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Gerrit Wilanek gewinnt im Jungen Theater den Poetry Slam

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Von: Kim Henneking

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Finalisten beim Poetry Slam im Jungen Theater in Göttingen.
Poetry-Slam beim Göttinger Literaturherbst 2022 im Jungen Theater (JT): Finalisten: Den größten Applaus erhielt Gerrit Wilanek (Rechts). Neben ihm stehen Moderator Joachim Linn und die Zweitplatzierte Natalie Friedrich. © Kim Henneking

Wettkampfzeit im Jungen Theater in Göttingen: Es geht um den Titel bester Blitz-Wissenschaftserklärer im Rahmen eines Poetry-Slam-Formats.

Göttingen - Beim Göttinger Literaturherbst darf neben langen Romanen und wichtigen Wissenschaftsbeiträgen auch das kurze Poetry-Slam-Format nicht fehlen. Darüber waren sich die Organisatoren des Göttinger Poetry Slams einig und haben für Sonntagabend ins Junge Theater eingeladen. Die acht Künstler auf der Bühne trugen bei diesem Dichterwettbewerb persönliche und politisch aktuelle Themen vor.

Vier von ihnen waren als erfahrene Dichter eingeladen worden: Natalie Friedrich, Jan Schmidt, Linux Wedemeyer und Gerrit Wilanek. Vier weitere hatten ihre Namen an diesem Abend in einen Lostopf geworfen und durften als Neueinsteiger aus den Reihen des Publikums auf die Bühne treten: David Martin, Noel Nordbron, Renné Blümel und Björn.

Acht Künstler treten im Dichterwettbewerb im Jungen Theater gegeneinander an

Etwa die Hälfte des Publikums im voll besetzten Theatersaal war das erste Mal bei einem Poetry-Slam zu Gast. Das üblicherweise bei Studenten beliebte Format hatte beim Literaturherbst auch ältere Besucher angelockt. „Ein volles Haus ist für alle Kulturveranstalter Balsam für die Seele“, freute sich Moderator Joachim Linn.

Den meisten Applaus erhielt an diesem Abend Gerrit Wilanek aus Hannover. Der erfahrene Poetry Slammer kämpfte sich mit einem Text über Männlichkeit ins Finale. Darin ruft er Männer dazu auf, den Mantel des Patriarchats abzustreifen: „Feminismus ist auch maskulin. Wir brauchen alle Kings und Queens.“ In seinem Finaltext ging es dann locker und unterhaltsam um das Thema Essen und wie schwierig es ist, zwischen Vegetariern und Aktivisten eine passende Partnerin mit dem selben Geschmack zu finden.

Auf Platz zwei landete Natalie Friedrich aus Karlsruhe, die mit zwei amüsanten Geschichten übers Taxifahren und märchenhafte Drachentöter das Publikum überzeugt hatte. Über die Angst vor dem Klimawandel, Schamgefühle während der Pubertät, Liebeskummer, Coming-out und Depression sprachen die Dichter an diesem Abend. Einige souverän, andere mit zittrigen Händen. Doch alle mit gebührendem Applaus.

Für Großstadt-Flair sorgte die Musikerin Detechtiv. Mithilfe eines Synthesizers und eines Mischpults spielte sie ruhigere Versionen ihrer Berliner Clubmusik. Ihr fröhliches Lächeln und Tanzen zeigte, wie viel Spaß sie an ihrer Kunst hat. Die Freude sprang dabei auch auf das sitzende Theaterpublikum über.

Darunter war auch Egbert Hundeshagen aus dem Landkreis Göttingen. Er war das erste Mal bei einem Poetry Slam und war begeistert davon, wie „kreativ und mutig“ die Künstler waren.

Die Hann. Mündener Deutschlehrerin Dorothee Kern-Opitz überlegte, an einem Workshop teilzunehmen und mit ihren Schülern zu dichten. „Es ist eine krisenbeladene Zeit, das muss man zum Thema machen“, sagte sie zu den emotionalen und persönlichen Texten.

Und Bettina Hoffmann aus Göttingen machte sich an diesem Abend ein Bild von dem Format, weil ihr 17-jähriger Sohn bei einem Poetry Slam auftreten will. „Es ist sehr wertvoll, dass es dafür eine Bühne gibt“, sagte sie. „Und es ist mutig, auf die Bühne zu gehen und sein Innerstes nach außen zu tragen.“ (Kim Henneking)

Termine

4. November: Lesen für Bier im P-Café.

1. Dezember: Lesebühne „Dioptrien Deluxe“ im Jungen Theater.

6. Dezember: Sprachlabor im P-Café.

18. Dezember: Workshop und Poetry-Slam im Jungen Theater.

Anmeldung für Workshop per E-Mail an poetry-slam-goettingen@web.de

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