Grüne fordern schärfere Kontrollen

Gefährliche Keime in Göttinger Kliniken auf Vormarsch

MRSA-Keime in einer Petrischale: Diese Bakterien können überall lauern. Foto: dpa

Göttingen. Die Grünen in Göttingen sind mit den Hygienekontrollen in Einrichtungen des Gesundheitswesens nicht zufrieden. Hintergrund ist eine Anfrage an das Gesundheitsamt.

Aus der Antwort einer Anfrage der Grünen an das Gesundheitsamt geht hervor, dass allein im vergangenen Jahr 20 Mal der gefährliche Krankenhauskeim MRSA in Göttingen aufgetreten ist. Im Jahr davor waren es elf Fälle. Auch bei einem anderen Keim, der Durchfälle auslösen kann, gab es eine starke Zunahme - von fünf (2013) auf 22 Fälle im vergangenen Jahr. Über konkrete Todesfälle durch solche Keime gibt es auf die Anfrage der Grünen keine Antwort.

Kritik üben die Grünen, dass es von der Verwaltung nur summarische Zahlen für das Vorkommen der gefährlichen Keime gibt. Aus juristischen Gründen könne man keine Aussagen zu einzelnen Einrichtungen machen, so die Stadt. „Dem Datenschutz wird hier größere Priorität eingeräumt als dem Personenschutz - das ist absolut inakzeptabel“, sagte Ulrich Holefleisch, Mitglied im Fraktionsvorstand der Grünen im Göttinger Rat. Die Partei sieht Defizite im Bereich der Hygienekontrollen in den Gesundheitseinrichtungen, zu denen übrigens auch Pflegeheime gehören.

„Wenn einmal im Jahr eine angekündigte Begehung von Pflegeeinrichtungen durch das Gesundheitsamt stattfindet, ist das Risiko erwischt zu werden, minimal. Wirksamer Infektionsschutz sieht anders aus“, sagt Ratsmitglied Ernst Gottwald, der dem Ausschuss für Soziales und Gesundheit angehört. Die Grünen wollen das Thema in der nächsten Ausschusssitzung mit der Verwaltung diskutieren. Insbesondere fordern sie von der Stadt häufigere und unangekündigte Kontrollen sowie eine transparente Patienteninformation über den Hygienezustand der Krankenhäuser.

Die Kliniken in der Stadt haben den gefährlichen Keimen mit einem Hygienemanagement den Kampf angesagt. So werden im Evangelischen Krankenhaus Weende Patienten, die von multiresistenten Keimen besiedelt beziehungsweise infiziert wurden, isoliert. So wird die Übertragung unterbrochen. Im Weender Krankenhaus sinkt die Zahl der MRSA-Fälle.

Im Weender Krankenhaus sowie in der Universitätsmedizin (UMG) werden Patienten auf gefährliche Keime getestet, wenn sie zu den Risiko-Gruppen zählen. Zum Beispiel wird an der UMG auf MRSA untersucht, wenn eine Verlegung aus einem anderen Krankenhaus in die Uni-Klinik erfolgt.

Hintergrund:

MRSA steht als Abkürzung für „Methicillin resistenter Staphylococcus aureus“ - eine Variante eines bestimmten Bakteriums.  Durchschnittlich 30 Prozent der Bevölkerung tragen diese Bakterien regelmäßig in der Nase und auf der Haut. Das muss kein einziges Symptom verursachen. Gesunde Menschen werden von diesen Bakterien auch nicht wirklich krank. Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem kann MRSA jedoch Infektionen verursachen, die ein Geschwür entstehen lassen oder auch zu Blutvergiftungen und Lungenentzündungen führen können.

Um die Bakterien abzutöten muss meistens eine Antibiotikum eingesetzt werden. Einige Erreger sind jedoch unempfindlich oder immun gegen das Antibiotikum Methicillin und auch die meisten anderen Antibiotika. Das bedeutet, dass das Medikament diese Erreger nicht bekämpfen kann, da die Bakterien durch die Anwesenheit eines bestimmten Genes auf das Antibiotikum nicht reagieren. Mit anderen Worten: Das Bakterium ist resistent gegen das Medikament.

Quelle: www.mrsa-net.nl

MRSA kann besonders schwere Infektionen verursachen

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