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Gedenken: Ein Foto erinnert an ein Pogrom-Opfer

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Von: Kim Henneking

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Etwa 200 Teilnehmer gedachten auf dem Platz der Synagoge in Göttingen den Opfern der Reichspogromnacht.
Etwa 200 Teilnehmer gedachten auf dem Platz der Synagoge in Göttingen den Opfern der Reichspogromnacht. © Kim Henneking

Ein Foto erinnert an ein Pogrom-Opfer in Göttingen. Darum ging es unter anderem bei einer Gedenkveranstaltung in Göttingen.

Göttingen – Die Geschichten der Familien Wagner und Prager standen im Fokus der Gedenkveranstaltung an die Opfer der Reichspogromnacht in Göttingen. Etwa 200 Menschen waren zum Platz der Synagoge gekommen um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

15 Schüler des 13. Jahrgangs der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen (IGS) hatten sich in einem Seminar mit der Aufarbeitung der Schicksale beschäftigt. Dank des Besuchs eines Nachkommen, Mike Prager aus England, konnten sie sogar einige Wissenslücken schließen.

So konnten sie bei der Gedenkveranstaltung die Geschichte der Familie von Markus und Neche Wagner erzählen. Sie führten zwei Geschäfte in Göttingen und hatten sieben Kinder: Esther, Moses, Karl, Sally, Walter, Klara und Hermann. Sally und Hermann Wagner wanderten früh aufgrund von Gewalterfahrungen nach Palästina aus. Genauso wie Markus und Netty Wagner. Klara Wagner wanderte 1939 als Haushaltshilfe nach England aus, wohin ihr Bruder Walter ihr später folgte. Auch Karl verließ Deutschland nach der Reichsprogromnacht in Richtung Palästina. Esther und ihr Mann Hermann Prager wanderten 1939 mit ihrem Sohn Norbert nach England aus.

Moses Wagner, der aufgrund einer Behinderung seit seinem vierten Lebensjahr in einer Heil- und Pflegeanstalt untergebracht war, wurde 1940 ermordet. Dank der Unterlagen des Nachkommens Mike Prager, ist nun endlich ein Foto von Moses bekannt, dessen Name am Denkmal am Platz der Synagoge in der Liste der NS-Opfer zu lesen ist. Moses Geschichte hat die Schüler der IGS besonders berührt, wie sie erzählten: „Wir lernen an der IGS mit Schülern mit Einschränkungen und empfinden das als Bereicherung.“

Am Ort der Gedenkveranstaltung stand bis zum 9. November 1938 die Göttinger Synagoge, die in einer organisierten Gewaltaktion wie viele andere jüdische Einrichtungen zerstört wurde. „Danke dass Sie heute da sind und zeigen, dass Antisemitismus und Rassismus in unserer Stadt keinen Platz haben und dass jüdisches Leben zu Göttingen gehört“, sagte Oberbürgermeisterin Petra Broistedt in ihrer Rede.

„Kollektives Gedenken ist richtig und wichtig“, sagte Jannes Walter, Mitglied des Verbands jüdischer Studierender Nord an der Uni Göttingen. Antisemitismus gebe es noch heute, berichtete er auch mit Blick auf seine Rede im vergangenen Jahr. Damals sei er von anderen Teilnehmern für seine Beteiligung an der Gedenkveranstaltung kritisiert worden. „Wer bei dieser Gedenkveranstaltung von wir und ihr spricht, hat keine Lehre aus der Vergangenheit gezogen.“

Die Band Uniper und der Chor der IGS begleiteten die Veranstaltung musikalisch. Michael Shelliem, Mitglied der jüdischen Gemeinde Göttingen, betete das Totengebet Kaddisch im Herzen des Denkmals. Die Veranstaltung wurde durch große Polizeipräsenz gesichert. Weitere Infos gibt es hier. (Kim Henneking)

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