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Bürger retten Leben: Neue Defibrillatoren für die Erste Hilfe durch Laien

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Von: Stefan Rampfel

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Zwei Männer leisten Erste Hilfe mit einem Defibrillator an einer Puppe.
Dr. Martin Lier, stellvertretender ärztlicher Leiter Rettungsdienst in Stadt und Landkreis Göttingen, und Thomas Lipki, Ortsbrandmeister von Esebeck, demonstrieren eine Laien-Reanimation an einer Puppe durch – mit Hilfe eines Defibrillators. © Stefan Rampfel

Leben retten durch Bürgerinnen und Bürger: Sechs neue Defibrillatoren für Göttingen. Im Notfall leitet das sogenannte AED Ersthelfer bei einer Wiederbelebung an.

Göttingen – Leben retten durch Bürgerinnen und Bürger: Das ist jetzt in mehreren Göttinger Ortsteilen mit technischer Unterstützung möglich. Die Stadt Göttingen hat zunächst sechs „Automatisierte Externe Defibrillatoren“, sogenannten AED, angeschafft.

Die kleinen Geräte können mit Hilfe von Stromstößen Herzrhythmusstörungen behandeln und sind besonders für Erste Hilfe durch Laienhelfer geeignet.

An oder in vielen – meist öffentlichen – Gebäuden hängen die AED, gekennzeichnet durch ein grünes Schild mit einem weißen Herzen und einem Blitz. Die jetzt angeschafften neuen Geräte hängen ab sofort frei zugänglich außen an den Feuerwehrhäusern in Esebeck, Holtensen, Herberhausen, Roringen, Nikolausberg und in Kürze auch in Knutbühren. Zudem ist die Anschaffung von sechs weiteren AED für das Gebiet der Göttinger Kernstadt geplant.

Der „Automatisierte Externe Defibrillator“ (AED).
Der „Automatisierte Externe Defibrillator“ (AED) spricht den Ersthelfer an und gibt bei allen Schritten genaue Anweisungen. © Stefan Rampfel

„Allein in Stadt und Landkreis Göttingen müssen jedes Jahr rund 250 Menschen wiederbelebt werden“, sagt Frank Dittrich von der Göttinger Berufsfeuerwehr. Ursächlich kann zum Beispiel ein Herzinfarkt sein. „Wichtig ist, dass man zunächst den Notruf 112 wählt und den Anweisungen des Disponenten folgt“, ergänzt Jörg Stöber, ebenfalls von der Berufsfeuerwehr.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand muss dann sofort eine Herzdruckmassage erfolgen. Ein Defibrillator, wie er nun an den sechs Feuerwehrhäusern hängt, kann ein weiterer Baustein der Laien-Wiederbelebung sein, wenn andere Personen in der Nähe sind und diesen holen können.

„Wichtig ist uns vor allem, das Thema Erste Hilfe und Wiederbelebung ins Bewusstsein der Menschen zu bringen“, sagt Stöber. Primär sichert die Herzdruckmassage ein Überleben, aber mit einem AED erhöht sich die Chance nochmals. Der Rettungsdienst benötigt im Schnitt etwa neun Minuten bis zum Einsatzort, in Esebeck kann es auch schon mal 15 Minuten dauern.

Eine Zeit, in der ein Mensch mit Herz-Kreislaufstillstand ohne Wiederbelebungsmaßnahmen irreparable Gehirnschäden davonträgt und stirbt. Genau deshalb ist schnelles Handeln so wichtig.

Die „Automatisierten Externen Defibrillatoren“ funktionieren selbsterklärend. Nachdem man zwei Elektroden auf den Oberkörper der bewusstlosen Person geklebt hat, leitet das Gerät mit Sprachanweisungen durch die Erste Hilfe.

Bei Bedarf werden dabei auch Stromstöße an den Patienten abgegeben, um das Herz wieder zum Schlagen zu bringen. „Wenn nur eine Person durch den AED gerettet wird, hat sich die Investition schon gelohnt“, macht Frank Dittrich deutlich.

Alexander Piek aus Bovenden rettet einem Menschen mit Hilfe eines AED das Leben

Durch Erste Hilfe wie aus dem Bilderbuch hat Alexander Piek am 27. April in Bovenden einem Menschen das Leben gerettet – auch unter Verwendung eines „Automatisierten Externen Defibrillators“ (AED).

Alexander Piek steht an einer Wand und zeigt auf den dort hängenden Defibrillator, das AED.
Alexander Piek aus Bovenden rettete im April dieses Jahres einem Menschen das Leben. © Stefan Rampfel

Der Verwalter des Bürgerhauses Bovenden wollte gerade Feierabend machen, als bei einer Veranstaltung ein Mensch zusammenbrach und blau im Gesicht anlief. Weil Alexander Piek in der Freiwilligen Feuerwehr Bovenden aktiv ist und daher in Erste Hilfe geübt ist, wusste er sofort, was zu tun ist. Er war es auch, der 2017 angeregt hat, im Bürgerhaus einen AED zu installieren.

Er begann mit der Herzdruckmassage und wies parallel andere Anwesende an, den Notruf zu wählen und den AED von der Wand im Erdgeschoss zu holen. Nachdem Piek die zwei Klebeelektroden des AED auf den Oberkörper des leblosen Mannes geklebt hatte, sagte ihm das Gerät, dass er mit der Herzmassage fortfahren solle.

Der AED prüfte fortlaufend den Herzrhythmus des Patienten und empfahl im weiteren Verlauf Stromstöße abzugeben. Nach rund 12 Minuten Leblosigkeit kam der Mann durch Herzdruckmassage und Stromschläge des AED wieder zu Bewusstsein. Erst kurz danach trafen der Rettungshubschrauber und ein Rettungswagen ein.

Der Mittfünfziger wurde in ein Krankenhaus gebracht und erhielt dort fünf Bypässe. Ohne die perfekt durchgeführte Erste Hilfe wäre der Mann heute nicht mehr am Leben, wie Ärzte sagten. Erschreckend empfindet Alexander Piek, wie ratlos die meisten Menschen sind, wenn jemand schnell Erste Hilfe benötigt. Das könnte ein Grund sein, sich mit dem Thema zum Beispiel in Form eines Kursus in Erster Hilfe auseinanderzusetzen.

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