Prozess in Mehrzweckhalle

Gasexplosion: Vier Angeklagte müssen sich ab Anfang Juni vor Gericht verantworten

Ein Feuerwehrmann kniet auf dem Boden über einem roten Feuerwehrschlauch, ein zweiter hantiert an einem Gerät vor einer offenen Tür, im Hintergrund zwei Streifenwagen der Polizei sowie einige Beamte
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Untersuchung nach der Gasverpuffung im Jahr 2015: Vor dem Gebäude am Weender Tor wurde auch der Untergrund und dort liegende Leitungen überprüft. Archivfoto: Stefan Rampfel/nh

Im Gebäude des Blutspendedienstes in Göttingen war es 2015 zu einer Gasexplosion gekommen. Nun stehen bald vier Handwerker vor Gericht.

Göttingen – Mehr als sechs Jahre nach einem Gasunglück in der Göttinger Innenstadt, bei dem im Februar 2015 eine Ärztin des Blutspendedienstes der Göttinger Universitätsmedizin (UMG) ums Leben kam, kommt der Fall nun vor Gericht.

Vier Handwerker müssen sich ab dem 3. Juni vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Göttingen verantworten. Da in den Verhandlungssälen des Gerichtsgebäudes aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie die Zahl der Zuschauerplätze stark begrenzt ist, hat das Amtsgericht vorsorglich für den Prozess die Mehrzweckhalle im Göttinger Stadtteil Holtensen angemietet.

Vermutlich werde der Prozess auf ein großes öffentliches Interesse stoßen, sagte Gerichtssprecher Oliver Jitschin.

Nach Gasexplosion in Göttingen: Fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft hat die vier Handwerker – bei ihnen handelt es sich um einen Maurer sowie den Inhaber und zwei Mitarbeiter einer Firma für den Bau von Elektroanlagen – wegen fahrlässiger Tötung sowie fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen angeklagt.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft den Handwerkern vor, ein neu verlegtes Leerrohr nicht ordnungsgemäß verschlossen und abgedichtet zu haben. Dadurch habe Gas in das Gebäude am Weender Tor in Göttingen gelangen können.

Nach Gasexplosion in Göttingen: Ärztin starb, Mitarbeiter lag im künstlichen Koma

Zu dem tragischen Unglück war es gekommen, als eine 55-jährige Ärztin und ein 30-jähriger Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Göttinger Universitätsmedizin am Morgen des 13. Februar 2015 den Nebeneingang des Blutspendedienstes am Campus betraten.

Nachdem die Ärztin den Lichtschalter im Treppenhaus betätigte, entzündete sich das eingeströmte Gas und es kam zu einer Verpuffung. Beide UMG-Angehörige erlitten schwerste Verbrennungen.

Die Ärztin wurde mit einem Rettungshubschrauber in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht, wo sie zehn Tage später starb. Der 30-Jährige wurde sieben Wochen lang in einer Spezialklinik in Halle behandelt, vier Wochen davon lag er im künstlichen Koma.

Nach Gasexplosion in Göttingen: Vielzahl von Zeugen und mehrere Sachverständige

Das Gericht hat für den Prozess eine Vielzahl von Zeugen sowie mehrere Sachverständige geladen. Diesen dürfte eine Schlüsselrolle zukommen: Weil sich die Suche nach der Ursache und möglichen Verantwortlichen des Gasunglücks als sehr komplex erwies, hatten sich die Ermittlungen über längere Zeit hingezogen.

Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt sechs Gutachten eingeholt, bevor sie die Anklage erhob. Das Gericht hat für den Prozess bislang drei Verhandlungstermine angesetzt. (Heidi Niemann)

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