Aufnahmen zum neuen Album in 3D-Klang

"Gentle Spirits" holen Folkmusik in die Reinhäuser St. Christophorus Kirche

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Auf den Punkt gespielt: Für (von links) Andreas Düker, Job Verweijen und Elke Hardegen-Düker waren die Aufnahmen in der Kirche komplizierter als die im Studio.

Reinhausen. Das Eddigehäuser Musik-Label "friends of green sonic" hat in der St. Christophorus Kirch Reinhausen eine besondere Aufnahme in 3D-Klangqualität (96-facher CD-Standard) gemacht: Die Gruppe "Gentle Spirits" mischt Barock- und Folk-Musik mit Percussion-Klängen.

„Das ist alles nur geklaut“ heißt ein bekanntes Lied der „Prinzen“ aus den 1990er Jahren. Es ist ein Motto, das in der Musik des 16., 17. und 18. Jahrhunderts – ganz im Gegensatz zu heute – keine Gemüter erregte, sondern gang und gäbe war.

Komponisten des Barock ließen sich besonders gerne von Volksweisen – auf Englisch dem Folk – inspirieren. Die Gruppe „Gentle Spirits“ löst in einer neuen Aufnahme des Eddigehäuser Labels „friends of green sonic“ die Grenzen zwischen Barock- und Volksmusik auf – angereichert mit perkussiven Elementen aus dem außereuropäischen Raum.

Als Ort für die Albumaufnahmen in hochauflösender 3D-Klangtechnologie, die „friends of green sonic“-Inhaber Stephan Schmidt mit dem von ihm entwickelten „clár-Recorder“ auf ein neues Niveau gehoben hat (eine 96 Mal höhere Klangauflösung als beim CD-Standard), haben die Musiker und Produzent Schmidt die St. Christopherus-Kirche in Reinhausen ausgewählt. „St. Christophorus ist optimal für diese Musik“, erklärt Schmidt. „Bei dreidimensionalen Musik-Aufnahmen ist es wichtig, dass die Akustik zur Musik passt.“

Der Rückhall von ziemlich genau zwei Sekunden sowie der Akustik-Charakter des Baus lassen den Klang der alten Instrumente, die das Trio „Gentle Spirits“ spielt, fast perfekt entfalten. Und das ist besonders wichtig, weil bei den 3D-Aufnahmen nicht mehr großartig nachgearbeitet werden kann. „Die Aufnahme ist ziemlich ehrlich“, sagt Schmidt. Der Mischvorgang erfolgt direkt vor Ort. „Wir kreieren den Sound durch die Raumakustik und die Positionierung der Musiker und der Instrumente“, so Schmidt.

„Das Besondere ist, dass man vor Ort alles richtig machen muss“, sagt auch Andreas Düker, der für die Saiteninstrumente bei „Gentle Spirits“ zuständig ist. Für die Musiker bedeutet das eine große Herausforderung, wie Perkussionist Job Verweijen erzählt: „Es ist ein höherer Druck als im normalen Studio. Es muss mehr auf den Punkt gespielt werden, und ich muss mich abbremsen. Ich muss so schalten, dass ich in die Percussions nicht zu viel Power reinlege.“ Auch für Flötistin Elke Hardegen-Düker sind die Aufnahmen komplizierter als im Studio: „Hier muss ich sehr präzise, sehr deutlich und klar spielen.“

Das gelingt den drei Musikern am letzten Tag der Aufnahmen in St. Christophorus. Mittlerweile sind das Trio und Produzent Schmidt eingespielt. „Wir haben auch schon Erfahrungswerte“, sagt der Aufnahmeleiter. „Wenn die Grundjustage einmal gegeben ist, sind es nur noch Kleinigkeiten.“ Und auch die passen am Ende – das Album kann also kommen. Die Veröffentlichung ist für Mai 2019 geplant.

Musikalische Grenzen aufbrechen

Sprengen die Genre-Grenzen: (von links) Job Verweijen, Elke Hardegen-Düker und Andreas Düker von der Gruppe „Gentle Spirits“.

Barock, Folk und Percussion – die „Gentle Spirits“ bringen auf ihrem Album verschiedene Stile unter einen Hut. Sie wollen zeigen, dass die alte Musik aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert „zu schön ist, um in der Schublade zu verschwinden“, wie Lauten- und Gitarrenspieler Andreas Düker sagt. Dabei greifen die Musiker auf alte Barock- und Folk-Noten zurück und fügen neue Elemente hinzu. „Es wird nichts von der alten Musik weggenommen, sie wird nur etwas anders interpretiert“, erklärt Düker. 

Es geht also darum, Grenzen zwischen musikalischen Stilrichtungen aufzubrechen. Für Düker ist das auch deshalb wichtig, um klarzumachen: „Sortenreine Musik gibt es nicht und gab es nie.“ Die Laute etwa, ein scheinbar europäisches Instrument der Folk- und Barockmusik, stammt eigentlich aus dem arabischen Raum. Und so passen sich die afrikanischen und asiatischen Elemente, die Percussionsist Job Verweijen einbringt, wunderbar in die europäisch-barockige Folkmusik ein. 

Produzent Stephan Schmidt, Geschäftsführer und Inhaber des Labels „friends of green sonic“ verfolgt mit den Aufnahmen ähnliche Ziele: „Die Hörer sollen auf die Idee kommen, auch mal Musik zu hören, die sie nicht kennen oder eigentlich nicht mögen. Wir wollen sie animieren, nicht in Schubladen zu denken.“ 

Dass die Stücke mehr oder weniger „abgekupfert“ sind, gehört für alle Beteiligten übrigens einfach dazu. „Selbst Händel hat schon geklaut“, sagt einer der drei Musiker. Und so passt sich auch der Ort der Aufnahme, die St. Christophorus-Kirche in Reinhausen, gut ins Gesamtbild ein. Folk sei eben sehr ambivalent und passe daher auch in die Kirche, erklärt Schmidt. 

Davon können sich Interessierte selbst überzeugen: Das Release-Konzert für das neue Album von „Gentle Spirits“ findet am 5. Mai 2019 in der Klosterkirche Nikolausberg statt.

Weitere Infos gibt es hier.

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