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Gedenken an Skinhead-Opfer Alexander Selchow

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Von: Michael Caspar

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Hängen die Plakate zur Auftaktveranstaltung für das Gedenken in Rosdorf auf: (von links) Markus Müller, Julia Roesler und Karsten Knigge.
Hängen die Plakate zur Auftaktveranstaltung für das Gedenken in an das Skinhead-Angriff-Opfer Alexander Selchow in Rosdorf auf: (von links) Markus Müller, Julia Roesler und Karsten Knigge. © Michael Caspar

Mit Messerstichen tödlich verletzt haben in der Neujahrsnacht 1990/91 zwei 17-jährige Skinheads Alexander Selchow (21). Daran erinnert die Gemeinde Rosdorf.

Göttingen - „Bei der Auftaktveranstaltung wollen wir mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen“, kündigt Projektleiter Karsten Knigge an. Seine zehnköpfige Arbeitsgruppe plant das Treffen am Donnerstag, 21. April, um 17 Uhr im Rosdorfer Familienzentrum, Anne-Frank-Weg 2. Eingeschüchtert reagierten Anwohner seinerzeit auf das Verbrechen, fürchteten, selbst Opfer neonazistischer Gewalt zu werden. Das legen alte Fernsehberichte nahe, die die AG ausgewertet hat.

„Der Mord hat Rosdorf traumatisiert“, ist sich AG-Mitglied Julia Roesler sicher. Sie war damals elf Jahre alt, kannte Selchow über familiäre Bezüge. Sie weiß, wie die Eltern des Wehrpflichtigen den nichtöffentlichen Prozess vor dem Landgericht Göttingen verfolgten. Die Juristen wollten keinen politischen Hintergrund erkennen. Sie verurteilten den Haupttäter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Jugendhaft. Der Mittäter kam mit vier Wochen Arrest davon.

„Dabei standen die jungen Männer der rechtsextremen FAP nahe“, betont Knigge. Der FAP-Landesvorsitzende hatte in den 1980er Jahren in Mackenrode ein rechtsextremes Zentrum aufgebaut. Der Österreicher warb gewaltbereite Skinheads an. Diese verprügelten Ausländer, Linke und Grufties wie Selchow, verübten zudem Brandanschläge. In Göttingen selbst stießen die Rechtsextremen auf eine starke Antifa. So waren sie vor allem im Umland aktiv. „Zur gleichen Neonazi-Gruppe gehörte übrigens Thorsten Heise, der bis heute in der Region aktiv ist“, sagt Roesler.

„Konsequent handelte nach Selchows Tod der Landkreis Göttingen, der eine aufsuchende Jugendarbeit aufbaute“, weiß Projektleiter Knigge. Aus Zeitzeugengesprächen weiß er von Jugendlichen, die damals durch die Sozialarbeiter aus der rechten Szene herausfanden.

Das Projekt möchte mit Bürgern neue, dauerhafte Formen des Gedenkens entwickeln. Um insbesondere junge Menschen anzusprechen, plant die AG eine Zusammenarbeit mit Professorin Jutta Tränkle von der Hochschule Ostfalia in Salzgitter. Studierende, die ihren Master in Mediendesign machen, sollen einen Erinnerungsort im Internet schaffen.

Seine Freischaltung ist im September geplant. Zudem soll es einen Rundweg durch den Ort geben, wo sich an verschiedenen Stationen über QR-Codes Informationen abrufen lassen – Animationen, Podcasts oder Graphic Novels.

„Die Gemeinde unterstützt das Projekt mit 5000 Euro, der Ortsrat mit 2000 Euro“, sagt Ortsbürgermeister Bernd Schütze (SPD), den der parteiübergreifende Konsens freut. Weiteres Geld kommt unter anderem vom Landschaftsverband Südniedersachsen. Insgesamt sind es am Ende wohl 10 000 Euro. (Michael Caspar)

Weitere Infos unter alexander-selchow.de

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