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Göttinger Gericht: Ex-Freundeskreis-Aktivist soll zahlen

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Von: Heidi Niemann

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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Eine Zivilkammer gab der Klage einer Krankenkasse statt.
Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Eine Zivilkammer gab der Klage einer Krankenkasse statt. © Hubert Jelinek/nh

Eine Attacke auf einen Radfahrer soll für einen früheren Aktivisten einer rechtsextremen Gruppe weitere finanzielle Folgen haben. Das entschied ein Göttinger Gericht.

Göttingen – Ein Angriff auf einen Radfahrer hat für einen einstigen Aktivisten der rechtsextremen Gruppierung „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ neben einer Geldstrafe jetzt noch weitere finanzielle Folgen. Das Landgericht Göttingen hat den 32-jährigen Betriebswirt in einem Zivilverfahren dazu verurteilt, für die Behandlungskosten des verletzten Radfahrers aufzukommen.

Das Gericht gab damit einer Klage der Krankenkasse des Radfahrers statt. Nach Angaben eines Sprechers wird der frühere Verbindungsstudent in dem Urteil dazu verpflichtet, die zunächst von der Krankenkasse übernommenen Behandlungskosten von etwa 7500 Euro zu erstatten. Auch er für mögliche zukünftige Schäden aufzukommen, die auf die damalige Verletzung zurückzuführen sind.

Der 32-Jährige hatte im Juli 2015 vor dem Haus seiner damaligen Studentenverbindung in Göttingen einen Studenten vom Fahrrad geschubst. Bei dem Sturz wurde der Radfahrer so schwer verletzt, dass er auch drei Tage im Krankenhaus verbringen musste und in der Folgezeit Kniebeschwerden hatte.

Nach dem Vorfall hatte der 32-Jährige, der damals BWL-Student war, zunächst einen Strafbefehl erhalten. Da er dagegen Einspruch einlegte, wurde der Fall vor dem Amtsgericht Göttingen verhandelt. Dieses verhängte dann eine Strafe, die noch über den Strafbefehl hinausging, insgesamt sollte der Angeklagte eine Geldstrafe von 1000 Euro zahlen. Dieser legte daraufhin Berufung ein, erzielte allerdings statt des erhofften Freispruchs nur einen Teilerfolg.

Das Landgericht Göttingen befand den 32-Jährigen ebenfalls der Körperverletzung, nicht aber der Nötigung für schuldig und verhängte im November 2017 eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen zu je 20 Euro (700 Euro). Das Urteil wurde rechtskräftig.

Daneben hat sich der 32-Jährige mehrere andere Strafen eingehandelt. Drei Wochen vor dem Angriff auf den Radfahrer hatte er in der Göttinger Innenstadt drei Menschen, unter ihnen einen Polizisten, unter anderem als „Arschloch“, „Wichser“ und „Spasti“ beschimpft. Das Amtsgericht Göttingen erließ deshalb gegen ihn einen Strafbefehl über 900 Euro. Zwei Jahre zuvor hatte das Amtsgericht Soest gegen ihn einen Strafbefehl über 1200 Euro wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung verhängt.

Im März 2018 verurteilte das Amtsgericht Göttingen den 32-Jährigen, der vor einigen Jahren einer der bekanntesten Aktivisten der rechtsextremen Szene in der Region war, wegen unerlaubten Verbreitens von Bildnissen zu einer Geldstrafe von insgesamt 3000 Euro.

Der Angeklagte hatte bei einer „Spontandemo“ in Friedland mit einem Mobiltelefon mehrfach Polizisten in Großaufnahme gefilmt. Der Film wurde im Livestream auf der Facebook-Seite der Gruppierung „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ verbreitet. Die Gruppierung hatte sich später umbenannt und ist seit mehreren Jahren nicht mehr in Erscheinung getreten. (Heidi Niemann)

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