Zukunftsforum Gesundheit

Gesundheitsregion erörtert Folgen des Klimawandels für die Gesundheit

In der Lokhalle in Präsenz richtete die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen ihr Zukunftsforum zum Thema Klimawandel und Gesundheit. Auch Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD/Mitte) war mit Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta (links vorne) dabei. Petra Broistedt (rechts) begrüßte. Links die Referenten: Dr. Reinhard Koppenleitner, Dr. Hannes Petrischak und Prof. Dr. Stephan Neumann sowie die Vorstandsmitglieder.
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In der Lokhalle in Präsenz richtete die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen ihr Zukunftsforum zum Thema Klimawandel und Gesundheit. Auch Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD/Mitte) war mit Landtagspräsidentin Dr. Gabriele Andretta (links vorne) dabei. Petra Broistedt (rechts) begrüßte. Links die Referenten: Dr. Reinhard Koppenleitner, Dr. Hannes Petrischak und Prof. Dr. Stephan Neumann sowie die Vorstandsmitglieder.

Tiere übertragen Krankheiten auf den Menschen, die Zahl der Hitzetoten steigt. Mit den Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit befasste sich das Zukunftsforum Gesundheit.

Göttingen – Nicht nur durch die immer häufiger auftretenden Überschwemmungen und Waldbrände gefährde der Klimawandel die Menschen, sagte Niedersachsens Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Daniela Behrens (SPD), bei der Veranstaltung, die die Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen am Freitag in der Lokhalle ausgerichtet hat. Der Klimawandel habe auch andere „unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit“.

Die Landesregierung unterstütze Krankenhäuser dabei, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen. Hannover werde die Gesundheitsregion auch über das Jahr 2022 hinaus finanziell fördern, kündigte die Ministerin auf Nachfrage von Moderator und HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz an.

Sie deutete an, dass der Förderungsbetrag angehoben werden könnte. In Niedersachsen gibt es mittlerweile 37 Gesundheitsregionen, die seit 2014 vom Land und von einigen Unterstützern gefördert werden.

Zeckengefahr das ganze Jahr über

„Die zunehmend milderen Winter haben dazu geführt, dass Zecken heute das ganze Jahr über aktiv sind und beim Blutsaugen die gefährliche Borreliose übertragen können“, führte Professor Stephan Neumann vom Tiermedizinischen Institut der Göttinger Universität aus.

Zudem breiteten sich Zeckenarten aus dem Mittelmeerraum in Mitteleuropa aus, wodurch sich das Ansteckungsrisiko vergrößere. Auch andere von Tieren übertragene Krankheiten, wie die Hasenpest oder Hantaviren-Infektionen, ließen sich verstärkt feststellen.

Der Wissenschaftler warnte vor dem Fuchsbandwurm, dessen Eier von Füchsen ausgeschieden werden. Der Wind weht die Eier 16 Meter, an stürmischen Tagen sogar doppelt so weit fort. Menschen nehmen sie auf, wenn sie im Wald gesammelte Beeren oder Pilzen essen.

Beim Schmusen mit dem Haustier können Erreger übertragen werden

Neumann riet zu einem umsichtigeren Umgang mit Haustieren wie Hund und Katze. Durch leichte Verletzungen beim Schmusen gelangten Erreger aus dem keimbelasteten Maul der Tiere in den Menschen.

Zur Vorsicht riet der Tiermediziner bei Wildbret. Dieses werde zwar veterinärmedizinisch untersucht, aber nur auf wenige Erreger. Um auf die neuen Bedrohungen angemessen reagieren zu können, müssten Umweltwissenschaftler, Tier- und Humanärzte eng zusammenarbeiten, mahnte der Professor an.

Die steigenden Temperaturen im Sommer, die auch nachts oft nicht mehr unter 20 Grad Celsius sinken, töten Senioren und Vorerkrankte, aber auch die Kleinen, warnte Kinderarzt Dr. Reinhard Koppenleitner von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Grund sei eine Überlastung des körpereigenen Wasserhaushalts und des Herz-Kreislauf-Systems.

Klimaschutz hat stets positive Auswirkungen auf die Gesundheit

Auf das Risiko einer „massiven Beschleunigung des Klimawandels“ machte der promovierte Biologe Hannes Petrischak von der Heinz-Sielmann-Stiftung aufmerksam.

Dazu komme es unter anderem, wenn beim Schmelzen der sibirischen Permafrostböden viel Methan und Kohlendioxid freigesetzt werde. Taue das Polareis, werde Wärmestrahlung der Sonne nicht mehr zurück ins All reflektiert. Die dunkleren Ozeane absorbierten die Strahlung und erwärmten sich, was wiederum Auswirkungen auf das Wetter habe.

Reinhard Koppenleitner, der sich seit den 80er-Jahren engagiert, wiederum appellierte, dem Klimawandel massiv entgegenzuwirken. In Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen sagte er: Klimaschutz habe stets auch eine positive Auswirkung auf die Gesundheit. (Michael Caspar)

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