Fritz Güntzler im Interview: "Mehr Erleichterungen für Familien"

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Fritz Güntzler (CDU), Bundestagsabgeordneter aus Göttingen - im Fraktionssaal des Bundestages/Reichstagsgebäude.

Göttingen. In der Interviewreihe mit Göttinger Bundestagsabgeordneten sprachen wir mit Fritz Güntzler (CDU) über Chancen und Themen zur Bundestags- und Landtagswahl.

Wo werden Sie zu Beginn der neuen Legislaturperiode arbeiten - mehr in Berlin im Bundestag oder mehr in Göttingen im Wahlkreis sowie der Steuerberatung?

Fritz Güntzler: Es gibt 21 Sitzungswochen in Berlin und die anderen Wochen verbringe ich im Wesentlichen in Göttingen und mache Wahlkreisarbeit.

Sie gehen davon aus, dass Sie wieder in den Bundestag einziehen werden?

Güntzler:Ich gehe auf den Fußballplatz, um zu gewinnen. Dies gilt für mich in der Politik. Die Ausgangsposition ist mit Tabellenplatz 9 auf der CDU-Landesliste eine gute. Bei der letzten Wahl lag ich knapp hinter Thomas Oppermann. Das ist Ansporn, ihn diesmal zu überholen und als Direktkandidat in den Bundestag einzuziehen. Wenn ich nicht gewinnen will, kann ich auch mein gutes Wahlkampfteam nicht motivieren, alles zu geben. Also: Unser Ziel ist es, den Wahlkreis zu gewinnen, was zuletzt Rita Süßmuth 1994 für die CDU geschafft hatte.

Und wenn es nicht klappt?

Güntzler: Die Lebensplanung ist so, dass ich wieder in den Bundestag einziehe und somit viel in Berlin arbeiten werde. Wenn nicht, werde ich in meinen Beruf zurückkehren. Auch als Abgeordneter war ich nebenbei als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater tätig. Wenn man sein Mandat verliert und nichts hat, dann kann das weh tun. Die Arbeit als Abgeordneter macht mir sehr viel Spaß und ich konnte auch einiges für den Wahlkreis bewegen. Deshalb möchte ich weiter die Interessen der Bürger vertreten.

Sie waren auch im Wahlkreis viel unterwegs…

Güntzler: Ich bin viel gefahren in diesem großen Wahlkreis, ja. Dabei habe ich den Vorteil genutzt, dass ich weniger Verpflichtungen außerhalb von Göttingen habe als der Fraktionschef der SPD, Thomas Oppermann, oder auch Jürgen Trittin. Ich kann einfach häufiger hier sein und habe mir so die Nähe zu den Menschen und Themen im Wahlkreis bewahrt.

Dafür haben besonders Oppermann und Trittin mehr TV-Medienpräsenz…

Güntzler: Sicher. Die Frage ist aber, wie greife ich die Din ge auf, die die Leute bewegen und wie bringe ich sie in die Entscheidungsprozesse in Berlin ein. Ich bin sehr gerne im Wahlkreis unterwegs und nah dran an den Menschen. Auch die Veranstaltungsserie „Fritz im Dialog“ trägt positiv dazu bei. Ich gehe gerne dahin, wo es „brennt“. Das kann auch mal ungemütlich für einen CDU-Politiker werden, wenn man dort ist, wo man nicht nur bejubelt wird. Mir geht es aber darum, zuzuhören und Dinge, die man selbst bewegen kann, zu bewegen – ohne immer eine Lösung zu versprechen. Im Kreistag sitze ich ja auch noch, und so besetze ich manches inhaltliches Feld hier stärker als die Konkurrenten. Der Bezug zur Basis ist da.

Wie haben Sie sich seit Ihrem Einzug vor vier Jahren zurechtgefunden?

