Polizeifahndung bringt schnellen Erfolg

Geflüchteter Schwerverbrecher am Nachmittag in Göttingen gefasst

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Fahndungserfolg: Der flüchtige Häftling wurde innerhalb eines Tages in Göttingen gefasst.

Göttingen. Der am Montagnachmittag in Duderstadt geflüchtete Sicherungsverwahrte ist am Dienstagnachmittag in Göttingen gefasst worden.

Gebäudekomplex: In diesem Wohnblock im Hagenweg in der Göttinger Weststadt erfolgte der Zugriff auf den am Montagnachmittag in Duderstadt geflüchteten Straftäter. Foto: Rampfel

Zuletzt aktualisiert um 18 Uhr: In einem Wohnblock im Hagenweg, der liegt in der Weststadt, waren gegen 16 Uhr Einsatzkräfte vorgegangen. Der Zugriff erfolgte im dritten Stock des Gebäudes. Es gab keine Gegenwehr des 49-jährigen Mannes. 

Vorsorglich waren auch Rettungssanitäter im Einsatz, auch ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Areal.

Die Polizei fahndete seit Montagnachmittag nach einem flüchtigen Häftling der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf

Der 49-Jährige war bei einem begleiteten Ausgang, dem Besuch bei dessen Vater, entkommen. Ihm war die Flucht trotz Bewachung durch zwei Vollzugsbeamte gelungen. Der Mann befand sich seit 2011 in Sicherungsverwahrung, seit März 2013 in Rosdorf. Der Häftling ist mehrfach vorbestraft. 

Zu der Festnahme führten polizeiliche Ermittlungen. Es gab keinen Hinweis.  Der Häftling habe sich nicht gewehrt, heißt es von Augenzeugen und der Polizei. Der Mann konnte am Montag während einer Ausführung fliehen, weil er den Heimvorteil nutzte: Er entkam bei einem Besuch im Haus seines Vaters im Duderstädter Stadtteil Hilkerode über einen zweiten Ausgang im ersten Stock, von dem seine Bewacher nichts wussten. 

Bewacher überrumpelt 

Der Häftling habe bei einer mehrstündigen Ausführung in Begleitung von zwei Vollzugsbediensteten im Wohnzimmer seines Vaters gesessen, schildert JVA-Leiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger die Flucht auf Anfrage unserer Zeitung. Plötzlich sei er aufgestanden und habe verkündet, aus dem Schlafzimmer im ersten Stock etwas Kleidung holen zu wollen. Ehe seine Bewacher reagieren konnten, sei der Mann schon auf dem Weg nach oben gewesen. 

Versteckte Tür

Einer der Vollzugsbediensteten hastete dem Häftling hinterher, verfügte aber laut Weichert-Pleuger nicht über die Ortskenntnisse des Flüchtenden. Als er den Häftling nicht im Schlafzimmer antraf, suchte er weiter und stieß auf eine Tür zu einer Treppe, die ins Freie führt. Der Ausgang sei auf den ersten Blick nicht ersichtlich gewesen. Der 49-jährige Häftling hatte seinen Heimvorteil zur Flucht genutzt. 

Gefahr für die Allgemeinheit

Bereits am Montagnachmittag wurde ein Foto des Flüchtigen veröffentlicht. Polizei und Staatsanwaltschaft warnten jedoch ausdrücklich davor, den 49-Jährigen anzusprechen. Stattdessen sollte sofort die Polizei verständigt werden. Wie gefährlich der Häftling ist, wollte Frank-Michael Laue, Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen, nicht direkt kommentieren. Aber: Der Mann sei wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Was bedeute, dass er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. 

Die Flucht sei nicht absehbar gewesen, sagt Regina Weichert-Pleuger. Sonst hätten die Vollzugsbediensteten von Fesseln Gebrauch gemacht. Eine begleitete Ausführung steht jedem Sicherungsverwahrten nach niedersächsischem Recht zu, erklärt die JVA-Leiterin. Sie ist die unterste Stufe des Aufenthaltes in Freiheit und findet stets in Begleitung statt. Bei der Ausführung von Häftlingen, bei denen mit einem Fluchtversuch gerechnet werden muss, kommen Fesseln zum Einsatz, die nur kleine Schritte ermöglichen.

Hintergrund

Lange Geschichte der Gewalt

Der 49-Jährige hat wegen einer Vielzahl von Straftaten immer wieder in Haft gesessen. Unter anderem wurde er wegen diverser Gewalt-, Raub- und Drogendelikte, Diebstählen, Einbrüchen und Vergewaltigung verurteilt. Zuletzt sprach ihn das Landgericht Göttingen im Dezember 2015 wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte schuldig.

Er habe damals in einer Kneipe in Herzberg auf andere Gäste eingeschlagen und diese massiv verletzt, sagte Andreas Buick, Sprecher der Staatsanwaltschaft Göttingen. Die Richter hatten zusätzlich zur Haftstrafe die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet, weil der Angeklagte in betrunkenem Zustand zur Gewalt neige und von ihm erhebliche Gefahr ausgehe.

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