Frau des angeklagten Chirurgen: Trotz Plagiatsvorwurf in die Berufung

Göttingen. Die unter Plagiatsverdacht stehende Ehefrau des früheren und angeklagten Leiters der Göttinger Transplantationschirurgie will auch nach einer gerichtlichen Niederlage offenbar um ihren Doktortitel kämpfen. Die Zahnärztin habe einen Antrag auf Zulassung der Berufung gestellt, sagte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts Regensburg.

Das Gericht hatte kürzlich ihre Klage gegen den Entzug ihres Doktorgrades durch die Uni Regensburg zurückgewiesen. Nach Ansicht der Richter hat die 47-Jährige in ihrer Dissertation in erheblichem Umfang Inhalte aus der Doktorarbeit ihres Ehemannes übernommen, ohne ausreichend auf diese Quelle hinzuweisen. Eine selbständige wissenschaftliche Leistung liege daher nicht vor.

Aktualisiert am 22.09. um 12.45 Uhr

Der Chirurg hatte 2005 von der Uni Regensburg den Doktorgrad verliehen bekommen. Seine Ehefrau, die Zahnmedizin studiert hat, promovierte 2006 bei dem gleichen Doktorvater. Ihre Dissertation befasste sich, wie die Doktorarbeit ihres Mannes, mit Behandlungsstrategien beim Leberkrebs. Im Dezember 2012 erklärte die Uni Regensburg ihre Promotionsprüfung nachträglich für nicht bestanden und nahm die Verleihung des Doktorgrades zurück.

Inzwischen hat das Verwaltungsgericht Regensburg sein schriftliches Urteil veröffentlicht, und das fällt deutlich aus: Die Zahnärztin habe die Verleihung des Doktortitels durch arglistige Täuschung bewirkt, indem sie den falschen Eindruck erweckt habe, dass ihrer Doktorarbeit eine eigene gedankliche Leistung zugrunde liege.

Bei der Dissertation der Zahnärztin handele es sich „ganz überwiegend um ein Verbal- und Ideenplagiat“, so dass der Begriff der „Dissertationsdoublette“ durchaus zutreffend erscheine. Sie habe in erheblichem Umfang Textabschnitte und empirische Daten sowie Tabellen und Abbildungen aus der Doktorarbeit ihres Ehemannes übernommen.

Außerdem habe sie einen ganz erheblichen Aufwand an Erhebung und Auswertung von Patientendaten vorgetäuscht. Tatsächlich seien 84 der angeblich 120 ausgewerteten Patientenakten in der Dissertation ihres Ehemannes ausgewertet worden. Da es in ihrer Arbeit diverse numerische Unstimmigkeiten gebe, habe das Gericht Zweifel, ob und wie die übrigen 36 Krankheitsdaten ausgewertet wurden. Das Plagiatsverfahren wirft auch ein Schlaglicht auf ihren Ehemann.

Der Erstgutachter der Arbeit, der Leiter der Chirurgie an der Uni-Klinik Regensburg und damalige Chef des Angeklagten, hatte in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt, dass die Betreuung der Doktorarbeit nicht durch ihn persönlich, „sondern durch einen „Betreuer“ erfolgt sei. Dies sei „in diesem Fall Herr O.“ gewesen, also der Ehemann, der später Leiter der Transplantationschirurgie am Göttinger Uni-Klinikum wurde. (pid)

Von Heidi Niemann

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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