Leinwände sind noch dunkel

Gemischte Gefühle bei Kinobetreibern in Südniedersachsen

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Neue Lounge-Sessel im Göttinger Cinemaxx: Die bequemen Sitzgelegenheiten sind wegen der Corona-Krise noch immer verwaist. Die Betreiber der Kinos in Südniedersachsen hoffen auch einen baldigen Neustart.

Während mittlerweile in allen übrigen Bundesländern seit Mitte Mai nach und nach die Kinos wieder öffnen dürfen, bleiben sie in Niedersachsen weiterhin geschlossen. 

Ein Umstand, der nicht nur das Kinobüro Niedersachsen-Bremen e. V. zum Anlass genommen hat, in einem offenen Brief an die Landesregierung die Wiedereröffnung spätestens zum 2. Juli zu fordern. In Osnabrück und Braunschweig haben außerdem jetzt die ersten Kinos Klage eingereicht.

Torben Scheller, Betreiber der Neuen Schauburg in Northeim, hatte ursprünglich bereits zum 8. Juni damit gerechnet, wieder Filmfans in seinen Kinos begrüßen zu können. Seiner Enttäuschung über die momentane Perspektivlosigkeit macht er unter anderem in einer Mitteilung an seine Gäste Luft: „Erlaubt ist, dass wir in die Eckkneipe dürfen, wir im Flieger eng an eng sitzen, eine Busreise machen können, im Fitnessstudio die gleiche Luft atmen.“ Man könne den Eindruck gewinnen, „dass Kleinkunst, Kultur und Kino in Niedersachsen von der Infektionsgefahr her behandelt werden wie Bordellbetriebe“, sagt Scheller.

Hoffnung Open-Air

Auch die Geschäftsführerin des ProgrammkinosLumière in Göttingen, Telke Reeck, ist betroffen darüber, als Teil der Stufe 5 zu den Letzten überhaupt zu gehören, die sich Hoffnungen machen dürfen. Sie wünscht sich mehr Gewissheit und Gestaltungsfreiheit, sieht aber auch Vorteile im Schlusslicht-Sein: „Die ganzen Auflagen machen es momentan ohnehin schwierig zu öffnen und viele Filme haben noch keinen Starttermin“. Kinoverbände wie die AG Kino-Gilde beispielsweise arbeiteten jedoch auf eine bundesweite Öffnung am 2. Juli hin, erzählt sie.

Ob das Lumière startbereit ist, sobald es die Verordnung zulässt, stehe nicht fest, weil man die spielfreie Zeit für die Modernisierung der Sanitärräume nutze. Nachdem die für Anfang April geplante Eröffnung des neuen Kinos Méliès ebenfalls verschoben werden musste und nicht vor dem 1. September nachgeholt wird, setzen Reeck und ihr Team auf das Open Air Kino im Freibad am Brauweg. „Wir hoffen sehr, dass wir im Juli in der Lage sein werden, das Open Air auch mit einer ausreichenden Zahl an Gästen durchführen zu können. Wenn es am Anfang auch erst nur 250 Personen sein dürften, würden wir es trotzdem machen, in der Hoffnung, dass dann vielleicht im August 400 erlaubt wären“. Die bräuchte das Kino, um kostendeckend arbeiten zu können.

In den Startlöchern

Das Göttinger Cinemaxxkann ebenfalls noch keine konkrete Aussage bezüglich einer Wiedereröffnung machen. Die Kette hat mit dem Mutterunternehmen Vue International jedoch ein Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet, das in vielen deutschen Cinemaxx-Kinos zum Einsatz kommt. Basierend auf den lokalen Vorgaben für Göttingen werde das Konzept angepasst, sobald ein Termin feststehe, teilte Cinemaxx-Pressesprecherin Ingrid Breul-Husar mit.

Innerhalb kürzester Zeit startklar wäre auch Ulrich Tolksdorf, der die Schiller-Lichtspiele in Hann. Mündenbetreibt. In stundenlangen Fernkonferenzen habe er sich mit Branchenkollegen ausgetauscht und verschiedene Szenarien durchgespielt. „Solange Niedersachsen sich nicht zu den Auflagen äußert, ist es faktisch unmöglich, einen Plan zu erstellen. Jedoch bin ich entsprechend vorbereitet, wenn diese Infos kommen und könnte das Konzept dann in sehr kurzer Zeit fertigstellen. Es sei denn, die Auflagen machen meinen Betrieb wirtschaftlich unmöglich.“

Was er spielen würde, wenn es wieder los geht, wisse er ebenfalls schon: „Mein erster Film wird vermutlich ‚Das geheime Leben der Bäume’ sein. Den hatte ich schon im Februar terminiert. Und da die Werbung immer noch draußen hängt…“

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