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Femizid in Göttingen: 44-Jähriger soll lebenslänglich in Haft

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Von: Heidi Niemann

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Die Wiesenstraße in Göttingen: In einem Haus an dieser Straße soll der 44-Jährige seine Ex-Freundin erwürgt haben. Nun gestand er die Tat. Archi
Die Wiesenstraße in Göttingen: In einem Haus an dieser Straße soll der 44-Jährige seine Ex-Freundin erwürgt haben. Die Staatsanwaltschaft forderte nun in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen eine lebenslängliche Haftstrafe. (Archivbild) © Stefan Rampfel/nh

Im Prozess um den Mord an einer 51-Jährigen in Göttingen stellt die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer vor. Der 44-jährige Angeklagte soll lebenslänglich in Haft.

Göttingen – Weil er seine 51-jährige Ex-Freundin in ihrer Wohnung in Göttingen getötet hat, soll ein 44-jähriger IT-Techniker aus Hannover eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten. Das hat am Dienstag (14.06.2022) die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vor dem Landgericht Göttingen gefordert.

Der Angeklagte habe die 51-Jährige am 25. August 2021 heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen ermordet, sagte Staatsanwalt Andres Buick. Damit seien gleich zwei Mordmerkmale erfüllt. Der Angeklagte habe seine Ex-Freundin dafür bestrafen wollen, dass sie die erst wenige Monate alte Beziehung zu ihm nicht fortsetzen wollte. „Sein Ego vertrug es nicht, dass man ihn zurückweist“, sagte Buick.

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„Der Angeklagte hat die Tat eiskalt geplant und ausgeführt“, lautete das Fazit des Staatsanwalts, der zugleich die Arbeit der Ermittler lobte. Diese waren den diversen digitalen Manipulationen auf die Spur gekommen und hatten sie als „Fake“ enttarnt. Der Mann habe vor und nach der Tag einen enormen Aufwand betrieben, um falsche Spuren zu legen und sich ein Alibi zu verschaffen.

Der Angeklagte soll seine Freundin in deren Wohnung an der Wiesenstraße erwürgt haben. Vier Wochen zuvor hatte sie ihm nach einem gemeinsamen Kurzurlaub erklärt, dass sie weiter mit ihm befreundet sein möchte, sich aber keine Paarbeziehung vorstellen könne.

Die 51-Jährige habe sich von dem narzisstischen, selbstbezogenen und besitzergreifenden Auftreten des Angeklagten zunehmend bedrängt gefühlt. Dieser habe immer mehr Zeit mit ihr verbringen wollen ohne Rücksicht darauf, dass sie auch noch einen 17-jährigen Sohn und eine pflegebedürftige demente Mutter hatte, um die sie sich ebenfalls intensiv kümmerte.

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Ende Mai, also rund drei Monate vor der Tat, habe der Angeklagte damit begonnen, die 51-Jährige in „Stasi-Manier“ zu überwachen, sagte der Staatsanwalt. Damals habe er ihre mehrtägige Abwesenheit dazu genutzt, sich in ihrer Wohnung einen Fernzugriff auf ihren Rechner und ihre Cloud zu verschaffen, um zu kontrollieren, „was und wem sie schreibt“.

Spätestens Mitte August habe er überlegt, dass er sie töten werde, wenn sie an der Trennung festhalten sollte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 51-Jährige zum Tatzeitpunkt arglos war und von dem Gewaltangriff vollkommen überrascht wurde. Der Angeklagte habe „mit maximaler Kraft und mit Vernichtungswillen“ so lange zugedrückt, bis sie tot war.

Angeklagter hatte Ermordung von 51-jähriger Ex-Freundin geplant

Anschließend habe er von ihrem Mobiltelefon aus das in seiner Wohnung in Hannover liegende präparierte Handy angerufen und die Verbindung eine Stunde lang aufrechterhalten. „Damit wollte er den Eindruck erwecken, dass er zur Tatzeit in Hannover war und eine Stunde lang mit ihr telefoniert hat“, sagte Buick. Ferner habe er nach der Tat ihren PC gestartet, um Daten zu löschen, die ihn belasten könnten, sowie zahlreiche Trugspuren gelegt.

Am nächsten Tag sei er noch einmal in ihre Wohnung gefahren, habe erneut den Rechner gestartet und Inhalte gelöscht. Außerdem habe er auf seiner Garmin-Sportuhr zwei Aktivitäten hochgeladen, unter anderem einen Spaziergang um den Maschsee. Damit habe er den Anschein erwecken wollen, dass er sich zur Tatzeit in Hannover befunden habe. (Heidi Niemann)

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