Von Menschen aus dem Iran

Gesichter voller Geschichten: Göttinger Fotograf stellt Porträts aus

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Hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: Arasch Zandieh mit einer seiner ältesten Kameras und dem Porträt eines Mädchens, das er im Iran fotografiert hat. 

Göttingen. Er möchte zeigen, dass alle Menschen gleich sind, dass alle Menschen die gleichen Bedürfnisse, Wünsche, Träume und Ängste haben: Der Göttinger Fotograf Arasch Zandieh stellt im August 20 Porträt-Fotografien von Menschen aus dem Iran in Göttingen aus.

Entstanden sind die Aufnahmen bei einer sechsmonatigen Reise durch Asien. Alte, Junge, Frauen und Männer - alle Modelle habe Zandieh auf der Straße getroffen. „Es sind alles hart arbeitende Menschen, die nur sehr wenig besitzen“, erzählt der 37-jährige Fotograf.

Alle in der Ausstellung gezeigten Porträts sind in schwarz-weiß gehalten. „Ich wollte nicht durch Farbe ablenken.“ Fotografiert seien sie mit einer besonderen Technik, bei der der Fokus auf den Augen liege, alles andere rücke durch Unschärfe in den Hintergrund.

Er wolle Gesichter zeigen, ganz bewusst habe er den Schwerpunkt deshalb auf die Augen der Menschen gelegt. Augen könnten Geschichten und von Erinnerungen erzählen, sie könnten Hoffnung ausstrahlen, findet Zandieh. „Wenn Menschen jemandem in die Augen schauen, dann ist es doch viel schwerer, Hass zu empfinden.“

Misstrauen oder Ablehnung sei Zandieh auf seinen Reisen niemals begegnet. Auch wenn er sich oftmals in gefährliche, in arme Gegenden begeben habe. Die Menschen luden ihn in ihre Häuser ein, obwohl sie selbst nur wenig hatten, waren offen und herzlich, sagt der Fotograf. „Sie haben ihr trockenes Brot mit mir geteilt.“

Er selbst ist als kleiner Junge mit seinen Eltern aus dem Iran nach Deutschland gekommen. 26 Jahre sei er nicht mehr in seinem Geburtsland gewesen - bis ein schwerer Unfall vor fünf Jahren sein Leben verändert habe, sagt Zandieh. „Ich war mit dem Motorrad unterwegs, als mir ein Auto die Vorfahrt nahm.“

Bis seine Verletzungen und das Trauma verheilt waren, habe es zwei Jahre gedauert. „Ich brauchte lange, bis ich alles verarbeitet hatte.“ Bis zu diesem Zeitpunkt habe es nur noch Arbeit für den Fotografen gegeben. „Ich hatte den Blick für das Wesentliche verloren. Der Unfall hat mich verändert“, erzählt der 37-Jährige.

Obwohl der Fotograf in Deutschland aufgewachsen ist und völlig ohne Akzent spricht, stoße er dennoch selbst hin und wieder auf Ablehnung. Auch deshalb sollen seine Bilder darauf aufmerksam machen, dass alle Menschen - egal von wo auf der Welt sie kommen - die gleichen Bedürfnisse haben und dass alle das Recht auf ein sicheres Leben haben, sagt Zandieh.

Hintergrund: Ausstellung von 20 Porträts

Die Bilder von Arasch Zandieh sind vom 23. August bis zum 22. November beim Awo Kunsthandwerk, Kurze Straße 3, in Göttingen zu sehen. Interessierte können die Fotos auch kaufen, 70 Prozent des Erlöses werden an soziale Einrichtungen gespendet. Zandieh verdient nur so viel daran, dass er seine Produktionskosten decken kann. Von insgesamt 150 Bildern wird der Fotograf zunächst etwa 20 Porträts ausstellen. Die Ausstellung finanziert er selbst. Wer ihn beim Drucken der Bilder unterstützen oder Rahmen zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei Arasch Zandieh per E-Mail unter zandiehmedien@gmail.com melden.

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