Göttingen

Gegen demokratische Regeln: JU-Stadtverband Göttingen kritisiert Konfuzius-Institute

Yuhan Huang und Vorsitzender Luca Heinemann vom JU-Stadtverband Göttingen sitzen an einem Holztisch auf Holzbänken, Huang auf der linken Seite, Heinemann auf der rechten Seite. Beide schauen in die Kamera
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Wollen das Ende der Zusammenarbeit mit dem Konfuzius-Institut: Yuhan Huang (links) und Vorsitzender Luca Heinemann vom JU-Stadtverband Göttingen. Der Stadtverband will einen Antrag beim JU-Niedersachsenrat stellen.

Konfuzius-Institute stehen in der Kritik. Dieser schließt sich nun der Stadtverband Göttingen der Jungen Union an. Die Forderung: Zusammenarbeit von Uni und Konfuzius-Institut beenden.

Göttingen – In Deutschland gibt es derzeit 19 Konfuzius-Institute. Sie bieten beispielsweise chinesische Sprachkurse an, arbeiten aber auch mit Universitäten zusammen. Auch in Göttingen und Hannover gibt es Konfuzius-Institute.

Die Junge Union (JU) Stadtverband Göttingen setzt sich nun für ein Ende der Zusammenarbeit der Leibniz-Universität Hannover und der Georg-August-Universität Göttingen mit den Konfuzius-Instituten ein.

Der Grund: Die Institute unterstehen dem chinesischen Bildungsministerium, also der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und werden von dort finanziert, „mit dem Zweck die Propaganda für Pekings totalitäre Ideologie zu stärken und schädlichen Einfluss auf deutsche Hochschulen auszuüben“, heißt es in einem Antrag des JU-Stadtverbands Göttingen.

Uni Göttingen und Konfuzius-Institut: JU-Stadtverband Göttingen wünscht sich Diskurs

Den will der Stadtverband im Rahmen einer Sitzung des Niedersachsenrates der JU stellen. Dazu gibt es einen weiteren Antrag, der die Möglichkeit eines Kooperationsprojekts für chinesischen Sprachunterricht zwischen Niedersachsen und Taiwan für Schulen und Universitäten mit Bedarf thematisiert, um die „Abhängigkeit von der Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China schrittweise zu verringern“.

Dabei geht es nicht darum, den Kontakt zu China komplett abzubrechen, sagt Luca Heinemann, Vorsitzender des JU-Stadtverbands Göttingen. Vielmehr solle eine gemeinsame Lösung gefunden werden – durch Kommunikation. Deshalb wünsche er sich auch einen Diskurs zwischen Deutschland, China und Taiwan.

Uni Göttingen und Konfuzius-Institut: Spionage und Verstöße gegen Wissenschaftsfreiheit als Vorwürfe

Bereits seit Jahren gebe es Kritik an den Konfuzius-Instituten – wegen Vorwürfen des Verstoßes gegen die Wissenschaftsfreiheit, Spionage-Vorwürfen und weil die für den Sprachunterricht genutzten Unterrichtsmaterialien die Lehrmeinung Chinas verbreiteten. „Man will nur eine Sprache lernen und bekommt unterschwellig die Meinung vermittelt, die in China vorherrscht“, sagt Heinemann.

Weil das Institut dem chinesischen Bildungsministerium untersteht, ist es an dessen Vorgaben gebunden, sagt Yuhan Huang. Er ist 2003 in der Provinz Yunnan geboren und seit 2018 in Deutschland. Huang besucht die Arnoldi-Schule und ist Mitglied der JU, hat seine Verbandskollegen über die Situation informiert und die Anträge verfasst.

Uni Göttingen und Konfuzius-Institut: „Die demokratischen Spielregeln müssen eingehalten werden“

„Würde das Konfuzius-Institut rein privat arbeiten, wüsste jeder, worauf er sich einlässt“, sagt Heinemann. Allerdings erhalte es bei Kooperationsprojekten mitunter auch staatliche Zusatzfinanzierung und das dürfe nicht sein, ist man sich beim Stadtverband Göttingen der JU einig.

Mit staatlicher Unterstützung sollten keine teilweise antidemokratischen Inhalte vermittelt werden dürfen, sagen Heinemann und Huang. „Die demokratischen Spielregeln müssen eingehalten werden.“

Dazu will der Stadtverband der JU Göttingen beitragen und erhofft sich Unterstützung vom Landesverband. Die Chancen dafür schätzt Heinemann als gut ein, denn schließlich sei auch der Ausschluss Huaweis erfolgreich gewesen.

Uni Göttingen und Konfuzius-Institut: Einige Unis haben Zusammenarbeit bereits beendet

Da es um die Grundfrage gehe, ob man mit einem Institut kooperieren wolle, das nicht nach demokratischen Grundsätzen arbeite, seien inzwischen bundesweite Debatten und lokale Initiativen entstanden. Universitäten in Düsseldorf, Hamburg und Trier hätten die Zusammenarbeit mit den Konfuzius-Instituten bereits eingestellt. Das wünscht sich der JU-Stadtverband auch für Göttingen.

Die Uni Göttingen sagte auf Anfrage: „Das Akademische Konfuzius-Institut (AKI) in Göttingen wurde zur Förderung der China-Forschung eingerichtet. Die Kooperation verläuft aus Sicht der Universität bislang reibungslos.“ Weitere Angaben wollte die Uni nicht machen. (Sarah Schnieder)

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