Uni-Klinik Göttingen

Quantensprung im Kampf gegen Corona: Forscher wollen Virus mit Gen-Schere zerstören

Corona-Virus im Modell: Die Erreger sollen mit einer Genschere zerstört werden. Diese Idee wurde in Göttingen entwickelt.
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Corona-Virus im Modell: Die Erreger sollen mit einer Genschere zerstört werden. Diese Idee wurde in Göttingen entwickelt.

Forscher aus Göttingen sind maßgeblich am Kampf gegen das Corona-Virus beteiligt. Die Methode will per Gen-Schere das Virus unschädlich machen.

Göttingen – Das könnte ein Quantensprung im Kampf gegen das Corona-Virus werden: Warum nicht einfach das Virus mittels Gen-Schere zerschneiden und auf diese Weise unschädlich machen? Das ist die Idee für eine neue antivirale Therapie, entwickelt auch in der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Erste Ergebnisse in der vorklinischen Anwendung an der Uni-Klinik „sind sehr vielversprechend“, wie der Direktor der Klinik für Kadiologie und Pneumonologie, Prof. Gerd Hasenfuß, gegenüber unserer Zeitung sagte. So habe sich gezeigt, dass sie bei Hamstern wirke, die Anzahl der Lungenschäden durch Covid-19-Erkrankungen deutlich verringert werden konnten. Die Therapie macht auch Hoffnung bei weiteren neuen Mutationen des SARS-CoV2-Virus, wie es heißt.

Kampf gegen Corona: Göttinger Forscher überzeugen mit Gen-Schere

Mit dem Einsatz der Gen-Schere „CRISPR/Cas“ haben die Wissenschaftler aus Hannover und Göttingen die Jury der ersten „SprinD Challenge“, einem Wettbewerb der Bundesagentur für Sprunginnovation, überzeugt. Sie erhalten jetzt für ihr Projekt im ersten Jahr eine Förderung von 700 000 Euro.

UMG-Forscher und -Direktor Klinik für Kardiologie und Pneumologie: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß

Das niedersächsische Team „CRISPR/Cas13-mediated antiviral therapy“ unter Leitung von Prof. Elisabeth Zeisberg ( UMG-Klinik für Kardiologie und Pneumologie) gehört zu insgesamt neun Teams, die aus 45 Bewerbern in Deutschland und Europa ausgewählt wurden und jetzt in einem Wettbewerb um die vielversprechendsten Wirkstoffe im Kampf gegen Viruserkrankungen antreten werden.

Gen-Schere im Kampf gegen Corona: Neues Verfahren wurde experimentell an der UMG entwickelt

Die Kooperationspartner dabei sind neben Gerd Hasenfuß auch Prof. Stefan Pöhlmann vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen sowie Prof. Albert Osterhaus und Prof. Gisa Gerold von der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover.

Forscherin an der UMG, Universitätsmedizin Göttingen: Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg

Das Projekt wird nun an seinen Fortschritten gemessen: Die Ergebnisse entscheiden auch darüber, welche Teams in den Folgejahren des Wettbewerbs eine weitere Förderung erhalten.

Das neue Verfahren wurde experimentell an der UMG entwickelt. Für den neuen Wirkstoffansatz zum Kampf gegen Viren greift die Mannschaft um Professorin Zeisberg auf Werkzeuge zurück, die Bakterien schon seit langer Zeit erfolgreich anwenden. Diese haben ihren evolutionären Vorsprung von mehr als drei Milliarden Jahren gegenüber den Menschen genutzt und ein perfektioniertes System zur Bekämpfung von Viren entwickelt: sogenannte körpereigene Gen-Scheren. Damit können Bakterien DNA- beziehungsweise RNA-Viren zerstören. „Begleiter“ legen dabei fest, an welchen Stellen geschnitten wird.

Gen-Schere CRISPR/Cas

Die molekularbiologische CRISPR/Cas-Methode ermöglicht das Schneiden und Verändern der DNA. So können Gene mit dem CRISPR/Cas-System eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden. Auch Nukleotide, Bausteine der Nukleinsäuren, in einem Gen können geändert werden. Ein großer Vorteil für Forscher, die die Methode stetig häufiger einsetzen: Sie ist einfach und praktikabel, zudem skalierbar auf verschiedene Zielsequenzen – und sie ist relativ kostengünstig.
Die erste wissenschaftliche Dokumentation zur Entwicklung und zum Einsatz der Methode wurde 2012 durch eine Arbeitsgruppe um Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna veröffentlicht. Die beiden erhielten 202 den Nobelpreis für Chemie. Charpentier ist Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie.

Erste Versuche im Tiermodell mit Hamstern, die SARS-CoV-2 infiziert sind, zeigen: Die Gabe des therapeutischen Mixes aus gegen SARS-CoV-2 gerichteten RNA-Scheren über die Nase führt im Vergleich zu einer unspezifischen Kontroll-Schere zu einer deutlichen Abnahme der Lungenschäden.

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„Grundsätzlich ist der Ansatz auch auf andere RNA-Viren übertragbar. Er könnte auch im Falle einer neuen Epi- oder Pandemie mit noch unbekannten RNA-Viren rasch als Therapie umgesetzt werden“, sagt Prof. Dr. Albert Osterhaus von der TiHo Hannover. (Bernd Schlegel /Thomas Kopietz)

Der Corona-Inzidenzwert in Stadt und Landkreis Göttingen ist weiterhin hoch. Es gilt in vielen Bereichen daher „2G-Plus“.

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