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Für eine bessere Notfallmedizin: Göttinger Uni-Klinik leitet Projekt zur Optimierung

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Von: Thomas Kopietz

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Notaufnahme: Rettungssanitäter bringen einen Patienten in die Klinik.
Notaufnahme: Rettungssanitäter bringen einen Patienten in die Klinik. Das System soll verbessert und beschleunigt werden. Dafür sorgt ein vom Bund gefördertes Projekt, das von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) geleitet wird. © Ronald Schmidt/nh

Die Göttinger Uni-Klinik leitet ein Projekt zur Optimierung der Ablaufkette bei Unfällen vom Rettungsdienst bis hin zur Notaufnahme.

Göttingen – Ein Unfall, Verletzte. Notfallsanitäter und Notärzte sind vor Ort. Es geht um Leben und Tod. Alles muss schnell gehen und zwischen Rettungsdienst bis hin zur klinischen Versorgung in der Zentralen Notaufnahme der Kliniken gezielt koordiniert ablaufen.

In der Notfallmedizin spielt dabei der Faktor Zeit eine wichtige, ja schicksalhafte Rolle. Ein vom Bund gefördertes Verbundprojekt – „CONNECT_ED“, das von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) geleitet wird, soll die genannte Kette stärken.

Optimierung des Ablaufs in der Notfallmedizin: Göttinger Uni-Klinik leitet Projekt

Das ist nötig, wie Dr. Markus Roessler, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst in Stadt und Landkreis Göttingen, verdeutlicht: „An der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Notaufnahme besteht derzeit in Deutschland ein erheblicher Optimierungsbedarf“, bilanziert der Leiter Notfallmedizin der UMG-Klinik für Anästhesiologie.

Der Schuh drückt auch in der Technik. So würden die Mehrzahl der Rettungsdienstbereiche noch nicht die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, sagt Roessler. So hapert es am Informationsaustausch, weil es keine digitale Dokumentation gibt, die fortlaufend und zeitgenau Diagnosen und ermittelte Werte, EKG- und Bilddaten der Patienten vom Unfallort bis in die Klinik liefert.

Dazu können auch unterschiedliche IT-Systeme und/oder mangelnde Kompatibilität beitragen. Kurzum: Wichtige Erkenntnisse und Daten sind für weitere Behandelnde nicht sofort verfügbar. Das wiederum führt zu „verlängerten Übergabezeiten und Wartezeiten bis zur Initiierung notwendiger Therapie“, schildert Roessler.

An der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Notaufnahme besteht derzeit in Deutschland ein erheblicher Optimierungsbedarf.

Dr. Mark Roessler

Eine nahtlose Notfallversorgung ohne Informationsverlust soll am Ende des neue Projektes stehen, für das 2,7 Millionen Euro vom Bundesbildungsministerium kommen und das im August 2022 unter Federführung der UMG startete. Verantwortlich dort ist eine ausgesprochene Notfallmedizin-Expertin: Prof. Sabine Blaschke, Leiterin der Zentralen Notaufname. Eng eingebunden ist Prof. Dagmar Krefting, Direktorin des Instituts für Medizinische Informatik der UMG.

Krefting sowie weitere klinische und technische Partner sind wichtig: Denn am Ende soll ein interaktives Assistenzsystem stehen, das auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert. „Wir wollen so die notfallmedizinische Prozess- und Behandlungsqualität sowie die Therapieergebnisse der Notfallpatienten optimieren“, gibt Blaschke als klares Ziel aus.

Letztlich soll es über eine hohe Qualifikation und Kompetenz des beteiligten Personals, also der Notfallmediziner, -sanitäter und -pflegekräfte, erreicht werden. Natürlich soll auch innerhalb dieser Prozesse alles schneller gehen.

Damit die Prozessabläufe verbessert werden können, gibt es eine enge Kooperation mit UMG-Kliniken wie Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie sowie Kardiologie und Pneumologie. Einbezogen in das Forschungsprojekt ist auch die Berufsfeuerwehr Göttingen.

Zur Optimierung der Prozessabläufe: Enge Zusammenarbeit unter anderem auch mit Berufsfeuerwehr

Dem beteiligten Personal – vorklinisch wie klinisch – wird die Technik zur Verfügung gestellt. Webbasiert können sie auf mobilen Endgeräten sowie tragbaren kleinen Computern („Wearables“) alle wichtigen Daten der Patienten erfassen. Sie sind dann für weitere Beteiligte, so Ärzte, verfügbar.

Zudem liefert der Assistenzdienst eine KI-basierte Entscheidungsunterstützung für das weitere diagnostische und therapeutische Prozedere. Die Einsatzteams erhalten ein Feedback auf Basis der digital erhobenen Routinedaten.

Alle relevanten medizinischen Behandlungsdaten und Befunde des Notfalls werden dazu der Zentralen Notaufnahme in Echtzeit übermittelt. (tko)

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