Funkamateure und Feuerwehr trainieren für Ernstfall

Übung für den Notfunkeinsatz: Die Funkamateure (von links) André Kulp, Torsten Lähteenmäki und Thomas Mehle nahmen in der Amateurfunkstation bei der Göttinger Berufsfeuerwehr Funksprüche von anderen Teilnehmern der Übung auf. Foto: Kuhl

Göttingen. Wenn das öffentliche Telefonnetz ausfällt, wären Notrufe kaum noch möglich. Ausgebildete Funkamateure können aber sicherstellen, dass wichtige Nachrichten die Hilfsdienste trotzdem erreichen. Bei einer Übung in und um Göttingen trainierten sie den Ernstfall.

Rund 40 Funkamateure trafen sich auf dem Gelände der Berufsfeuerwehr an der Breslauer Straße. Von dort fuhren sie in Zweierteams zu ihren Einsatzorten bei den Ortsfeuerwehren in den Stadtteilen Göttingens und umliegenden Ortschaften.

Aufgabe der Teilnehmer war es, am jeweiligen Standort in ihrem mit dem Schild „Hier Notfall-Meldungen“ gekennzeichneten Privatfahrzeug Hinweise auf Notfälle entgegenzunehmen. Diese waren anschließend unverzüglich und möglichst unverfälscht per Sprechfunk an eine hierfür eingerichtete zentrale Amateurfunkstelle zu übermitteln.

Eingeweihte Mitglieder der örtlichen Feuerwehren hatten sich hierfür eigens Notfälle ausgedacht, wie sie in der Realität vorkommen könnten; darunter ein Sturz von der Leiter, ein verunglückter Gefahrguttransport, ein dringend benötigtes Medikament.

„Wo sich die nächste Feuerwehr befindet, ist einem Großteil der Bevölkerung bekannt“, erklärt Reinhard Wienbrügge, selbst Funkamateur und Referent beim Deutschen Amateur Radio Club (DARC) für den gesetzlich geregelten sogenannten Notfunk im Raum Südniedersachsen. „Solche Standorte eignen daher gut als Anlaufstelle, um beim Ausfall des Telefonnetzes dort unsere Unterstützung anzubieten.“

Akribische Vorbereitung

Wienbrügge hatte die Übung in den zurückliegenden Monaten akribisch geplant. Jetzt ging es darum, das entwickelte Konzept anhand der angenommenen Praxis zu überprüfen. Denn was zunächst einfach klingt, kann in der Realität anspruchsvoll sein: Etwa, wenn es nach einem Verkehrsunfall um die exakte Übermittlung komplizierter Bezeichnungen einer gefährlichen Ladung geht oder wenn sich zeitgleich mehrere Meldestellen an die Zentrale wenden. „Dann kann es schon einmal hektisch werden, denn bei der Übermittlung der Informationen darf trotzdem kein wichtiges Detail verloren gehen.“

Nach einer ersten Auswertung zeigt sich Wienbrügge mit dem Verlauf zufrieden: „Bis auf einige Kleinigkeiten ist alles sehr gut gelaufen.“ Gleichzeitig betont Wienbrügge, dass dieses ehrenamtliche Hilfsangebot der Funkamateure die professionellen Funksysteme der Hilfsdienste weder ersetzen soll noch kann. „Wir können nur unterstützend tätig werden, um im Notfall auf Anforderung die Funknetze der Profis gegebenenfalls zu ergänzen. (bf)

Hintergrund: International anerkannter Funkdienst

Der Amateurfunk ist ein international anerkannter Funkdienst, ähnlich wie der Mobilfunk über Handy oder der Rundfunk.

Wer mitmachen will, muss in einer fachlichen Prüfung bei der Bundesnetzagentur profunde Kenntnisse der relevanten Technik und Gesetze nachweisen - ein wesentlicher Unterschied etwa zum CB-Funk.

Im Amateurfunkgesetz ist überdies verankert, dass Funkamateure für den Notfunk tätig werden können. (bf

www.darc/notfunk

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