CORONAKRISE

Kontaktnachverfolgung: Göttinger Gesundheitsamt benötigt Hilfe von Kitas und Schulen

Pressekonferenz: Sozialdezernentin Petra Broistedt (links) sowie Dr. Angelika Puls und Dr. Eckart Mayr vom Gesundheitsamt Göttingen informierten über den Strategiewechsel bei der Nachverfolgung von Kontakpersonen positiv auf das Covid 19-Virus getesteten Schüler und Kindergartenkinder.
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Pressekonferenz: Sozialdezernentin Petra Broistedt (links) sowie Dr. Angelika Puls und Dr. Eckart Mayr vom Gesundheitsamt Göttingen informierten über den Strategiewechsel bei der Nachverfolgung von Kontakpersonen positiv auf das Covid 19-Virus getesteten Schüler und Kindergartenkinder.

Bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen positiv auf das Covid 19-Virus getesteter Menschen stößt auch das Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen inzwischen an seine Grenzen.

Göttingen – Deshalb werden betroffene Schulen und Kindertagesstätten (Kitas) jetzt um aktive Mithilfe gebeten.

„Nach wie vor ist es natürlich unser oberstes Ziel, Infektionsketten zu unterbrechen“, sagt Petra Broistedt, Leiterin des Stabs für außergewöhnliche Ereignisse und als Dezernentin der Stadt Göttingen zuständig für das Gesundheitsamt. Dies sei nach dem Ausbrauch der Pandemie im Frühjahr noch gut gelungen, weil es sich bei den größeren Infektionsgeschehen zumeist um lokal begrenzte Fälle wie in den beiden Göttinger Hochhäusern oder in mehreren Altenheimen gehandelt habe und die Arbeit für das Gesundheitsamt daher noch einigermaßen gut zu bewältigen war.

Göttinger Gesundheitsamt benötigt Hilfe: Kontaktverfolgung unlösbare Aufgabe

„Seit den Herbstferien haben wir jedoch rund 800 Covid 19-Fälle mit breiter Streuung über das gesamte Kreisgebiet verzeichnet und das stellt unser Gesundheitsamt vor allem bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen vor eine unlösbare Aufgabe“, schilderte Broistedt. Schließlich nehme die Behörde mit jeder dieser Personen telefonisch Kontakt auf und informiere sie darüber, wie sie sich zu verhalten habe. Dabei dauere ein Gespräch mindestens 30 Minuten. „Und es ist nicht selten, dass pro Infiziertem 100 Personen von uns kontaktiert werden müssen“, so die Dezernentin.

Weil die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes trotz Unterstützung durch Studenten, Angehörige der Bundeswehr und sogar Finanzbeamte es nur mit Mühe und Not schaffen, 30 Infizierte pro Tag nachzuverfolgen und das bei einem hohen Infektionsgeschehen wie in den vergangenen Wochen nicht ausreicht, um alle Kontaktpersonen zeitnah zu erreichen, ist nun ein Strategiewechsel für Schulen und Kindertagesstätten geplant. „Das Gesundheitsamt nimmt weiterhin Kontakt mit infizierten Personen auf, erkundigt sich nach deren Befinden und bespricht die Quarantänemaßnahmen mit ihnen“, sagt Dr. Angelika Puls, Fachärztin für Kinder-und Jugendmedizin im Gesundheitsamt. Wenn eine Schule oder eine Kita betroffen sei, dann nehme das Gesundheitsamt gleichzeitig Kontakt mit deren Leitung auf, benenne die positiv getestete Person und bespreche die weitere Vorgehensweise. „Wir bitten darum, die Kontaktpersonen mit Hilfe einer von uns zur Verfügung gestellten Anleitung zu bestimmen, diese umgehend nach Hause zu schicken und ihnen mitzuteilen, dass das Gesundheitsamt sie unter Quarantäne stellen wird“, so Puls.

Göttinger Gesundheitsamt benötigt Hilfe: Freiwilliges System

Außerdem seien die Leitungen der Einrichtungen angehalten, eine Liste mit den Daten der Kontaktpersonen zu erstellen und diese schnellstmöglich dem Gesundheitsamt zu übermitteln.

„Bei der neuen Strategie handelt es sich um ein freiwilliges System“, betont Petra Broistedt. Sollten Leitungen von Schulen oder Kitas sagen, sie könnten das nicht leisten, dann würde das Gesundheitsamt so arbeiten wie bisher.

Göttinger Gesundheitsamt benötigt Hilfe: Der Verantwortung bewusst

„Das kann jedoch dazu führen, dass Infektionsschutzmaßnahmen wie etwa Quarantäne für Lerngruppen oder für ganze Jahrgänge nur sehr verzögert angeordnet werden können, was weder im Sinne der Schulen und Kitas noch im Sinne der Allgemeinheit sein kann“, so die Dezernentin.

Gleichzeitig versichere sie, dass sich alle Gesundheitsämter auch in Zukunft ihrer Verantwortung bewusst sein, dieser nachkommen und alle erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anordnen werden. (Per Schröter)

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