Derzeit keine einheitliche Lösung

Gelbe Säcke vermüllen Göttingens Straßen

Kein schöner Anblick: Die Müllsäcke fliegen durch die Gegend und der Müll verteilt sich auf Göttingens Straßen. Foto: Triesch

Göttingen. Vermüllte Straßen, Hecken voller Plastik und Zahnpastatuben am Straßenrand: Resultat zahlreicher offener Gelbe Säcke, die am Donnerstag durch Göttingens Innenstadt wehten.

Häufig platzen die Beutel auf, wehen auf die Straße und verunreinigen das Stadtbild. Um das zu verhindern, sind Anwohner nicht selten einfallsreich, binden die Beutel an, beschweren sie oder basteln eigene Behälter. Aber eine einheitliche Lösung, damit der Müll nicht durch die Gegend fliegt, fehlt in Göttingen.

Das liege am Dualen System, erklärt Horst Patzelt von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB). Man habe mit der Wertstofftonne versucht, der Vermüllung Herr zu werden, aber: „Das Problem liegt an den verschiedenen Zuständigkeiten. Wir als Entsorgungsbetrieb sind nicht verantwortlich für die Verpackungsverordnung. Die Eckpunkte werden in der Systembeschreibung durch die Dualen Systeme vorgegeben“, erklärt Patzelt.

Die GEB sei seit langem bestrebt, die Sackentsorgung abzuschaffen und in eine Tonnenentsorgung umzuwandeln. Aber: „Unsere Eingriffsmöglichkeiten laufen ins Leere, weil wir nicht direkter Vertragspartner sind.“

Man habe auf die Einführung einer Wertstofftonne gehofft, aber nachdem die Bundesregierung das Wertstoffgesetz gekippt hat, blieb alles beim Alten. Gratis aufstellen können die Entsorgungsbetriebe solche Behältnisse nicht. Der Grund: Sie sammeln die Säcke nur als Unter-Auftragnehmer ein.

Zwar wäre es die Lösung, in Behältern zu sammeln, aber da der Vertrag für die Zuständigkeit alle drei Jahre neu ausgeschrieben wird, könne frühestens ab 2018 eine Änderung eintreffen, erklärt Patzelt weiter. Das sei eine Sache der jeweiligen Kommunen. Bis Ende 2017 laufen noch die alten Verträge mit der GEB.

Kunden sind gefragt

Aber bis eine Gelbe Tonne eingeführt werde, könne die Vermüllung zunächst durch Verhaltensänderungen der Kunden aufgehalten werden, indem die Säcke nur an den vorgegebenen Abholtage, rausgestellt werden, so Patzelt. Oft würden die Gelben Säcke in Haufen an Straßenecken deponiert, häufig - vielleicht in der Annahme, man mache es dem Abfuhrpersonal dadurch leichter. Aber genau das sei dann jener Plastikmüll, der bei windigem Wetter über Straßen und Bürgersteige wehe.

Hintergrund

Das Duale System (DSD) wurde in Deutschland 1991 auf der Grundlage der Verpackungsverordnung gegründet und bezeichnet die Sammlung und Entsorgung von Verkaufsverpackungen gemäß den Vorgaben des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Die Bezeichnung Duales System kommt daher, dass neben der öffentlichen Abfallentsorgung ein zweites (duales) Entsorgungssystem für gebrauchte Verkaufsverpackungen eingeführt wurde. (mel)

Weitere Informationen unter www.gruener-punkt.de

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