Stadtführung zeigt Göttingens älteste Keller – bis zu 750 Jahre alte Räume

Geschichten aus der Unterwelt

Es geht tief hinab: Mario Lüttich und sein Sohn Colin bestaunen den alten Brunnen, der tief versteckt unter dem Künstlerhaus in der Gotmarstraße liegt. Foto: Schulz
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Es geht tief hinab: Mario Lüttich und sein Sohn Colin bestaunen den alten Brunnen, der tief versteckt unter dem Künstlerhaus in der Gotmarstraße liegt.

Göttingen. Sie sind bis zu 750 Jahre alt, von außen unsichtbar und nur wenige wissen um ihre Schätze: In Göttingen ruhen einige Keller, die viel zu erzählen haben. In der Stadtführung „Ein Gang durch Göttingens Unterwelt“ werden genau diese Geschichten erzählt.

Stadtführerin Monika Dräger führt bei ihren Rundgängen zehn bis 15 Personen in die verborgenen Etagen der Innenstadt.

Gleich beim ersten Keller eine Überraschung: Es geht nicht abwärts, sondern treppauf. Und das im Dunkeln. Denn die Sicherung macht Schwierigkeiten. Im Lichtschein der Tür verrät Dräger, welche Geschichten sich hier einst zugetragen haben – Grusel-Atmosphäre inklusive. Zum Glück geht am Ende das Licht doch wieder an und die Besucher können sich umschauen.

Keller als Zwischengeschoss

Der Keller des Alten Rathauses ist eigentlich ein Zwischengeschoss. Er liegt unter dem Ratssaal und ist quasi der Vorläufer der modernen Fußbodenheizung. Denn in dem niedrigen Gewölbe wurde vor einigen hundert Jahren regelmäßig Feuer gemacht, um den Saal darüber zu temperieren. „Es gab zwölf Ratsherren und zwölf Löcher in der Kellerdecke“, erklärt Dräger. Im Stockwerk darüber nahmen die Ratsherren über den Öffnungen Platz und hatten es im Winter angenehm warm.

Der nächste Keller gehörte einem prominenten Einwohner Göttingens: Georg Christoph Lichtenberg. Er wohnte lange Zeit im heutigen Künstlerhaus in der Gotmarstraße. Über die abgenutzte Steintreppe sind schon Persönlichkeiten wie Goethe oder Benjamin Franklin nach unten geschritten. Für die Besucher tun sich mehrere großzügige Räume mit Gewölbedecken auf. „Wenn man bedenkt, dass viele damals nur Kriechkeller hatten, ist das hier schon purer Luxus“, sagt Dräger.

Das nächste Ziel führt die Gruppe quer durch die Stadt zum Wilhelmsplatz. Dabei weiß die Stadtführerin an jeder Ecke immer wieder nette Anekdoten zu berichten. Dräger kennt ihre Stadt und weiß sie mit Humor zu präsentieren.

Am Ziel geht es über eine schmale Treppe in das Untergeschoss der Studienberatung. Wo sich heute Studierende Rat holen, war früher ein Franzikanerkloster. Und im Keller befand sich die Latrine. „Viel kam hier nicht an. Schließlich war es ein Bettelorden und die Mönche lebten rein vegetarisch“, sagt Dräger.

Steinhaus von 1266

Zum Abschluss der eineinhalbstündigen Führung geht es ins älteste Steinhaus Göttingens, 1266 erbaut. Es liegt in der Roten Straße. Der Keller war damals noch Souterrain – das Straßenniveau lag etwa 80 Zentimeter niedriger als heute. In dem großzügigen Keller hatte ein wohlhabender Tuchhändler sein Geschäft. Schon damals wussten Geschäftsleute, wie sie die Leute zum Kaufen verführten: „Wer ins Wohnhaus wollte, musste erst durch das Geschäft“, erzählt Dräger. „Bei den Warenauslagen mag der ein oder andere im Vorbeigehen zum Beispiel einen hübschen Stoff für den neuen Wintermantel entdeckt haben.“

Die nächste Führung durch Göttingens Keller findet am Samstag, 18. Mai, ab 15 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 7 Euro. Weitere Informationen dazu auch im Internet:

www.goettingen-tourismus.de

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