Verfahren gegen vier Handwerker

Gasunglück: Anklage wegen fahrlässiger Tötung nach fünf Jahren

Untersuchung nach der Gasverpuffung: Vor dem Gebäude am Weender Tor wurde auch der Untergrund und dort liegende Leitungen überprüft.
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Untersuchung nach der Gasverpuffung: Vor dem Gebäude am Weender Tor wurde auch der Untergrund und dort liegende Leitungen überprüft.

Fast sechs Jahre sind seit einer Gasverpuffung mit tödlicher Folge im Treppenhaus des Blutspendedienstes der Göttinger Universitätsmedizin vergangen: Die Staatsanwaltschaft erhebt jetzt Anklage.

  • Die Staatsanwaltschaft Göttingen erhebt Anklage gegen vier Handwerker wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung.
  • Bei einem Gasunglück im Februar 2015 wurden eine Medizinerin und ein Sicherheitsmitarbeiter schwer verletzt, die Medizinerin starb an den Folgen der Gasexplosion.
  • Den Angeklagten wird vorgeworfen, ein neu verlegtes Leerrohr nicht ordnungsgemäß abgedichtet zu haben.

Göttingen – Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Göttingen Anklage erhoben – wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung wegen Unterlassen gegen einen Maurer sowie gegen den Inhaber und zwei Mitarbeiter einer Firma für den Bau von Elektroanlagen.

An den Folgen des Unglücks im Februar 2015 war eine 55-jährige UMG-Medizinerin zehn Tage später in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gestorben. Ein 30-jähriger Sicherheitsdienstmitarbeiter lag sieben Wochen in einer Spezialklinik in Halle, er überlebte.

Als die 55-jährige Ärztin und ein 30-jähriger Mitarbeiter des UMG-Sicherheitsdienstes am Morgen des 13. Februar das Gebäude betraten und das Licht einschalteten, entzündete sich über Funken das eingeströmte Gas, es gab eine Verpuffung und eine Stichflamme, die die Kleidung der Personen entzündete. Beide erlitten schwerste Verbrennungen, liefen auf den Vorplatz, wo Passanten sofort die Flammen erstickten und erste Hilfe leisteten.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft den vier Angeklagten vor, ein neu verlegtes Leerrohr nicht ordnungsgemäß verschlossen und abgedichtet zu haben. Dadurch habe Gas in das Gebäude am Weender Tor gelangen können.

Die Suche nach der Ursache und möglichen Verantwortlichen erwies sich als sehr komplex. Die Strafverfolgungsbehörde stellte das Verfahren zwischenzeitlich sogar ein, nahm es nach einer Beschwerde aber wieder auf. Insgesamt seien sechs Gutachten eingeholt worden, sagte Behördensprecher Andreas Buick.

Erdgas kam durch Riss in das Gebäude

Fest steht mittlerweile, dass nahe des Gebäudes, 1,50 Meter unter der Oberfläche, an einer dort liegenden Niederdruck-Erdgasleitung der Stadtwerke ein Riss entstanden war. Der Riss sei unterhalb einer sechs Meter hohen Straßenlaterne aufgetreten, die dort seit 1965 stand, sagte Buick. Das durch das Leck ausgetretene Erdgas sei durch das Erdreich in einen etwa drei Meter entfernten Installationskanal und dann durch das Leerrohr in das Gebäude des Blutspendedienstes gelangt.

Zweieinhalb Jahre zuvor war es nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei der Verlegung dieses Leerrohres zu einem Versäumnis gekommen. Im Juli 2012 hatte die UMG eine Baufirma aus der Region mit Maurerarbeiten beauftragt. Es sollte eine Wand aufgebrochen und ein unterirdischer Kabelkanal gelegt werden. Ende Juli habe ein Maurergeselle das Rohr verlegt. Am Folgetag verlegten zwei Mitarbeiter der Elektroanlagenbaufirma die Kabel.

Die einschlägige DIN-Norm für Kabelleitungstiefbauarbeiten schreibe vor, dass solche Rohre wasser- und gasdicht abgeschlossen werden müssten, sagte Buick. Dies hätten sowohl der Maurer als auch die Mitarbeiter der Elektroanlagen-Firma unterlassen. Auch der Chef der Firma habe bei einem Ortstermin an der Baustelle nicht geprüft, ob das Rohr abgedichtet wurde.

Der Fall könnte sich noch ausweiten. Laut Staatsanwaltschaft laufen auch Ermittlungen gegen acht Mitarbeiter der Universitätsmedizin, diese seien noch nicht abgeschlossen. (pid/tko)

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