Güntzler:Ein großer Vorteil für mich war, dass ich meine berufliche Kompetenz einbringen kann. Ich bin im Finanzausschuss für Steuergesetzgebung zuständig. Bisher habe ich diese 25 Jahre lang angewendet, jetzt kann ich sie mitgestalten und sehe, wie sie entsteht. Dabei kann ich meine Berufserfahrung einbringen. Deshalb werde ich in der Fraktion und im Finanzausschuss oft nach meiner Einschätzung gefragt, wenn es um Steuerthemen geht.

Gelingt es Ihnen, den Menschen hier im Wahlkreis diese Arbeit näherzubringen?

Güntzler:Die Abläufe und Aufgaben der Abgeordneten in Berlin den Menschen hier im Wahlkreis klarzumachen, ist nicht einfach. Die Wahrnehmung vieler Bürger ist zunächst auf das gerichtet, was hier passiert und was wichtig für die Region ist. Ich habe auch Vorträge zu Steuergesetzen gehalten, aber das Interesse dafür ist natürlich eher begrenzt. Und dennoch: Mein Vorteil war und ist, dass ich mehr im Wahlkreis unterwegs sein kann als die Mitbewerber, mehr mit den Menschen über Politik sprechen kann. Darauf setze ich jetzt auch im Wahlkampf.

Wie muss sich die CDU/CSU inhaltlich aufstellen?

Güntzler:Wir wollen wieder die stärkste Kraft im Parlament werden, Rot-Rot-Grün verhindern und Angela Merkel als Kanzlerin behalten. Und noch ein Ziel: Wir, und nicht nur wir, würden gerne die AfD klein halten, möglichst unter fünf Prozent.

Mit welchen Programmschwerpunkten?

Güntzler: Natürlich wird Sicherheit ein wichtiges Thema sein - mit allen Facetten, auch was die Belastung für die Polizei und fehlende Personalausstattung angeht. Ganz wichtig für die CDU/CSU ist aber auch die Flüchtlings- und Asylpolitik. Dazu zählt die Rückkehr von Menschen, die kein Bleiberecht haben. Wir sollten möglichst schnell mit der Ausbildung der jungen Flüchtlinge beginnen. Wenn sie bei uns ausgebildet werden, dann hilft das auch nach der Rückkehr ins Heimatland. So kommen aus Afghanistan Hinweise, dass dort junge Menschen benötigt werden, viele die etwas können, sind weg.

Die SPD rückt mit Schulz nach links, hin zu den Arbeitnehmern. Ein Feld, das auch die CDU stärker besetzt hat…

Güntzler:Wir stehen für die Sicherung von Wohlstand und Arbeit. Weiterer Schwerpunkt im Wahlprogramm ist die Familienpolitik. Intern gibt es aber sehr unterschiedliche Deutungen des Begriffs Familie. Ich vertrete den breiten Begriff: Das heißt, für mich ist Familie alles, was mit Eltern, Kindern und Erziehung zusammenhängt. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Alleinerziehende gehören für mich dazu. Gerade hier sehe ich noch Nachholbedarf. Wir können vor allem für die noch mehr tun, die Verantwortung für Kinder übernehmen. Beispielsweise dürfen Alleinerziehende durch die Verpflichtungen, die diese Verantwortung mit sich bringt, nicht in finanzielle Schräglagen geraten. Davon gibt es zu viele in unserem Land.

Wie kann die Hilfe aussehen, sind es Steuererleichterungen?

Güntzler: Die Erleichterungen über Steuern greifen oft nicht, weil die Betroffenen ohnhin bestimmte Grenzen unterschreiten und erst gar keine oder kaum Steuern zahlen. Wir müssen weiter denken und die Frage beantworten: Was hilft den Familien und vor allem den Kindern direkt? Ein Ansatz wäre, die Beiträge zur Sozialversicherung, wie zur Krankenversicherung für Familien zu senken. Wer hier weniger vom Gehalt abgezogen bekommt, hat mehr Geld in der Tasche um den Alltag zu finanzieren.

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