Bereits im März 2014

Serienmörder Haarmann: Kopf wurde in Göttingen eingeäschert

Serienmörder: Fritz Haarmann (Mitte) wurde in den 20er-Jahren in einem aufsehenerregenden Prozess zum Tode verurteilt . Foto: dpa

Göttingen. Die letzten menschlichen Überreste des Serienmörders Fritz Haarmann wurden in Göttingen eingeäschert. Anschließend wurde die Asche des Kopfes im März 2014 auf einem anonymen Gräberfeld in der Uni-Stadt bestattet.

Das berichtete die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) am Wochenende. Der Kopf des Massenmörders aus den 1920er-Jahren wurde jahrelang in der Sammlung der Rechtsmedizin der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) aufbewahrt. Zuletzt lagerte der Kopf im Sammlungsbestand in den Räumen der ehemaligen Universitäts-Hautklinik. Auslöser der Entscheidung war, dass bei der Räumung der ehemaligen Universitäts-Hautklinik noch Utensilien der Rechtsmedizin aus deren früherem Standort am Windausweg vorgefunden wurden, berichtete die Universitätsmedizin.

Dr. Sebastian Freytag, Vorstand für Wirtschaftsführung und Administration der UMG, wollte daraufhin die jahrelange Diskussion über den Umgang mit dem Kopf Fritz Haarmanns einem würdigen Ende zuführen. Er leitete die entsprechenden Schritte zur Einäscherung und zur Beisetzung ein. Zunächst wurde nach möglichen Verwandten gesucht.

Geprüft wurde auch bei den Forensikern der UMG, ob noch ein wissenschaftliches Interesse an einer weiteren Aufbewahrung des Kopfes von Fritz Haarmann vorliegt. Das war nicht der Fall. „Mit unserer Entscheidung, die Überreste diskret zu bestatten, bleibt die UMG und die Göttinger Rechtsmedizin ihrer jahrelangen Linie treu, keine voyeuristischen Ambitionen zu unterstützen“, sagt Dr. Sebastian Freytag.

Kopf von Serienmörder eingeäschert und beigesetzt

Da Fritz Haarmann evangelisch war, hat UMG-Vorstand Dr. Freytag gemeinsam mit der evangelischen Kirche die Einäscherung und Beisetzung im auf dem anonymen Gräberfeld auf dem Friedhof Junkernberg auf den Weg gebracht. (bsc)

Haarmann: Hinrichtung in Hannover 

Friedrich „Fritz“ Heinrich Karl Haarmann wurde 1879 in Hannover geboren. Er war ein Serienmörder, der wegen Mordes an 24 Jungen und jungen Männern im Alter von zehn bis 22 Jahren vom Schwurgericht Hannover am 19. Dezember 1924 zum Tode verurteilt und am 15. April 1925 in Hannover hingerichtet wurde .

Haarmann wird laut Online-Lexikon Wikipedia auch „Der Vampir“, „Der Schlächter“ und „Der Werwolf“ von Hannover genannt. Die Befragung Haarmanns durch den Psychiatrieprofessor Ernst Schultze wurde 1995 verfilmt. In „Der Totmacher“ ist Götz George als Haarmann in der Hauptrolle, Jürgen Hentsch als Psychiatrieprofessor Ernst Schultze zu sehen. Die Dialoge für die Darsteller lehnen sich eng an die originalen Verhörprotokolle aus dem Jahr 1924 an. Berühmt ist auch das sogenannte Haarmann-Lied.

Nachdem Haarmann am 19. Dezember 1924 zum Tod verurteilt worden war, erfolgte am frühen Morgen des 15. April 1925 die Hinrichtung, unbemerkt von der Öffentlichkeit, im Hof des Gerichtsgefängnisses in Hannover durch Enthaupten mit dem Fallbeil.

Haarmanns Kopf wurde einem Hirnforschungsinstitut zur Verfügung gestellt. Dort wurde später festgestellt, dass Haarmann früher eine Gehirnhautentzündung durchgemacht haben musste, was zu Hirn- und Wesensveränderungen führen kann. Wahrscheinlich war Haarmann entgegen dem psychiatrischen Gutachten wegen einer seelischen Störung schuldunfähig.

Der Kopf Fritz Haarmanns war bis 2014 in Göttingen, wo es Überlegungen gab, ihn zu einem Teil einer öffentlichen Ausstellung der Rechtsmedizin Göttingen zu machen. (bsc)

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