Vorbereitung auf Tarifrunden

Gewerkschaften in Südniedersachsen: Mit mehr Geld gegen Fachkräftemangel

Bereiten sich auf die anstehenden Tarifverhandlungen vor: (von links) Sascha Rossmann, Agnieszka Zimowskain, Gewerkschaftssekretär Hauke Oelschlägel, Sebastian Wertmüller, Martin Knobbe und Katja Derer.
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Bereiten sich auf die anstehenden Tarifverhandlungen vor: (von links) Sascha Rossmann, Agnieszka Zimowskain, Gewerkschaftssekretär Hauke Oelschlägel, Sebastian Wertmüller, Martin Knobbe und Katja Derer.

Mit zusätzlichen Ausbildungsplätzen, besseren Arbeitsbedingungen und einer höheren Bezahlung lässt sich nach Ansicht von Gewerkschaften in Südniedersachsen dem Fachkräftemangel begegnen.

Göttingen – „Dafür kämpfen wir in den anstehenden Tarifrunden.“ Das kündigte Agnieszka Zimowskain, die Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, bei einer Konferenz von 40 Gewerkschaftern aus der Region in Göttingen an. Motto der Offensive: Gewerkschaften in Bewegung.

„Das Land Niedersachsen findet nicht ausreichend Grundschullehrer“, berichtete Martin Knobbe vom Kreisverband Göttingen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Seine Lösung: Eine Anhebung der Besoldung auf A13. Ganz allgemein müssten sich die Arbeitsbedinungen von Lehrern verbessern. Viele Ältere gehen nach seinen Angaben aufgrund „übermäßiger Belastung“ vorzeitig in Ruhestand.

„Wenn wir dem Klimawandel begegnen wollen, brauchen wir mehr Öffentlichen Personennahverkehr“, betonte Sebastian Wertmüller, Bezirksgeschäftsführer Süd-Ost-Niedersachsen von Verdi. Das Problem: Es gibt kaum Busfahrer. „Das hat auch damit zu tun, dass Industriebetriebe sie als Produktionsmitarbeiter abwerben“, ergänzte Sascha Rossmann, Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Metall Südniedersachsen-Harz. Die Verkehrsbetriebe, so Wertmüller, setzen in ihrer Not verstärkt Geflüchtete aus Syrien als Busfahrer ein. Das lasse sich auch bei den boomenden Kurier- und Expressdiensten beobachten.

„Das Hotel- und Gaststättengewerbe hat während der Corona-Lockdowns 20 bis 30 Prozent seines Personals verloren“, berichtete Katja Derer, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Süd-Ost-Niedersachsen-Harz. Einige Betriebe seien noch immer geschlossen, weil ihnen die nötigen Mitarbeitenden fehlten. Die Arbeitgeber beginnen laut Derer mit dem Umdenken. Die NGG fordert deutlich mehr als den Mindestlohn.

Kaum Beschäftigte, so Derer, findet das Bäckerhandwerk. Ein Grund: Keine einzige Bäckerinnung in Südniedersachsen sei noch in der Tarifbindung. Ihre Gewerkschaft werde die Betriebsratswahlen im kommenden Jahr dazu nutzen, Beschäftigte zum Aufstehen für die eigenen Rechte zu ermuntern. Derzeit sei die NGG dabei, Lieferando-Mitarbeitende gewerkschaftlich zu organisieren. Es sei bereits gelungen, dass sie nicht mehr als Selbstständige, sondern als sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer anerkannt würden. Sie bekämen nun Räder und Schutzausrüstung gestellt. Jetzt stritten sie unter anderem für eine Anhebung des Stundenlohns von derzeit zehn bis elf Euro auf 15 Euro.

Verstärkte Anstrengungen im Bereich der Ausbildung mahnte IG Metall-Gewerkschaftssekretär Rossmann an. In der südniedersächsischen Metall- und Elektrobranche lasse sich gegenwärtig das Gegenteil beobachten. Im Vergleich zu 2019 bildeten die Betriebe heute zehn Prozent weniger junge Leute aus. (Michael Caspar)

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