Geldstrafe: Ex-Burschenschafter zielte mit Soft-Air-Waffe auf Studentenheim

Göttingen. Knapp ein Jahr nach den aufsehenerregenden Schüssen auf ein Studentenwohnheim in Göttingen hat sich am Mittwoch ein ehemaliges Mitglied einer Burschenschaft vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

Das Gericht verurteilte den 22-jährigen Studenten zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro (insgesamt 1800 Euro). Der aus Celle stammende VWL-Student hatte im Juli vergangenen Jahres aus dem Fenster eines Verbindungshauses mit einer Soft-Air-Waffe auf ein gegenüberliegendes Studentenwohnheim geschossen. Mehrere Plastikgeschosse flogen durch das geöffnete Fenster in einen Raum, in dem gerade mehrere Musiker probten.

Insgesamt hatte der Angeklagte mehrere Dutzend Schüsse abgefeuert. Die Polizei hatte nach dem Vorfall, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde, in dem Verbindungshaus neben dem Federdruckgewehr noch eine weitere Soft-Air-Waffe sichergestellt. Der 22-Jährige hatte zunächst wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung einen Strafbefehl über 120 Tagessätze à 15 Euro erhalten. Gegen diesen Strafbefehl legte er Einspruch ein, so dass sich das Gericht in mündlicher Verhandlung mit dem Fall befassen musste. Dabei ging es nur um die Rechtsfolgen, den Schuldspruch hatte der Angeklagte akzeptiert.

Vor Gericht erklärte der 22-Jährige, dass ihm langweilig gewesen sei. Er habe beim Aufräumen die Soft-Air-Waffe gefunden und ausprobieren wollen, wie weit man damit schießen könne. Er habe niemanden im gegenüberliegenden Gebäude gesehen und auch nicht gewusst, wer dort wohne.

Die Schüsse zielten auf das gegenüberliegende Haus, in dem Angehörige der linken Szene in einer Wohngemeinschaft leben. Plötzlich habe es „klack, klack, klack, klack“ gemacht, berichtete ein 23-jähriger Student, der dort zur Tatzeit mit seiner Band probte. Alle seien fassungslos gewesen.

Der Angeklagte hatte sich nach dem Vorfall nie entschuldigt. Erst zum Schluss der Verhandlung erklärte er nach einem Hinweis seines Verteidigers, dass ihm die Tat „wirklich leid“ tue.

Mit seinem Urteil folgte der Richter dem Antrag des Staatsanwalts. Dieser hatte keinerlei Verständnis dafür, dass der Student zwei martialisch aussehende Waffenimitate eines Sturmgewehrs und einer Pump-Gun besaß. Die Tat sei heimtückisch und keinesfalls ein Dummer-Jungen-Streich gewesen.

Die Burschenschaft Germania, in deren Haus sich der Vorfall abgespielt hatte, hatte sich damals von der Tat distanziert und ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass das „ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der linken Szene und den Göttinger Studentenverbindungen weiter aufgeheizt“ worden sei. Die Mietverträge der Beteiligten seien gekündigt worden.

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