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Literarisches Zentrum Göttingen: Frauen-Literatur-Power im neuen Haus

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Von: Thomas Kopietz

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Vier Frauen sitzen an Hochtischen
Verlassen mit einem Mega-Programm nach 22 Jahren die alten Räume: das kreative Team im Literarischen Zentrum Göttingen zieht ins neue Literaturhaus, nur ein paar Häuser weiter, um: (v. l.) Gesa Husemann, Anja Johannsen, Maja Becker und Amelie May. © Thomas Kopietz

Das Literarische Zentrum Göttingen zieht nach 22 Jahren um - und hat ein Mega-Programm für Frühjahr und Sommer im Gepäck.

Göttingen – Frisch geputzte Fenster, gewischtes Treppenhaus. Das Literarische Zentrum putzt sich bei der Vorstellung des prallvollen Frühjahr-Sommerprogramms heraus für einen Endspurt, der dort im so eigenwilligen schlauchförmigen Raum gar nicht mehr so recht stattfinden will.

Denn bis zum Umzug ins neue Literaturhaus und deren Einweihung am 7./8. Mai nutzt das „Zentrum“ das laut Geschäftsführerin Anja Johannsen „liebgewonnene Ausweichquartier“ Galerie Alte Feuerwache.

So auch für den lang ersehnten Auftritt von Emine Sevgi Özdamar mit ihrem neuen Paris-Berlin-Istanbul-Roman „Ein von Schatten begrenzter Raum“ am Donnerstag, 31. März. Natürlich nimmt auch der Krieg Raum im aktuellen Programm ein. Am Mittwoch, 4. Mai, hat das „Zentrum“ ein Podiumsgespräch unter dem ambivalenten Titel „Krieg gegen die Ukraine – Zeit des Brücken(ab)baus“ anberaumt.

„Wir wollen vor historischem Hintergrund informieren, die Diskussion versachlichen“, sagt Johannsen. Im Blick dabei: eine künftige, tragende europäische Friedensordnung.

Am Donnerstag, 21. April, stellt die ukrainische Schriftstellerin Svetlana Lavochkina ihr Buch „Die rote Herzogin“ vor, das in der Ukraine der 1920er-Jahre spielt, als Stalin den Dnjepr-Staudamm bauen will.

Überhaupt die Autorinnen: Frauen, nicht nur im Orga-Team, sondern auf der Bühne dominieren das Programm. „Keine Absicht“, sagt Anja Johannsen, vielleicht eher Erscheinung einer Zeit, in der „Verlage sehr nach Autorinnen Ausschau halten“.

Und welcher Titel stünde da stellvertretender als „Book Rebels. 75 Heldinnen aus der Literatur“. Gemacht haben es Studentinnen des Instituts für Literarisches Schreiben Hildesheim. Sie stellen es mit Annette Pehnt und Illustratorin Felicitas Horstschäfer am Montag, 25. April, vor.

Den Frauen im Kriegsland Afghanistan hat die mutige TV-Berichterstatterin und Weltspiegel-Moderatorin Natali Amiri seit Jahren eine Stimme gegeben, nun in ihrem aktuellen Buch „Unbesiegter Verlierer“. Es geht um die Zukunft der Frauen in dem von den Taliban beherrschten Land – am Mittwoch, 27. April.

Herausragend aus dem mehr als 30 Lesungen umfassenden opulenten Programm dürfte auch der Abend am 24. Mai mit Fatma Aydemir sein. Sie stellt ihren eindringlichen Gesellschafts- und Familienroman „Dschinns“ vor, die tragische Lebensgeschichte eines türkischen Arbeitsmigranten.

Literarisches Zentrum Göttingen: Umzug in das neue Literaturhaus steht an

Dieses Programm ist im Übrigen auch ein Aufbruch, denn das Literarische Zentrum wird umziehen, in das neue Literaturhaus an der Nikolaistraße 22 und dieses zusammen mit dem Team des Festivals Göttinger Literaturherbst beleben und für Veranstaltungen nutzen. Die Premieren-Lesung fürs Literarische Zentrum gestaltet Lucy Fricke, die mit ihrem Lektor Matthias Teiting über die Entstehung ihres Buches „Die Diplomatin“ spricht.

Einer der ersten im einzigartigen neuern Literaturhaus wird auch ein Göttinger sein: Bernd M. Beyer stellt mit Thomas Kopietz das „Fußballbuch 2021“ vor: „71/72“ – die Saison der Träumer“. „Fußballbücher sind erst dann richtig spannend, wenn sie keine reinen Fußballbücher sind“, sagt die stellvertretende Leiterin Gesa Husemann – und trifft damit voll ins Tor-Dreieck (Donnerstag, 2. Juni).

Endlich werden auch wieder Gäste direkt aus dem Ausland ins „Zentrum“ kommen, was in der Pandemie nicht möglich war, wie Anja Johannsen sagt, so auch Samira Shackle mit ihrem Buch „Karachie Vice“ (Montag, 27. Juni). Dann gibt es auch noch Lyrik, eine Poetikvorlesung, den Debütantinnenball und einige Nachholtermine, so mit Ingo Schulze.

Wunderbar werden dürften auch einige Veranstaltungen aus dem über Jahre stark gewachsenen Kinder- und Jugendprogramm inklusive Schulveranstaltungen, das nun unter „Junges Literaturhaus“ firmiert.

Autor Axel Scheffler eröffnet das Literaturhaus mit „Grüffelo-Show“

Zu nennen „Die Grüffelo-Show“ mit Axel Scheffler zur Eröffnung des Literaturhauses am 8. Mai. Das soll auch ein Zeichen sein, wie das Mara Becker sagt: Denn das Literaturhaus soll die Türen öffnen, für junge Lese- und Schreibfans – so bei Workshops wie zur Straßenpflaster-Kreideschrift „Catcalls“ und zur Illustration „Sketch It“ – Ergebnisse aus einer Vorveranstaltung dazu zieren das – gelungene – Programmfaltblatt.

Mehr übers Programm und Tickets, Preise: literarisches-zentrum-goettingen.de

(Thomas Kopietz)

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