.

Was darf nicht mehr den Studenten angeboten werden?

Darunter fallen unter anderem Bücher, Zeitschriften oder Textauszüge ohne geeignete Lizenz sowie Auszüge aus Schulbüchern.

Was darf künftig hochgeladen werden?

Selbsterstelltes Material darf bereitgestellt werden - also unter anderem Präsentationsfolien, Vorlesungsskripte, Literaturlisten, Übungsaufgaben mit Lösungen, Zusammenfassungen, Protokolle, Fallbeschreibungen sowie Beiträge von Studierenden mit deren Zustimmung.

Was ist mit den urheberrechtlich geschützten Werken, die jetzt noch zugänglich sind?

Sie werden zum Jahreswechsel für die 31 500 Studierenden aus den Online-Angeboten der Universität verschwinden und sind dann nicht mehr verfügbar. Deshalb sollten Studenten alle für sie wichtigen Dokumente bis zum Jahresende herunterladen.

Welche Empfehlungen gibt es für das neue Jahr?

Dozenten können auf Materialien verlinken, die online verfügbar sind. Viele Fachzeitschriften sind für Göttinger Studierende über die Lizenz der Staats- und Universitätsbibliothek erreichbar. Außerdem kann Material verwendet werden, für die Lizenzen (zum Beispiel Open Access) vorhanden sind.

Was bedeutet die neue Situation konkret für die Studenten?

Bislang kamen sie oft ganz einfach an Materialien. Künftig kann die Suche aber richtig aufwändig und auch teuer werden, wenn etwas gekauft werden muss.

Gibt es eine Idee, um das Problem zu umgehen?

Möglicherweise wird Material, das nicht mehr hochgeladen werden darf, in einer rechtliche Grauzone verfügbar gemacht. Konkret: Dieses Material könnte in externen Internet-Speichern landen.

Wie ist die Situation in Hessen - zum Beispiel bei der Uni in Kassel?

Auch sie müssen damit rechnen, dass ab dem Jahreswechsel urheberrechtlich geschützten Werke nicht mehr im Uni-Netz veröffentlicht werden.

www.uni-goettingen.de/de/548393.html

VG Wort hat ihren Sitz in München

Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) mit Sitz in München verwaltet die Vergütungen aus Zweitverwertungsrechten an Sprachwerken, auch von Funk und Fernsehen, in Deutschland.

Berechtigte sind laut Online-Lexikon Wikipedia Autoren und Übersetzer von schöngeistigen und dramatischen, journalistischen und wissenschaftlichen Texten, die der Urheber an die VG Wort per Meldekarte oder Onlineverfahren angemeldet hat. Die Verwertungsgesellschaft wurde im Februar 1958 auf Betreiben des damaligen Verbands deutscher Schriftsteller gegründet.  www.vgwort.de

Rubriklistenbild: © dpa

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