Verdi rief am Donnerstag erneut zu einem Warnstreiktag auf

Widerstand gegen schlechtere Eingruppierung in Göttingen

Bildeten eine Menschenkette um das Neue Rathaus in Göttingen: Zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes waren am Donnerstag im Warnstreik.
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Bildeten eine Menschenkette um das Neue Rathaus in Göttingen: Zahlreiche Beschäftigte des öffentlichen Dienstes waren am Donnerstag im Warnstreik.

Zahlreiche öffentliche Einrichtungen im Landkreis Göttingen waren am Donnerstag (15. 10. 2020) von einem ganztägigen Warnstreik betroffen. Die Gewerkschaft Verdi rief zu dem Aktionstag auf.

Update vom 15.10.2020, 16.30 Uhr - Göttingen - Eine Menschenkette rund um das Neue Rathaus in Göttingen bildeten am Donnerstag an die 300 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte erneut zu einem Warnstreik aufgerufen.

Mit Absperrbändern in den Händen standen die Angestellten um das Rathaus. Manche hielten Transparente hoch. An die Arbeitgeber adressiert hieß es dort zum Beispiel: „Wir halten den Laden am Laufen. Jetzt seid ihr dran.“ Die Enttäuschung der Streikenden nach zwei Tarifverhandlungsrunden war spürbar.

„Alle bringen sich während der Corona-Krise voll ein und jetzt machen ihnen die Arbeitgeber den Teller nicht voll“, schimpfte Gewerkschaftssekretär Jan von Alvensleben, der unter anderem für die Ver- und Entsorgungsbetriebe in der Region zuständig ist.

„Wenn bei uns die Löhne nicht steigen, wird es immer schwerer, junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen“, ergänzte Thomas Meise von den Stadtwerken Göttingen. Nach der Lehre würden sie in Lohngruppe 5 beginnen und könnten maximal bis in Lohngruppe 6 aufsteigen. Das seien dann mit Bereitschaftszulagen 3000 Euro brutto im Monat. Da suchten sich viele lieber in der freien Wirtschaft eine Stelle. Hätten sie vor 20 Jahren 100 Bewerber für einen Ausbildungsplatz gehabt, so seien es heute drei, vier Interessierte.

„Viele im öffentlichen Dienst machen sich Sorgen, weil die Arbeitgeber auf Änderungen bei den Eingruppierungen drängen“, erklärte Sabine Banaschak von der Göttinger Stadtverwaltung. Die Arbeitgeber wollten Arbeitsprozesse in Einzelschritte zerlegen und diese jeweils gesondert bewerten. Gäbe es darunter viele einfache Tätigkeiten, so erfolge eine Heruntergruppierung. Auf Ablehnung stößt bei den Beschäftigten zudem eine leistungsorientierte Bezahlung. Die Arbeitgeber wollten einen höheren Anteil des Jahreseinkommens nur dann auszahlen, wenn zuvor vereinbarte Leistungsziele erreicht worden seien, hieß es.

Gestreikt haben am Donnerstag unter anderem auch Beschäftigte der städtischen Kindertagesstätten, die teils geschlossen, teils im Notbetrieb waren. Auch Erzieherinnen des KEI-Kindergartens machten mit, die von einer Elterninitiative nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes bezahlt werden. „Bei uns arbeiten viele aufgrund der anstrengenden Tätigkeit nur 30 Stunden in der Woche“, berichtete Leiterin Ruth Kiefer. Dadurch schrumpfe das ohnehin niedrige Einkommen – Lohngruppe S 8a – noch mehr. Unterstützung bekamen sie von den Eltern, die während des Warnstreiks eine Betreuung der Kinder organisierten.

„Solidarität mit dem Arbeitskampf“ zeigte „Die Linke“, deren Kreissprecher Edgar Schu vor Ort war. Ob Reinigungskraft oder Pflege, ob Technikerin oder Landschaftsgärtnerin – alle sollten mindestens 150 Euro mehr im Monat erhalten. Die Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst liege „weiter unter dem Durchschnitt aller Branchen“, so Schu.

Usprüngliche Meldung vom 15.10.2020 - Betroffen sind diesmal die Rathäuser, Einrichtungen des Landkreises, Stadtwerke, Entsorgungsbetriebe sowie Sparkassen und städtische Kindergärten im Kreisgebiet.

Der Warnstreik kann auch Auswirkungen auf die Leerung der Restabfallbehälter im Bereich der Abfallwirtschaft Göttingen (Altkreis Göttingen) haben, so die Kreisverwaltung. Möglicherweise bleiben Restabfallbehälter am Donnerstag gefüllt stehen. In diesen Fällen wird die Leerung zeitnah nachgeholt. Gleiches gilt für die Sperrmüll- und Altholzabfuhr im Altkreis Göttingen. Sollten diese Abfälle am Streiktag nicht vollständig abgefahren werden, erfolgt die Abholung ebenfalls schnellstmöglich, so die Verwaltung. Außerdem sind am Donnerstag voraussichtlich keine Anlieferungen von Abfall an Entsorgungsanlage Deiderode möglich.

Die Müllabfuhr im Bereich der Abfallwirtschaft Osterode (Altkreis Osterode) ist voraussichtlich nicht betroffen und wird ohne Einschränkungen stattfinden.

Die Entsorgungsanlagen in Breitenberg und Dransfeld sind vermutlich geöffnet. Die Leerung der Komposttonnen ist damit gesichert. Anlieferungen von Boden und Bauschutt sowie von Grünabfällen sind ebenfalls möglich. Es können jedoch möglicherweise Wartezeiten auftreten.

Die Entsorgungsanlage Hattorf am Harz wird vermutlich geöffnet sein. Damit ist auch dort die Anlieferung von Abfällen möglich. Wertstoffsäcke und Altpapier werden planmäßig abgeholt.

Der Warnstreik am Donnerstag hat auch Auswirkungen auf Kindertagesstätten im Göttinger Stadtgebiet:

Folgende Kita ist geschlossen: Geismar;

Folgende Kitas sind im eingeschränkten Betrieb: Insterburger Weg, Elisabeth-Heimpel-Haus, Grone, Lönsweg, Weende West, Rosdorfer Weg und Elliehausen;

Folgende Kitas werden nicht bestreikt: Hetjershausen, Ernst-Fahlbusch-Haus, Gartenstraße und Weende Nord

Die Gewerkschaft Verdi will mit öffentlichen Aktionen auf ihre Forderungen aufmerksam machen. Gefordert wird ein Lohnplus von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro pro Monat – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 100 Euro pro Monat angehoben werden.

In Göttingen gibt es ab 7.30 Uhr eine Versammlung auf dem Hiroshimaplatz. Um 9 Uhr beginnt eine Demo zum Groner Tor. In Hann. Münden startet um 10 Uhr eine Kundgebung auf dem Rathausplatz. In Duderstadt ist ab 8 Uhr eine Kungebung mit Fotoaktion am Stadthaus geplant.  (Bernd Schlegel/Michael Caspar)

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