Gericht verurteilt Chefs von Abzocke-Elektro-Firma zu Haftstrafen

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Hier wurde am Freitag das Urteil im Prozess gesprochen. Archivfoto: bsc

Göttingen. Das Landgericht Göttingen hat am Freitag zwei 35 und 28 Jahre alte Betreiber einer nur auf Betrug ausgelegten Elektroinstallationsfirma in Zorge im Kreis Osterode zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der 35-Jährige erhielt wegen gewerbsmäßigen Betruges eine Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten, hinzu kommen zehn weitere Monate aus einer früheren Verurteilung. Außerdem ordnete das Gericht seine weitere Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Ein mitangeklagter 28-jähriger Elektriker erhielt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zehn Monaten.

Die Ehefrau des 35-Jährigen, die mit einem gefälschten Pass und falschen Personalien die Firma angemeldet hatte, erhielt wegen Urkundenfälschung, Falschbeurkundung und Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Als Bewährungsauflage muss sie 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Die Kammer hielt allen drei Angeklagten zugute, dass sie ein umfassendes Geständnis abgelegt hatten. Anderenfalls wäre es ein sehr aufwändiges Verfahren geworden. Das Gericht hätte dann zahlreiche Geschäftspartner vernehmen müssen, die von den Angeklagten geprellt worden waren.

Die im Sommer 2010 gegründete Firma für Elektroinstallationen in Zorge im Südharz sei von vornherein darauf angelegt gewesen, durch Betrug Geld zu erlösen, sagte der Vorsitzende Richter David Küttler. Um die akquirierten Aufträge erledigen zu können, ließ sich die Firma von Personaldienstleistern und Zeitarbeitsfirmen zahlreiche Arbeitnehmer vermitteln. Die Angeklagten zahlten jedoch weder Löhne noch Sozialabgaben. Auch die Hotels, in denen die Arbeitnehmer während ihres Einsatzes auf den Baustellen übernachtet hatten, blieben auf ihren Rechnungen sitzen, ebenso diverse Mietwagenfirmen und Telefonanbieter.

Firmenkonto abgeräumt

Die Angeklagten hätten immer zum Wochenende das Firmenkonto abgeräumt und die Einnahmen des Unternehmens zur Finanzierung des eigenen gehobenen Lebensunterhalts verwendet, sagte der Vorsitzende Richter. Insgesamt hätten sie einen Schaden von 184 000 Euro angerichtet. Ihr planmäßiges Vorgehen zeuge von einem erheblichen Maß an krimineller Energie. Die bereits mehrfach vorbestraften Angeklagten hätten ihre Geschäftspartner gezielt ausgenommen, um sich persönlich zu bereichern.

Die 35-jährige Ehefrau habe zwar nicht aktiv daran mitgewirkt. Sie habe aber einen gefälschten Pass eingesetzt und die Firma unter einem falschen Namen angemeldet – zu einem Zeitpunkt, als sie noch unter Bewährung stand. Das sei schon „ein starkes Stück“, meinte der Richter. (pid)

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