Zoom-Konferenz mit Kulturschaffenden

Macher in der Kulturszene sind besorgt

Tobias Wolff, geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, ist groß auf einem Bildschirm zu sehen. Auf einem kleinen Ausschnitt ist Fritz Güntzler zu sehen, der die Zoom-Konferenz mit Kulturschaffenden veranstaltete.
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In Sorge: Tobias Wolff, geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, befürchtet, dass ein Großteil der Hilfsgelder vom Bund verfällt, weil dadurch geförderte Veranstaltungen einfach gar nicht stattfinden können.

Wie ist die Stimmung in der stark gebeutelten Kulturszene, und wie werden die Rettungsbemühungen des Bundes von Betroffenen bewertet? Darum ging es bei „Fritz im Dialog“.

Göttingen - Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler (CDU) brachte dabei Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters mit zahlreichen Kulturschaffende aus dem ganzen Land und der Region Göttingen zusammen.

„Wegen des Corona-Lockdowns im Frühjahr vergangenen Jahres mussten sämtliche Kultureinrichtungen schließen und viele von ihnen haben noch gar nicht wieder aufgemacht“, eröffnete Güntzler die Runde. Mit dem Programm „Neustart Kultur“ habe die Bundesregierung ein milliardenschweres Rettungs- und Zukunftsprogramm für den Kultur- und Medienbereich aufgelegt. Damit würden unter anderem pandemiebedingte Investitionen und Projekte verschiedener Kultursparten gefördert.

Im Fokus stünden dabei vor allem Kultureinrichtungen, die überwiegend privat finanziert werden. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Häuser erneut zu öffnen und Programme wieder aufzunehmen, um Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen eine Erwerbs- und Zukunftsperspektive zu bieten.

Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters (CDU), seit 2013 Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, berichtete zunächst von „gravierenden Staumeldungen“ aus der Kultur. „Wir hören unter anderem von Veranstaltern, die 2000 Konzerte in der Warteschlange haben und aus der Filmbranche von zahllosen Filmen, die darauf warten, in den Kinos gezeigt zu werden“, so Grütters. Schon im Mai vergangenen Jahres habe sie deshalb das zunächst mit einer Milliarde Euro dotierte Hilfsprogramm „Neustart Kultur“ durchgesetzt. „Und das bei einem normalen Jahresetat meines Ministeriums von zwei Milliarden Euro“, meinte Grütters. Inzwischen belaufe sich die Hilfssumme auf vier Milliarden Euro und damit den doppelten Jahresetat. „Das spiegelt auch den gesamtgesellschaftlichen Wert der Kulturszene wider“, so die Staatsministerin.

Nachdem es im parallel laufenden Online-Chat von sarkastischen Beiträgen wie „Frau Grütters, wie viel hat noch die Lufthansa bekommen?“ oder „50 000 Euro Hilfe für zwölf Monate ist auf jeden Fall beeindruckend!“ nur so gewimmelt hatte, brachten die Kulturschaffenden ihre Sorgen und Ängste, aber auch ihren Frust zum Ausdruck. „Wir sind seit März vergangenen Jahres geschlossen und mussten über 200 Konzerte absagen“, berichtete etwa Johannes Förster, Vorstandsmitglied vom Verein Rockbüro Göttingen. „Wir schauen aktuell gar nicht nach vorne, weil eine Planung einfach unmöglich ist.“

Durch die Pandemie sei sein Verein „um Jahre zurückgeworfen“ worden. „So mussten wir beispielsweise alle Minijobber entlassen.“ Überlebt habe das Rockbüro bislang nur deshalb, weil man als gemeinnütziger Verein Zugang zu verschiedenen Fördertöpfen habe. „Aber wir werden definitiv noch lange mit den Auswirkungen von Corona zu kämpfen haben“, so Förster.

Tobias Wolff, geschäftsführender Intendant der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, äußerte seine Befürchtung, „dass ein Großteil der Hilfsgelder vom Bund verfällt, weil dadurch geförderte Veranstaltungen einfach gar nicht stattfinden können“. Um das zu verhindern, müssten die Abrechnungszeiträume verlängert werden. „Außerdem mache ich mir Sorgen um den ländlichen Raum, wo viele Künstlerinnen und Künstler sitzen, die sich mit Antragsstellung nicht gut auskennen.“

Als freischaffende Sängerin und Soloselbstständige ist die Göttingerin Christiane Eiben nach eigener Aussage „zu 100 Prozent“ von Corona betroffen. „Ich habe viele Standbeine, aber jedes einzelne davon ist mir durch die Pandemie weggebrochen“, sagte sie und appellierte an Staatsministerin Grütters, im Rahmen des Rettungsprogramm „Neustart Kultur“ die Stipendien zu erweitern.

Für Olaf Martin, den Geschäftsführer des Landschaftsverbandes Südniedersachsen, sind die Hilfsgelder des Bundes „gut und wichtig“, kämen aber von der falschen Stelle. „Die Hilfen sollten eher von den Ländern und Kommunen verteilt werden, weil die einen viel besseren Überblick darüber haben, wer sie braucht“, sagte Martin. (Per Schröter)

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