1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Gewaltattacke vor Einkaufszentrum: Angeklagter hatte Angaben zum Tatgeschehen gemacht

Erstellt:

Von: Heidi Niemann

Kommentare

Das Tatort: Die Attacke ereignete sich an einer Haltestelle am Einkaufszentrum Carré.
Das Tatort: Die Attacke ereignete sich an einer Haltestelle am Einkaufszentrum Carré. (Archivfoto) © Heidi Niemann/nh

Sieben Angeklagte sollen Ende Juni vergangenen Jahres einen 36-Jährigen mit Faustschlägen und Tritten attackiert haben. Ein Angeklagter hat inzwischen Angaben zum Tatgeschehen gemacht – die anderen nicht.

Göttingen – Darf die Aussage eines damals 14 Jahre alten Jugendlichen bei einer polizeilichen Vernehmung im Juli vergangenen Jahres vor Gericht verwertet werden? Dieser Frage kommt in dem seit Mitte Mai laufenden Prozess um eine brutale Gewaltattacke vor dem Göttinger Einkaufszentrum Carré eine zentrale Rolle zu.

Die Verteidiger der insgesamt sieben Angeklagten machten in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Göttingen erneut deutlich, dass sie eine Verwertung für unzulässig halten, da zum Zeitpunkt der Vernehmung kein Verteidiger bestellt war. Die Frage der Verwertbarkeit ist vor allem aus einem Grund von Bedeutung: Während die übrigen Angeklagten sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert haben, hat der inzwischen 15 Jahre alte Angeklagte gegenüber der Polizei Angaben zum Tatgeschehen gemacht.

Sieben Angeklagte sollen 36-Jährigen mit Faustschlägen und Tritten attackiert haben

Die sieben Angeklagten im Alter zwischen 15 und 21 Jahren müssen sich in dem Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Ende Juni vergangenen Jahres einen 36-jährigen Masterstudenten beim Aussteigen aus dem Bus abgefangen und mit Faustschlägen und Tritten attackiert zu haben.

Laut Anklage soll einer von ihnen dem Studenten mit einem schlagstockähnlichen Gegenstand gegen den Kopf geschlagen haben, so dass dieser für kurze Zeit das Bewusstsein verlor und zu Boden ging. Alle Angeklagten hätten dann gemeinsam auf das Opfer eingetreten. Anschließend seien sie geflüchtet.

Gewaltattacke vor Einkaufszentrum: Opfer erlitt großflächige Hämatome

Der 36-Jährige erlitt durch die brutalen Schläge und Tritte unter anderem großflächige Hämatome am Kopf und am Oberkörper sowie einen Nasenbeinbruch. Laut Anklage hätte die Attacke auch deutlich schlimmere Folgen haben können. Deshalb hatte die Staatsanwaltschaft zunächst auch wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt.

Anlass für die massive Gewaltattacke war den Ermittlungen zufolge ein kurzer Disput am Schwimmbad an der Eiswiese gewesen.

Vor Gericht war unter anderem eine Polizistin als Zeugin geladen, die damals an der Vernehmung beteiligt war. Sie habe den Angeklagten zuvor mehrfach auf das ihm zustehende Recht hingewiesen, einen Verteidiger seiner Wahl zu bestellen, sagte sie.

Da es zu dem Zeitpunkt um den Vorwurf eines versuchten Tötungsdelikts ging, habe sie ihm auch erklärt, dass hier ein Fall „notwendiger Verteidigung“ vorliege und deshalb in jedem Fall ein Pflichtverteidiger für ihn bestellt werde. Der Angeklagte habe ausdrücklich darauf verzichtet, dass ihm vor seiner Vernehmung ein Pflichtverteidiger bestellt wird. (Heidi Niemann)

Auch interessant

Kommentare