Projekt Dragoneranger ist umstritten

Gewerbegebiet im Göttinger Norden liegt jetzt auf Eis

das umstrittene Gewerbegebiet Dragoneranger aus der Luft
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Darum geht es: Das umstrittene Gewerbegebiet Dragoneranger im Norden von Göttingen liegt jetzt nach einer Stadtrats-Entscheidung auf Eis. (Luftbild)

Am Dragoneranger im Göttinger Stadtteil Weende soll nun doch kein Gewerbegebiet mehr entstehen. Diese Entscheidung des Göttinger Stadtrates wurde während der Haushaltsdebatte bekannt.

Göttingen – Die Pläne, die schon weit vorangeschritten waren und die von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler nach wie vor befürwortet werden, sahen vor, auf der rund 15 Hektar großen Fläche am Dragoneranger an der Bundesstraße 3 im Göttinger Norden ein neues Industrie- und Gewerbegebiet auszuweisen und dort unter anderem ein Betonwerk zu bauen. Dagegen hatte es in der Bevölkerung zuletzt massiven Widerstand gegeben.

„Verbunden mit Haushalten sind auch immer wichtige Entscheidungen über Projekte“, sagte am Freitag Tom Wedrins, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Göttinger Stadtrat. „Richtig ist, dass wir uns heute hier in puncto Dragoneranger anders positionieren als der Oberbürgermeister, was aber auch kein Novum ist, denn ein Stadtoberhaupt muss anders agieren können als eine Fraktion.“ Da man dabei offen kommuniziere, falle man Oberbürgermeister Köhler damit auch nicht in den Rücken. „Der Dragoneranger ist als einzigartige Fläche und Kaltluftschneise keine Gewerbefläche für ein Betonwerk“, betonte Wedrins. „Und wir müssen respektieren, dass ein ganzer Stadtteil sich dort zu Wort meldet.“

Wenn man für Entwicklungen in der Zukunft Unterstützung haben wolle, dann dürfe man nicht alle vor den Kopf stoßen. „Natürlich trifft es zu, dass Beschlüsse schon in andere Richtungen gelaufen sind“, meinte Wedrins. „Aber nach fünf Jahren müssen wir immer wieder bei Flächen auch neu bewerten.“ Natürlich sei es richtig, dass die SPD den Flächennutzungsplan so mitgetragen habe. Wenn man aber erkenne, dass eine Entscheidung in der Vergangenheit aus heutiger Sicht falsch ist, müsse man auch dazu stehen und sie revidieren. „Für uns ist der Klimaschutz kein Lippenbekenntnis, wir verschieben ihn auch nicht in die Zukunft, sondern handeln jetzt“, so Wedrins.

Für die CDU kam diese Rolle rückwärts während der Haushaltsberatungen völlig überraschend. „Damit ist die SPD-Ratsfraktion ihrem eigenen Oberbürgermeister in den Rücken gefallen und hat damit den seit Jahren unstrittigen Planungskonsens auf den Kopf gestellt sowie tausende von Planungsstunden der Verwaltung pulverisiert“, befand der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Feuerstein. Die spontane Kehrtwende von Rot-Grün sei nicht nachvollziehbar und habe mit verlässlicher Kommunalpolitik nichts mehr zu tun. „Da ist es nur billige Spiegelfechterei, wenn Rot-Grün hier einknicken und sich auch noch durch grundfalsche Behauptungen in ein gutes Licht zu rücken versucht“, so Feuerstein. Es sei „schlicht nicht wahr“, dass nun wegen des Erschließungsstopps für den Dragonernager Millionenbeträge für Schul- und Radwegebau freigesetzt würden. Das Gegenteil sei der Fall: Die Stadt müsse einen erheblichen Vermögensverlust in den Büchern verbuchen.

Als „Hauptattraktion des Haushaltes 2021“ bezeichnete Dr. Francisco Welter-Schultes von der Piratenpartei die Dragoneranger-Entscheidung. „Ich begrüße das ausdrücklich“, sagte er, „auch wenn es natürlich schade ist, dass dadurch tausende Planungsstunden von Fachleuten hinfällig sind.“

Von Per Schröter

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