Gänseliesel auf Zeitreise - Tourismus-Verein: Theater zum Jubiläum

Sie wollen doch nur küssen: Studenten umschwärmen das Gänseliesel. Der Regisseur (Stefan Dehler) beobachtet das Treiben im Theaterstück „Wo bitte geht´s zum Gänseliesel?“ bei der Premiere in der Johannis-Kirche. Foto: nh

Göttingen. Der Verein Göttingen Tourismus feiert in diesem Jahr das 125-jährige Bestehen – und das auch mit einem außergewöhnlichen Theaterstück, das in der Johannis-Kirche Premiere hatte und von der Gruppe „Stille Hunde“ geschrieben und umgesetzt wurde.

Etwa 300 Besucher erfahren am Freitagabend, warum es damals und heute einen Tourismusverein geben musste und muss: Der Verein wird 1890 aus Gründen des Eigenlobes und, damit der Rubel rollt, gegründet. „Die Hebung der Gastfreundschaft“ und das „Anlocken von Fremden“ – sogar aus Hannover – sind laut dem Vereinsvorsitzenden und Geschäftsmann, gespielt von Christoph Huber wichtige Motive.

Der Rubel muss auch heute noch rollen und die Gäste sollen ebenfalls in Scharen nach Göttingen kommten – so ist die thematische Klammer schon früh gesetzt. Und trotz leicht veränderter Rahmenbedingungen ist somit doch noch vieles wie früher.

Humorvoll und pointiert bringen Maja Müller-Bula, Stefan Dehler und Christoph Huber das Thema 125-Jahre Tourismusverein Göttingen unter die Leute. Dargestellt wird es als Hauptprobe, geleitet von einem chaotisch-vergesslichen und autoritären Regisseur (Stefan Dehler). Schülerinnen des Max-Planck-, Hainberg- und Felix-Klein-Gymnasiums fungieren als Erzählerinnen, die das Geschehen durch mehr als ein Jahrhundert im Sprechchor abspulen.

Starke Impulse bietet die Göttinger Stadtkantorei unter Leitung von Bernd Eberhardt und mit wunderbaren Soli von Olaf Tietz und Angelika Campos de Melo, die mit dem „Barbara“-Chanson einen emotionalen Höhepunkt setzt.

Das zweistündige Stück ist eine Zeitreise durch die Stadtgeschichte, die auch dem alteingesessenen Göttinger noch Neues bieten kann, aber natürlich auch die Eckpunkte der Historie nennt: so das Scheitern Göttingens als Kurstadt, der Start der Händel-Festspiele 1920, der Bau des Deutschen Theaters in den 1890er Jahren, der Beginn des Jungen Theaters und das Aufstellen der Symbolfigur Gänseliesel. Kein Wunder, dass das Stück die Frage zum Titel macht, die hier die Besucher am häufigsten stellen: „Wo bitte geht´s zum Gänseliesel?“ Das passt.

Das Gänseliesel spielt auch im Stück eine Hauptrolle: Annika Werwach wird auf der mitten im Kirchenschiff postierten Bühne von Doktoranden umschwärmt wie die kleine Figur sonst auf dem Marktbrunnen – und die Doktoranten lauern auf einen Kuss – aber ohne Zunge bitte, herrscht sie der Regisseur an.

Es gibt viel zu lachen, aber auch besinnliche Momente, denn die Zeitreise geht auch durch dunkle Zeiten, die NS-Zeit wird nicht ausgeblendet. Auch, dass nach dem Krieg die Flüchtlinge ungeliebte Gäste waren, stimmt nachdenklich.

Am Ende singen alle „Happy Birthday“ von Stevie Wonder, die Chorsänger gehen um die Bühne – ein prächtiges Schlussbild.

Das Stück wird noch am 9. und 10. Oktober zu sehen sein. Karten gibt es in der Tourist-Info im Alten Rathaus.

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