Auftritt im Jungen Theater

Gastspiel in Göttingen: Biografische Gespräche als Höhepunkt

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Gemeinschaftserlebnis im Jungen Theater: Matze Rossi lud das Publikum für die Zugabe zum Misingen auf die Bühne ein.

Ein Gastspiel der besonderen Art erlebten die Besucher im Jungen Theater (JT) mit dem Auftritt der Singer/Songwriter Matze Rossi und Komparse.

Die beiden waren im Rahmen der ersten TV Noir Konzerte-Tour seit 2015 nach Göttingen gekommen und nahmen das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch ihr Leben – auch wenn einiges anders lief als geplant.

Denn eigentlich sollte Tex Drieschner – der Erfinder und Moderator von TV Noir – an der Seite von Matze Rossi auftreten. Doch er musste mit einer Kehlkopfentzündung passen. Der Kölner – beziehungsweise gebürtige Ruhrpottler – Komparse sprang kurzfristig ein. Und er machte auch gleich den Anfang bei der Vorstellung der etwas anderen Art. Das Konzept der TV Noir-Konzerte: Zwei Solo-Musiker, ein Sofa und ein Publikum, dem ein echtes Gemeinschaftserlebnis geboten werden soll. Die beiden Musiker spielen abwechselnd ihre Stücke und stellen sich zwischenzeitlich provokante Fragen.

Komparse

Die Gespräche – in denen beide durchaus auch intimes preisgeben – sind die Höhepunkte des Abends. Komparse berichtet gleich zu Beginn von seinem Besuch des Göttinger Kiosks Ecke Angerstraße/Gartenstraße, der nach 28 Jahren schließen muss. Er habe sich kurz vor dem Konzert länger mit dem Besitzer unterhalten, erzählt Komparse, und finde es sehr traurig, dass der Laden nun dicht machen muss: „Deshalb anti-widme ich den ersten Song dem Finanzamt Göttingen.“ Im Verlauf des Abends wird klar, dass der in Köln lebende, aber den Karneval hassende Künstler öfter in Göttingen ist und Kontakt zur örtlichen Singer/Songwriter-Formation Frau Pauli pflegt.

Musikalisch ist Komparse innovativ, seine Gitarren-Technik sticht heraus. Dazu gibt es Beats, die er in der eigenen Küche aufgenommen hat. Seine Kühlschranktür fungierte laut eigener Aussage als Basedrum. Seine rauchige Stimme erinnert an eine Mischung von Henning May (AnnenMayKantereit) und Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow. Nur die Texte versteht nicht jeder. In Anlehnung an einen Tocotronic- Song könnte man über Komparse sagen: „Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit.“

Matze Rossi

Wesentlich eingänger sind die Songs von Matze Rossi. Auch er verarbeitet autobiografische Erlebnisse in seinen Liedern, die deutlich schwungvoller daher kommen als bei seinem Bühnen-Nachbarn. Kräftiger Akustik-Gitarren-Sound gepaart mit Mainstream-Melodien prägen Rossis Stil. Erst zum zweiten Mal, so sagt er, spielt er an diesem Abend seinen ersten politischen Song, den er als Solo-Künstler veröffentlicht. In „Milliarden“ geht es um Flüchtlinge und Klimaschutz. Er finde es wichtig, als Musiker Stellung zu beziehen in dieser Zeit – gegen Fremdenfeindlichkeit und rechten Populismus. Im Refrain heißt es: „Wir sind Milliarden, die sich finden werden, wir sind nicht allein.“

Gemeinschaftserlebnis im Jungen Theater: Matze Rossi lud das Publikum für die Zugabe zum Misingen auf die Bühne ein.

Zum Abschluss sorgt Matze Rossi dann für das angekündigte echte Gemeinschaftserlebnis. Bei seiner Zugabe bittet er das gesamte Publikum auf die Bühne und lädt es zum Mitsingen ein. Viele nehmen das Angebot an. Die Nähe zu den Fans scheint Rossi ohnehin wichtig, sagte er doch gleich zu Beginn: „Am liebsten würde ich zu euch runterkommen, weil es einfach so schön is, euch so nah zu sein.“

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