Amtsgericht Göttingen: Erlass rechtskräftig

„Freundeskreis-Chef“ Wilke muss wegen Bedrohung und Beleidigung Strafe zahlen

Gerichtsgebäude mit dem Amtsgericht Göttingen . Foto: nh

Göttingen. Die Hauptperson der umbenannten rechten Gruppierung „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“, Jens Wilke, muss wegen einer aggressiven Aktion büßen.

Das Amtsgericht Göttingen hat gegen den 40-jährigen Versicherungsmakler einen Strafbefehl wegen Nötigung, Bedrohung und Beleidigung von 40 Tagessätzen zu je 15 Euro (insgesamt 600 Euro) erlassen.

Wilke hatte gegen den Strafbefehl zunächst Einspruch eingelegt. Inzwischen habe er den Einspruch aber wieder zurückgezogen, teilte ein Gerichtssprecher mit. Damit sei der Strafbefehl rechtskräftig geworden.

Nach Angaben eines Justizsprechers ereignete sich der Vorfall im August 2016. Wilke sei als Beifahrer in einem Auto von seinem Wohnort in der Gemeinde Friedland in Richtung Niedergandern unterwegs gewesen. Der Fahrer habe ein vor ihm fahrendes Auto überholt und dann seinen Wagen quer zur Fahrbahn gestellt, so dass die Fahrerin des Wagens anhalten musste.

Wilke sei dann ausgestiegen, auf das Fahrzeug zugegangen und habe der Autofahrerin mit einer Taschenlampe ins Gesicht geleuchtet, sie beschimpft und beleidigt. Er habe sie als „Schlampe“, „Fotze“ und „Drecksanarchistin“ bezeichnet und sie mit den Worten „Ich leg dich um“ bedroht.

Wegen eines weiteren Vorfalls soll Wilke eine zweite Geldstrafe zahlen. Er hatte im März bei einer Rede vor dem Göttinger Kreishaus eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung als „antideutsches Geschmeiß“ bezeichnet.

Das Amtsgericht Göttingen hat inzwischen auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen Beleidigung von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro (insgesamt 900 Euro) erlassen. Dieser Strafbefehl ist noch nicht rechtskräftig.

Bei der Staatsanwaltschaft Göttingen sind außerdem mehrere weitere Verfahren gegen Mitglieder des „Freundeskreises“ anhängig, der sich inzwischen in „Volksbewegung Niedersachsen“ umbenannt hat.

Die Strafverfolgungsbehörde ermittelt gegen sechs Personen aus dem Umfeld der Gruppierung wegen des Verdachts der Bildung von bewaffneten Banden.

Außerdem geht es um den Verdacht der gefährlichen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz. Ende Februar hatte die Polizei bei einer Razzia in der Region Göttingen sowie im thüringischen Eichsfeld Schlag- und Stichwerkzeuge sichergestellt.

2016 hatte die Gruppierung um Wilke zahlreiche Kundgebungen veranstaltet. Der Versicherungsmakler, der bei der Kommunalwahl auf der NPD-Liste als Landrat kandidierte, hatte, setzte sich dabei regelmäßig als Redner in Szene. Videos wurden im Internet eingestellt. In jüngster Zeit ist nur noch wenig von ihm zu hören gewesen.  

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