Friedenspreis für Kampf gegen Hassparolen

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„Polit-Putze“: Mit so einem Glasschaber beseitigt Irmela Mensah-Schramm Hassparolen im öffentlichen Raum. Dafür erhielt die 69-Jährige den Göttinger Friedenspreis 2015.

Göttingen. Irmela Mensah-Schramm ist die Trägerin des Göttinger Friedenspreises 2015. Die „Polit-Putze“, wie sie sich gerne selber nennt, bekam den mit 3000 Euro dotierten Preis der Stiftung Dr. Roland Röhl in der gut besuchten Aula am Wilhelmsplatz.

„Ich danke der Jury für die Wahl einer derart streitbaren und unbeirrbaren Frau, deren Aktionen von Mut und Aufrichtigkeit geprägt sind“, betonte Göttingens Universitätspräsidentin und Stiftungs-Kuratoriumsmitglied Prof. Ulrike Beisiegel. Mit dem Friedenspreis würdigte die Stiftung Mensah-Schramms langjährigen und herausragenden praktischer Einsatz für Frieden, Demokratie und Menschenrechte.

Friedenspreis für "Polit-Putze" Irmela Mensah-Schramm

Mit Pinseln und Lösungsmittel, Glasschabern und Farbe hat die 1945 in Stuttgart geborene Erzieherin und Heilpädagogin in 28 Jahren fast 100.000 Aufkleber und Schmierereien mit rechtsextremen, schwulenfeindlichen, antisemitischen oder rassistischen Parolen von Hauswänden, Stromkästen und U-Bahn-Sitzen entfernt. Seit Mitte der neunziger Jahre zeigt sie in ihrer Ausstellung „Hass vernichtet“, die noch bis zum 24. März im Göttinger Max-Planck-Gymnasium zu sehen ist, eine Auswahl von Parolen, die sie vor dem Wegputzen fotografiert hat. Dazu bietet sie antirassistische Workshops für Schüler an.

„Durch sich darüber zu ärgern verschwinden diese Hasssprüche nicht“, sagt Irmela Mensa-Schramm. Diese Erkenntnis sei der Auslöser für ihr Handeln gewesen. „Mir wurde klar, dass durch Nichtstun auch nichts erreicht werden kann.“ Sie gehe gegen diese Form der Hassgraffiti vor und vernichte sie, weil sie den Hass vernichten möchte.

„Im Streit für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit ist Irmela Mensa-Schramm ein Vorbild für uns alle“, betonte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler. Es sei bewundernswert, was sie seit 1986 für die Allgemeinheit tue: „Sie ist eine würdige Preisträgerin und ein stilles Idol der gewaltfreien Kampfbewegung gegen Rechts.“

„Unsere Demokratie und Gesellschaft braucht Zivilcourage, politisches Engagement und aktive Beteiligung, um den stärker werdenden Tendenzen von Extremismus und Rassismus, Dogmatismus und Fanatismus entschlossen entgegen zu treten“, sagte der Kuratoriumsvorsitzende Prof. Götz Neuneck, der den Preis überreichte. Irmela Mensa-Schramm habe früh erkannt, dass rassistische Parolen und Symbole extremistisches Denken fördern und durch ihre permanente Präsenz in öffentlichen Räumen immer wieder eine Bestätigung für dieses Denken bilden. Für das Entfernen dieser Parolen und Symbole sei sie bisweilen belächelt und nicht selten angefeindet worden. Neben Strafanzeigen und der Androhung von Gewalt habe es auch ernstzunehmende Morddrohungen gegeben. Doch davon habe sich die 69-Jährige nie abschrecken lassen. (per)

Hintergrund

Der Göttinger Friedenspreis 

Der mit 3000 Euro dotierte Göttinger Friedenspreis wird seit 1999 jährlich an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen, die sich durch grundlegende wissenschaftliche Arbeit oder durch herausragenden praktischen Einsatz um den Frieden besonders verdient gemacht haben.

Stifter war der 1997 verstorbene Göttinger Wissenschaftsjournalist Dr. Roland Röhl. Der promovierte Chemiker befasste sich als Journalist vor allem mit Fragen der Sicherheitspolitik sowie der Konflikt- und Friedensforschung. Weitere Informationen und alle bisherigen Preisträger: www.goettinger-friedenspreis.de (per)

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