Besuch in Göttingen

Fußball-Projekt Wochenendrebellen: Jason hasst Veränderungen

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Die Wochenendrebellen aus Kassel waren in Göttingen zu Gast: Jason (links) und „Papsi“ Mirco von Juterczenka erzählten in der Uni-Stadt von ihrem besonderen Fan-Projekt im Fußball. 

Göttingen/Kassel – „Ich hasse Veränderungen“, sagt der 13-jährige Asperger-Autist Jason von Juterczenka aus Kassel. Das hindert ihn aber nicht, mit seinem Vater Mirco seit Jahren nach einem Fußball-Verein zu suchen, von dem er sein Fan sein könnte.

Mit ihrem Buch „Die Wochenendrebellen“ waren die beiden im voll besetzten Fanraum des Fußballvereins Göttingen 05 zu Gast – ein berührender und lustiger Abend zugleich sowie ein grandioses Beispiel für Elternliebe.

Klare Regeln sind ein Muss

Asperger-Autisten benötigen klare Regeln, um ihren Alltag bewältigen zu können. Bei Jason äußert sich das beispielsweise so, dass er morgens als erster im Schulbus sein muss. Er muss seinen festen Platz in der Schule haben und muss immer sein Desinfektionsmittel dabei haben. Auch auf die Einhaltung des Stundenplans lege er wert, erzählt „Papsi“ Mirco von Juterczenka, wie Jason seinen Vater nennt. Im Zweifel fordert er ihn auch aktiv ein. Menschenmassen mag er auch nicht, trotzdem fasziniert in die Fan-Szene. Jason ist hochintelligent. Physik und Chemie machen dem jungen Mann Spaß. Am Wissenschaftszentrum Kassel forscht er in einem Projekt zur Chaostheorie. Außerdem will er jetzt am Wettbewerb „Jugend forscht“ teilnehmen.

Start im Oktober 2011

Das Fanprojekt startete im Oktober 2011, als Papsi Mirco und dessen Vater den Jungen mit zum Championsleague-Spiel zwischen Leverkusen und Valencia genommen hatten. Das, was Jason an diesem Tag interessierte, waren die begeisterten Zuschauer mit ihren Gesängen, Trinken und ihren Fahnen. Daraus wurde dann das Vater-Sohn-Projekt mit Fahrten in die Stadien Europas und darüber hinaus, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. „Am liebsten im Nachtzug.“

Besonderes Wochenende

So an dem Wochenende, als sie gleich zwei Spiele angeschaut haben, eins in Freiburg und dann von St. Pauli am Hamburger Millerntor. Dort sind sie mit dem Nachtzug hingefahren und trafen in St. Pauli eine unglaubliche Stimmung. Wenn nicht das Problem mit dem kleinen Toilettengang gewesen wäre: Es gab nur eine Pissrinne und keine saubere Porzellanschüssel, ohne die Jason seine Blase kaum leeren konnte.

Viel zu hohe Rinne

Was tat Papsi, um eine durchnässte Hose seines Sohnes zu verhindern, wie er in dem Buch freimütig schildert: Er hockte sich auf den Boden, um für den Sohnemann eine Art Stuhl zu bauen, auf den er sich wiederum knien konnte, damit er die eigentlich auch viel zu hohe Pissrinne erreichte.

Besuch war ein Erfolg

Trotz des Pinkelgates war der Besuch ein Erfolg. Fan einer der beiden Mannschaften wurde Jason trotzdem nicht. Vor dem Doppelspiel-Wochenende hatte er laut Vater schon gefragt: „Muss man denn Fan von einer Mannschaft sei, wenn man sich ein Spiel anschauen will?“

Suche nach dem passenden Verein dauert an

Auf der Suche nach dem passenden Verein, um Fan sein zu können, ist Jason übrigens immer noch. Das stört sie aber nicht bei ihren wundervollen Wochenenden, die sie zusammen verbringen können. Die beiden haben nicht nur das Buch „Die Wochenendrebellen“ zusammen geschrieben, sondern betreiben auch den gleichnamigen Blog im Internet. zhp

Aperger-Syndrom ist eine spezielle Variante des Autismus

Das Asperger-Syndrom (AS), dessen Diagnose auf den österreichischen Kinderarzt Hans Asperger zurückgeht, ist eine Variante des Autismus und zählt zu den tief greifenden Entwicklungsstörungen. Asperger-Autisten haben Schwierigkeiten, soziale Verhaltensweisen einzuordnen.

Da sie Mimik, Gestik sowie Humor und Ironie in Sprache oft nicht erkennen, kommt es häufig zu Missverständnissen im Alltag. Gelegentlich geht mit dem AS zwar eine Hoch- oder Inselbegabung einher, die Intelligenz der meisten Asperger-Autisten ist aber normal ausgeprägt. Das durch Filme wie „Rain Man“ und Serien wie „The Big Bang Theory“ geprägte Bild des Autisten als sozial inkompetentes Genie ist demnach nicht komplett falsch, aber sehr selten.

AS ist angeboren und nicht heilbar und macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar. Das Syndrom wird als Behinderung eingestuft, bringt für Betroffene aber auch eine Vielzahl an Stärken mit sich. Häufig sind sie Anderen in den Bereichen der Wahrnehmung, der Selbstbeobachtung, der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung voraus. mad

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