Frauen im Handwerk: Interview mit Dr. Katarzyna Haverkamp

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Autorin der Studie „Frauen im handwerk“: Dr. Katarzyna Haverkamp vom Volkswirtschaftliches Institut der Universität Göttingen.

Göttingen. Das Handwerk ist vielfältig, in vielen Bereichen finden sich aber nur wenige Frauen. Wir sprachen mit Dr. Katarzyna Haverkamp, Autorin der Studie „Frauen im Handwerk".

Frau Dr. Haverkamp, in welchen Handwerksberufen sind denn Frauen gut vertreten? 

Katarzyna Haverkamp: Es gibt drei Berufe, in denen viele Frauen ausgebildet werden: Das ist die Friseurin, die Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk und die Bürokauffrau. 60 Prozent aller Frauen im Handwerk streben diesen Beruf an.

Wie hoch ist allgemein die Frauenquote im Handwerk? 

Haverkamp: Bundesweit sind es bei den Beschäftigten 32 Prozent. Allerdings sind nur 22 Prozent der Auszubildenden weiblich. Der Frauenanteil unter den Inhabern von niedersächsischen Handwerksbetrieben liegt ebenfalls bei 22 Prozent.

Gab es in den vergangenen Jahren positive Veränderungen? 

Haverkamp: Ja, die gibt es. Zum einen nimmt die Konzentration auf die schon genannten, bisher von Frauen dominierten Handwerksberufe, ab. Gleichzeitig beginnen mehr Frauen eine Ausbildung in klassischen Männerdomänen, zum Beispiel als Tischler, oder Kfz-Mechaniker. 2005 waren es in diesen Bereichen nur 3300, im vergangenen Jahr knapp 4000. Diese Entwicklung wirkt noch stärker, weil weniger Frauen insgesamt im Handwerksbereich eine Ausbildung beginnen. Wir haben also weniger Frauen im Handwerk, sie streben aber unterschiedlichere Berufe an.

Haben Sie eine Erklärung für die geringe Frauenquote? 

Haverkamp: Die einfache Antwort wäre, dass junge Frauen ein geringeres Interesse an technischen und handwerklichen Berufen haben. Aber wir wollten das weiter differenzieren, weil es Probleme gibt, die sich damit nicht erklären lassen.

Zum Beispiel? 

Haverkamp: Wir haben herausgefunden, dass Frauen ihre Ausbildung im Handwerk öfter vorzeitig beenden als Männer. Die Frage ist, woran das liegt und ob sich daran etwas ändern lässt. Außerdem gibt es viele Frauen im Handwerk, die zwar gut ausgebildet sind, aber den Schritt in die Selbstständigkeit nicht wagen.

Haben Sie Empfehlungen, wo sich etwas ändern müsste? 

Haverkamp: Ja, und zwar in drei Bereichen. Jugendlichen fehlt oft das Wissen um die vielen verschiedenen Handwerksberufe. Es ist die Freude am Tun, die das Handwerk interessant macht. Diese Freude sollte bei Jugendlichen durch noch mehr praktische Angebote geweckt werden - auch für unbekanntere Berufe wie Zahntechniker oder Hörgeräteakustiker. Vor allem im Gesundheitsbereich gibt es Berufe, die einen steigenden Frauenanteil aufweisen.

Und während der Ausbildung? 

Haverkamp: Da müssten Frauen besser begleitet werden, zum Beispiel über die Ausbildungsberater der Handwerkskammern oder Mentorenprogramme.

Bleibt noch der dritte Bereich selbstständige Frauen. 

Haverkamp: Da könnten feste Ansprechpartner für Betriebsgründerinnen eine Möglichkeit sein, die die Frauen bei ihrem Schritt in die Selbstständigkeit gezielt beraten. Medial könnten hier aber auch bereits selbstständige Frauen als Vorbild besser präsentiert werden, um traditionelle Rollenbilder aufzubrechen.

Zur Person

Dr. Katarzyna Haverkamp ist 36 Jahre alt, hat in Göttingen im Fach Volkswirtschaftslehre promoviert und arbeitet seit 2007 am Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh) an der Universität Göttingen. Sie ist mit Dr. Klaus Müller, Dr. Petrik Runst und Dr. Anja Gelzer Autorin der Studie „Frauen im Handwerk - Status Quo und Herausforderungen“. Die Studie wurde im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung erstellt und stellt die Situation von Frauen in Handwerksberufen dar.

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