Mahnwachen

Gegen neues Kita-Gesetz: Mitarbeiter aus evangelischen Einrichtungen gingen in Göttingen auf die Straße

Vier Frauen stehen mit Masken nebeneinander in der Fußgängerzone und halten Schilder hoch
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An zahlreichen Stellen der Göttinger Innenstadt protestierten Erzieherinnen evangelischer Kindertagesstätten gegen das neue Kita-Gesetz.

Das neue Kita-Gesetz sorgt für Unmut. Deshalb haben in Göttingen Erzieher protestiert. Der Vorwurf: In der aktuell vorgesehenen Fassung sorge es für einen Rückschritt.

Göttingen – Mit mehreren Mahnwachen haben rund 50 Erzieherinnen evangelischer Kindertagesstätten in der Göttinger Innenstadt gegen das neue Kindertagesstätten-Gesetz (Kita-Gesetz) protestiert.

„Wir warten schon lange auf eine zeitgemäße Anpassung des Kita-Gesetzes mit Veränderungen, die den heutigen Standards der Arbeit in einer Kindertagesstätte entsprechen“, sagte Sofia Jarkiew von der Evangelischen Kindertagesstätte St. Margarethen in Holtensen.

Mahnwachen gegen Kita-Gesetz: Fachkräfte durch Assistenzstellen ersetzen

„Die überarbeitete Fassung, die jetzt im Entwurf vorliegt, hat einzig das Ziel der Kostenneutralität und sorgt in keinster Weise für verbesserte Rahmenbedingungen – weder für die Kinder noch für das Personal“, so ihr Vorwurf. Die Erzieherinnen sehen es sogar als Rückschritt.

„Die Kinder halten sich heute sowohl vom Alter als auch von der Zeit her länger in der Kita auf, deshalb braucht es besonders gut ausgebildetes Personal“, so Jarkiew. Daher sei es geradezu grotesk, dass es nach den Plänen der Landesregierung künftig möglich sein soll, die zweite pädagogische Fachkraft in der Kindergruppe durch Assistenz- oder Hilfskräfte zu ersetzen.

Mahnwachen gegen Kita-Gesetz: Verschlechterung der Rahmenbedingungen

„Das bedeutet für die Kinder weniger gut ausgebildetes Personal in der Kita, weniger Begleitung, Unterstützung und vor allem Bildung“, betonte Jarkiews Kollegin Antje Klinker-Petersen. Die Verschlechterung der Rahmenbedingungen werde dazu führen, dass sich noch weniger junge Menschen für den Beruf der Erzieherin oder des Erziehers interessieren.

„Und wir haben ohnehin schon einen großen Fachkräftemangel und können die Stellen unter den jetzigen Gegebenheiten schon gar nicht mehr ausfüllen“, ergänzte Sofia Jarkiew.

Mahnwachen gegen Kita-Gesetz: Verlässliche Personalausstattung

Ganz oben auf dem Forderungskatalog der Erzieherinnen steht daher neben einer dritten Fachkraft in der Krippe unabhängig von der Kinderzahl die Schaffung von Rahmenbedingungen, die in Kitas den personellen Einsatz ausschließlich über pädagogische Fachkräfte ermöglichen.

Darüber hinaus soll zum einen ein Personalschlüssel benannt werden, der den heutigen Ansprüchen entspricht, zum anderen für eine verlässliche Personalausstattung ohne befristete Projektstellen gesorgt werden.

Mahnwachen gegen Kita-Gesetz: „So, wie das aktuell vorgesehen ist, darf Gesetz nicht durchkommen“

„Wir müssen uns fragen, was wir zukünftig verantworten wollen: Fachkräfte und Kinder, die neugierig sind und sich gut aufgehoben fühlen oder überfordert und alleingelassen“, meinte Antje Klinker-Petersen.

Momentan habe man das Gefühl, dass das neue Kita-Gesetz noch schnell vor der Wahl durchgeboxt werden soll. „Aber so, wie das aktuell vorgesehen ist, darf das Gesetz einfach nicht kommen“, meint die Erzieherin. (Per Schröter)

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