Corona-Krise

Geschlossene Moscheen im Ramadan: Trauriger Monat für Göttinger Muslime

+
Musste die Moschee am Königsstieg vor ein paar Wochen wegen Corona vorübergehend schließen: Mustafa Keskin, Vorsitzender der Göttinger Ditib-Gemeinde. 

Auf gemeinsame Gebete und ein Fastenbrechen in großer Runde müssen die Muslime in diesem Jahr verzichten. Der Fastenmonat Ramadan beginnt, doch die Moscheen in Göttingen sind geschlossen.

„Das wird ein trauriger Monat für Göttingens 7500 Muslime“, meint Mustafa Keskin, Vorsitzender der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde. Zu den Freitagsgebeten kämen sonst bis zu 400 Gläubige in die Moschee am Königsstieg. Während des Ramadans drängten sich bei ihnen abends die Menschen. Zum Fastenbrechen kämen seit 2016 auch viele Flüchtlinge aus Syrien. Daraus werde in diesem Jahr aufgrund von Corona nichts. Wie bereits die Juden zu Pessach und die Christen zu Ostern würden nun auch die Muslime im Ramadan auf Zusammenkünfte verzichtet.

„Ausfallen wird dieses Jahr das interkulturelle Fußballturnier, an dem im vergangenen Jahr neben mehreren muslimischen Gemeinden auch die Göttinger Jesiden teilgenommen haben“, sagt der Vorsitzende. Aus dem Abrahamsfest, das der Runde Tisch der Abrahamsreligionen alljährlich für Juden, Christen und Muslime ausrichte, werde wohl ebenfalls nichts.

„Wir hoffen, dass uns die Stadt die Übertragung des Gebetsrufs nach außen erlaubt, wie das bereits in Hann. Münden geschehen ist“, sagt Keskin. Das solle die Menschen, ähnlich wie das Läuten der Kirchenglocken, „moralisch unterstützen“. Während des Ramadans würden sie die Koranrezitationen ihres Vorbeters, des Religionsbeauftragte Aziz Bul, per WhatsApp übertragen.

„Der Schutz des Lebens ist das oberste Ziel der Scharia, des islamischen Rechts“, erklärt Vorbeter Safwat Badran von der Al-Taqwa-Gemeinde an der Güterbahnhofstraße. Deshalb akzeptierten sie die Einschränkungen, obwohl das Fasten zu den fünf Säulen des Islams zähle. Tagsüber verzichteten die Gläubigen auf Essen, Trinken und Sex und bemühten sich um ein gottgefälliges Leben, so der gebürtige Ägypter.

„Die Sicherheit geht vor, auch wenn uns das ins Herz trifft“, betont Amr Abdel Aziz, der Vorsitzende der Salam-Moschee am Pestalozziweg 5. Deshalb seien alle Aktivitäten der Gemeinde, zu deren Freitagsgebet sonst 100 bis 120 Menschen kämen, vorerst gestoppt. Die Gläubigen müssten die Gebete nun alleine zuhause verrichten. Er selbst sitze seit Anfang März in der Türkei fest. Es gebe keine Flugverbindungen mehr zurück nach Deutschland. Sein Taxiunternehmen werde nun von seinem Sohn geführt.

„Wir wollen alle gesund bleiben und niemanden anstecken“, sagt Ali Ali vom libanesisch-schiitischen Kulturverein Al-Rida. Der Verein verfügt in seinem Zentrum An der Ziegelei in Rosdorf einen Gebetsraum, wo freitags bis zu 50 Gläubige zusammenkommen.

„Unsere 80 Mitglieder beten derzeit nicht in unseren Räumen an der Geismar Landstraße, sondern zuhause“, berichtet Tahir Bajwa von der Ahmadiyya Muslim Gemeinde Göttingen. Der Fernsehsender der Gemeinschaft, MTA, übertrage die Predigten ihres in London lebenden Oberhaupts, des Kalifen. Die Ahmadiyya-Gemeinde sei 1889 in Indien entstanden. In vielen islamischen Ländern sei sie verboten.

Geschlossen sind in Göttingen auch die El-Medina-Moschee am Maschmühlenweg, die vor allem von Roma aus dem Kosovo besucht wird, und die arabisch geprägte Al-Iman-Moschee an der Arndtstraße.

VON MICHAEL CASPAR

Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime

Der Ramadan ist laut Online-Lexikon Wikipedia der Fastenmonat der Muslime und neunter Monat des islamischen Mondkalenders. In ihm wurde nach islamischer Auffassung der Koran herabgesandt. Das Fest des Fastenbrechens im unmittelbaren Anschluss an den Fastenmonat zu Beginn des Folgemonats Schawwal ist nach dem Opferfest der zweithöchste islamische Feiertag. In diesem Jahr beginnt der Ramadan in dieser Woche und endet am 23. Mai, also einen Monat später. (bsc)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.