Frühchen überfordern oft die Eltern: Verein Kleine Löwen hilft 

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Freuen sich auf daheim: Patrizia Süß (21) kann nach fast vier Monaten im Krankenhaus ihren deutlich zu früh geborenen Sohn Jamie Noel nach Hause nehmen.

Göttingen. Jedes zehnte Kind in Deutschland ist ein Frühchen: Das sagt Dr. Helmut Küster, Leiter der Neonatologie an der Universitätsklinik Göttingen (UMG). Den Frühgeborenen und ihren oft überlasteten Eltern bietet der Verein Kleine Löwen Hilfe an.

Immer mehr ältere Frauen entscheiden sich laut Küster trotz altersbedingten Komplikationen für eine Schwangerschaft. Damit wächst auch die Zahl der zu früh geborenen Kinder.

Etwa 550 Kinder kommen jedes Jahr auf der Geburtsstation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zur Welt, davon sind 80 Kinder deutlich zu früh geboren werden. Sie haben ein Gewicht von etwa 500 bis 800 Gramm und wiegen damit viermal weniger, als ein normales Kind nach etwa 40 Wochen Schwangerschaft mindestens wiegen sollte.

Viele Frühchen kommen bereits nach wenigen Wochen mehr oder weniger geplant auf die Welt, sagt Küster. „Oft sind es die Frauenärzte, die Komplikationen feststellen, welche eine Frühgeburt nötig machen.“

Bei Patrizia Süß aus Leinefelde war es fehlendes Fruchtwasser. Die 21-Jährige wurde in die Uni-Klinik gebracht und untersucht. Drei Stunden später kam Söhnchen Jamie Noel mit etwa 500 Gramm Körpergewicht auf die Welt. „Das hat meine ganze Planung durcheinander gebracht“, sagt Süß und blickt liebevoll auf den nun zweieinhalb Kilogramm schweren Jungen in ihren Armen. Denn vor dem Geburtstermin wollte Süß noch umziehen – und heiraten. „Das haben wir sechs Tage nach Jamies Geburt dann getan“, sagt Patrizia Süß lachend.

Leben nach der Geburt: So rasant, wie das Leben des kleinen Jungen angefangen hat, geht es dann erst einmal auch weiter, weiß Carina Krause vom Verein Kleine Löwen. Die vierfache Mutter zieht ebenfalls ein ehemaliges Frühchen groß: Sohn Linus ist mittlerweile neun Jahre alt. Seine ersten Lebensjahre waren eine Herausforderung für die Familie Krause. Drei Monate lang pendelten sie täglich zwischen der Klinik und ihrem Heim.

Der Blick auf das winzige Kind im Inkubator beeinflusste auch Krauses Ehe. „Es ist natürlich ein Schock, egal wie gut man glaubt, vorbereitet zu sein. Für meinen Mann und mich ging es nach Linus Geburt auf und ab.

Vielen Paaren geht es da ähnlich, deswegen gibt es in der UMG auch einen Eheberater“, berichtet Krause.

Nach dem Aufpäppeln in der Klinik standen unter anderem Krankengymnastik, Logopädie, Ergotherapie und Frühförderung auf dem Plan: „Es ist anfangs viel nötig, um ein Frühchen auf den richtigen Weg zu lenken“, sagt Krause. Die meisten zu früh geborenen Kinder wachsen normal auf.

Bei Geburten vor der 26. Schwangerschaftswoche können aber auch Spätfolgen wie körperliche und kognitive Beeinträchtigungen sowie Verhaltensauffälligkeiten vorkommen. Linus zum Beispiel, sagt seine Mutter, litt wie viele zu früh geborenen Kinder lange Zeit unter Verlustängsten und war sehr anhänglich.

Hintergrund:

Für viele Eltern ist die zu frühe Geburt ihres Kindes eine Belastung. Die Initiative für Eltern von Frühgeborenen in Göttingen und Umgebung „Kleine Löwen“ gibt Tipps für den Lebensalltag eines Frühchens, berät bei der Beantragung von Fördermaßnahmen und organisiert regelmäßige Treffen für den Erfahrungsaustausch. Am Samstag, 10. Oktober, feiert der Verein von 14 bis 18  Uhr ein Frühchenfest in der Osthalle der Uni-Kinderklinik Göttingen, Robert-Koch-Straße 40. Kontakt: Carina Krause unter Tel. 05 51/29 17 90 02. www.kleineloewen.de

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